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Indikatoren für den Erfolg: Welche KPIs gibt es in der Logistik?

DHL KPI

Es gibt in jeder Branche Indikatoren, anhand derer der Unternehmenserfolg quantifiziert und dafür notwendige Prozessoptimierungen vorgenommen werden können: sogenannte Key Performance Indicators (KPIs). Was sind KPIs im Logistik-Sektor, wie werden sie berechnet und wie lassen sich die Werte verbessern, um mehr Effizienz zu erzielen? Hier finden Sie die wichtigsten Logistik-KPIs im Überblick.

Was sind KPIs und was sagen sie aus?

KPIs sind Leistungskennzahlen zur Qualität und Effizienz einzelner betrieblicher Prozesse oder Unternehmensbereiche. Wenn KPIs erhoben werden, dient das der objektiven Leistungsmessung: Welcher Fortschritt wurde gemacht und welche Ziele wurden erreicht? Prozesse werden anhand der KPIs überwacht und können mit diesen Kennzahlen analysiert werden. Das Ziel ist die Steigerung von unternehmerischer Effizienz und Qualität und darüber die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die erhobenen Daten relevant und aussagekräftig sein. In Unternehmensprozessen fallen Unmengen von Daten an. Sie alle zu evaluieren, verbraucht Ressourcen und ist wenig zielführend. Um sich als KPI zu qualifizieren, müssen Daten eine hohe Aussagequalität für einen bestimmten Unternehmensbereich oder Prozessschritt haben. Und sie müssen dazu geeignet sein, Qualität und Produktivität in diesen Bereichen präzise zu messen. Deswegen hat jede Branche ihre eigenen individuellen KPIs.

Logistik-KPIs

Natürlich gibt es KPIs, die eine übergeordnete und branchenunabhängige Relevanz haben: zum Beispiel Finanzkennzahlen zum Umsatz und Gewinn oder Human-Resources-KPIs zu Personalaufwand und Personalkosten.

Hier sollen logistikspezifische Beispiele für Kennzahlen im Zentrum stehen, die bei logistischen Dienstleistungen besonders aussagekräftig für die Performance sind. Die meisten KPIs lassen sich der Lagerlogistik und der Transportlogistik zuordnen, wobei die beiden Bereiche prozessual ineinander übergehen.

Die wichtigsten KPIs in der Transportlogistik

Liefergenauigkeit in Prozent

Liefergenauigkeit

Die Liefergenauigkeit gibt den prozentualen Anteil der Lieferaufträge an, die ohne Zwischenfälle abgewickelt worden sind – vom Bestelleingang bis zur Endlieferung. Mögliche und vermeidbare Zwischenfälle sind zum Beispiel unvollständige, fehlerhafte oder beschädigte Lieferungen oder Verzögerungen bei der Lieferung.

So berechnet man die Liefergenauigkeit in Prozent:
Liefergenauigkeit = Anzahl der Bestellungen ohne Zwischenfälle / Anzahl der Gesamtbestellungen x 100

On-Time-Shipping/Delivery-Rate in Prozent

Lieferzeit

Vermeintlich banal, aber zentral für die Kundenzufriedenheit: die pünktliche Lieferung von Sendungen. Für Versender ist hier die On-Time-Shipping-Rate wichtig: Sind die Waren am vorgesehenen Versandtag tatsächlich aufgegeben worden? Für die Performance von Transportlogistikern ist die On-Time-Delivery-Rate besonders entscheidend: Ist die Sendung am geplanten Termin tatsächlich zugestellt worden?

So berechnet man die On-Time-Shipping/Delivery-Rate in Prozent:
On-Time-Shipping-Rate = Anzahl der pünktlich aufgegebenen Lieferungen / Anzahl der Gesamtlieferungen x 100

On-Time-Delivery-Rate = Anzahl der pünktlich angekommenen Lieferungen / Anzahl der Gesamtlieferungen x 100

Transportauslastung

Auslastungsgrad der Fahrzeugflotte

Für Road-Freight-Anbieter ist dieser KPI von großer Bedeutung: Wie wird die vorhandene Fahrzeugkapazität genutzt? Gibt es Überkapazitäten? Wenn es zu wenig Transportkapazität gibt, muss die vorhandene entweder besser genutzt werden – etwa durch optimierte Ladungsplanung – oder es bedarf größerer Kapazitäten.

So errechnet man die Transportauslastung (in Volumen oder Gewicht):
Transportauslastung = Genutzte Kapazität (m3/kg) / Gesamtkapazität (m3/kg)

Transport- und Lieferkosten

Transportkosten haben für Logistikdienstleister und für Versender grundsätzlich unterschiedliche Bedeutung – auch wenn es in jedem Fall wünschenswert ist, sie niedrig zu halten. Für Dienstleister geht es um sämtliche Kosten, die bei der Abwicklung eines Transportauftrages von der Annahme bis zum Abschluss anfallen, wozu neben den eigentlichen Transportkosten (Personal, Material, Kraftstoff etc.) auch Verwaltung oder Lagerhaltung hinzukommen. Wenn hier KPIs ermittelt werden, ist das Ziel, die Kosten bei gleichbleibend hoher Servicequalität zu verringern.

Für Hersteller oder Verkäufer ist es wichtig, wie sich die Transportkosten zum Umsatz verhalten und welchen Anteil der Transport am Gesamtpreis eines Produktes ausmacht, um mögliche Einsparpotenziale aufzudecken.

So berechnet man den Anteil des Transports am Produktpreis:
Transport-Preis-Relation: Transportkosten / Verkaufspreis x 100

So berechnet man den Anteil des Transports am Unternehmensumsatz:
Anteil der Transportkosten = Transportkosten / Umsatz x 100

Die wichtigsten KPIs in der Lagerlogistik

Kosten, die für jede eingelagerte Einheit anfallen

Lagerkosten pro Einheit

Gebäudeerhalt, Anschaffung und Wartung von Fahrzeugen und Geