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Das 1x1 der Lagerlogistik

Seit Menschen Handel treiben und Waren bewegt werden, gibt es Lager. Die Lagerlogistik ist eine jahrtausendealte Aufgabe, die im Industriezeitalter mit Gabelstaplern, Industriepaletten oder Hochregalen immer leistungsfähiger wurde. Doch das ist kein Vergleich dazu, wie Digitalisierung, KI und Robotik die Lagerlogistik heute revolutionieren. Worauf es in der modernen Lagerlogistik ankommt, lesen Sie hier.

Was ist Lagerlogistik?

Für unterschiedliche Lagerbedarfe gibt es verschiedene Lagerarten. Die Art des Lagers wird durch seine Funktion in der Supply Chain bestimmt. Die jeweiligen logistischen Prozesse, die in den verschiedenen Lagertypen ablaufen, sind jedoch ähnlich. Es macht keinen prinzipiellen Unterschied, ob es darum geht, Produktionsgüter in einem Vorratslager bereitzuhalten oder Sendungen in einem Umschlagslager für die Endzustellung vorzubereiten: Die grundlegenden Aufgaben und Prozesse sind gleich und können einheitlich definiert werden.

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Lagerlogistik: Definition

Die Lagerlogistik ist die professionelle und systematische Steuerung sämtlicher Prozesse, die beim Umgang mit Gütern in einem Lager anfallen. Das schließt alle logistischen Vorgänge vom Wareneingang bis zum Warenausgang ein. Ein- und Ausgang stellen jeweils eine Schnittstelle zur Transportlogistik dar.

Lagerlogistik: Aufgaben und Prozesse

Nur gut geplant ist effizient gelagert. Deswegen ist die gründliche Bedarfsplanung der erste Arbeitsschritt der Lagerlogistik. Diese Planung muss qualitative und quantitative Aspekte berücksichtigen: Was wird gelagert und welche spezifischen Ansprüche hat die Ware? Und: Wie viel wird gelagert und mit welchen Lagerumschlagsraten ist zu rechnen?

Diese Fragen müssen mit einer langfristigen Perspektive beantwortet werden und das potenzielle Unternehmenswachstum oder Nachfrageprognosen einbeziehen. Aus der Bedarfsanalyse ergeben sich der Lagerstandort und die Lagerart, die Lagergröße, der Personalbedarf sowie die notwendige technische Ausstattung.

Damit ist die Bewegung der Güter innerhalb des Lagers zwischen Wareneingang und -ausgang gemeint: also zum Beispiel Einlagerung und bei Bedarf Umlagerung, Kommissionierung oder Auslagerung.

Das Bestandsmanagement einschließlich Bestandsführung und -steuerung ist die Kernaufgabe der Lagerlogistik. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Lagerbestandsgenauigkeit: Der tatsächliche Lagerbestand muss sich mit dem Bestand im Warenwirtschaftssystem decken, um zusätzliche Kosten und Buchhaltungsprobleme zu vermeiden und die Prozessqualität hochzuhalten. Risiko-, Qualitäts- und Personalmanagement sind weitere Aufgaben des Lagermanagements.

Lagervorgänge müssen konsequent überwacht werden, um die Qualität der Abläufe sicherzustellen. Ein wichtiges Hilfsmittel für das Controlling sind spezielle Key Performance Indicators (KPIs) für die Lagerlogistik, die Lagerkennzahlen.

Wer von effektiven Lagerlogistik-Dienstleistungen profitiert

Jedes Unternehmen, das Waren produziert oder Handel treibt, ist auf die Transportlogistik angewiesen. Präzise logistische Abläufe setzen komplexe Steuerung voraus und eine adäquate lagerlogistische Infrastruktur: räumlich, technisch und personell. Im E-Commerce gibt es viele kleinere Player, die deshalb das Risiko einer eigenen Lagerlogistik scheuen oder denen schlicht die Ressourcen zum Aufbau interner logistischer Lösungen fehlen. Aber unabhängig von der Größe lautet die Frage, die sich viele Unternehmen stellen: Lohnt sich der Aufbau einer internen Lagerlogistik?

Dienstleister in der Lagerlogistik können die lagerlogistischen Aufgaben ganz oder teilweise übernehmen, je nachdem wie viele der Lagerprozesse ein Unternehmen outsourcen möchte. Die größtmögliche Auslagerung stellt das Fulfillment dar. Hierbei übernimmt ein Servicepartner sämtliche lagerlogistischen Aufgaben von der Warenbewegung bis zur Lagerkontrolle und außerdem weitere Arbeitsschritte wie die Bestellannahme, Verpackung, den Versand und das Retourenmanagement.

Vor allem kleinere Onlinehändler greifen auf Fulfillment-Services zurück. Man spricht im E-Commerce auch von E-Fulfillment, das technisch in der Regel über IT-Schnittstellen zwischen Onlineshops und den Lagerlogistik-Systemen organisiert ist.

Innovative Lagerlogistik für die Industrie 4.0

Mit der E-Commerce-Logistik ist ein wesentlicher Aspekt der logistischen Gegenwart und Zukunft schon angesprochen worden: die Digitalisierung in der Lagerlogistik. Digitalisierung ist kein Trend, sondern Realität.

Die Welt vernetzt sich weiter und die globalen Warenströme nehmen nach wie vor zu. Die E-Commerce-Logistik bedeutet außerdem: großes Sendungsvolumen in kleinen Einheiten. Das alles läuft auf einen hohen logistischen Aufwand hinaus, der ohne effiziente IT-Lagerverwaltungssysteme, Vernetzung zwischen Lager- und Transportlogistik oder moderne Lagertechnik überhaupt nicht mehr zu bewältigen ist. Hinzu kommt der Personalmangel, der in der Lagerlogistik in Deutschland schon heute sehr ausgeprägt ist und der sich in Zukunft international noch verschärfen dürfte.

Kurz: Automatisierung und Digitalisierung sind für die Zukunftsfähigkeit der Lagerlogistik unerlässlich.

Automatisierung durch Robotik

Roboter gibt es in Form von Roboterarmen in der industriellen Fertigung schon seit über 60 Jahren. Die jüngsten Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) und Internet der Dinge haben Roboter immer leistungsfähiger gemacht und ihre Einsatzfelder in der Lagerlogistik enorm erweitert. Durch automatisches Lernen können sie zum Beispiel immer besser navigieren und über das Internet der Dinge mit Regalen und Kartons kommunizieren. All das erhöht ihre Autonomie.

Waren es anfangs nur stationäre Greifroboter oder Regalroboter (Regalbediengeräte), die auf festen Bahnen an Lagerregalen entlangfahren und Waren entnehmen, so hat sich die Vielfalt der Lagerroboter mittlerweile stark erweitert:

  • Assisted-Picking-Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten
  • Pick-and-Place-Roboter, die autonom arbeiten, zum Beispiel als Kommissionierroboter
  • Sortierroboter
  • Packroboter
  • fahrerlose Transportfahrzeuge wie autonom fahrende Gabelstapler
  • autonome Drohnen

Das Ende der Entwicklung markieren autonome, auf Robotik basierende Lager mit automatischen Transport- und Lagersystemen – schon heute.

Automatisierung: Unumkehrbarer Trend in der Lagerlogistik

Die Herausforderungen, vor denen die Lagerlogistik steht, sind groß. Steigende Personalkosten bei gleichzeitigem Personalmangel sind ohne Automatisierung nicht zu bewältigen. Außerdem herrscht ein starker Wettbewerb um Fachkräfte. Ein hochmodernes Lager bietet attraktive Arbeitsplätze für ambitionierte Mitarbeitende und damit einen Wettbewerbsvorteil.

Auf der anderen Seite erwarten Kunden ein schnelles und effektives Fulfillment. Auch hier helfen moderne Lagersysteme. Roboter arbeiten rund um die Uhr, wodurch mehr Prozesse pro Tag möglich sind. Automatisierung beschleunigt Abläufe aber nicht nur, sondern macht es auch möglich, dass durch nahtlose Abläufe Lagerflächen effizienter genutzt werden. Dadurch lassen sich Lagerflächen sparen und Mietkosten reduzieren.

Und last but not least gibt es noch das übergeordnete Ziel der Nachhaltigkeit. Effiziente Prozesse sparen Ressourcen. Dadurch trägt ein prozessoptimiertes Lagerhaus maßgeblich zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bei – so wie das Terminal for the Future von DHL Freight.

Internationale Führungskräfte schätzen das genauso ein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des norwegischen Anbieters von Lagertechnik AutoStore unter über 300 internationalen Führungskräften:

  • 20 % sehen in Arbeitskosten für Lagerlogistik die größte Herausforderung.
  • 61 % haben ihre Lagerlogistik erheblich oder vollständig automatisiert.
  • 91 % betrachten die Flächennutzung als unternehmerische Priorität.
  • Mit 37 % hat die Steigerung der Energieeffizienz unter den Nachhaltigkeitszielen die höchste Priorität. 30 % wollen darüber den CO2-Fußabdruck ihres Lagers verringern.
Fazit

Intelligente Lösungen für komplexe Aufgaben

Eine effiziente Lagerlogistik setzt eine sorgfältige Bedarfsplanung, gut aufeinander abgestimmte Prozesse und ein enges Monitoring voraus. Eine kundenorientierte Lagerlogistik erfordert heute und erst recht in Zukunft innovative Technik. Die beiden Schlagwörter in diesem Kontext sind Automatisierung und Digitalisierung. Das stellt Unternehmen vor Herausforderungen, mit denen sie aber nicht allein dastehen müssen. Erfahrene Dienstleister wie DHL Freight und DHL Group bieten Lösungen für eine moderne Lagerlogistik, die ganz auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Zum Beispiel im DHL Fulfillment Network. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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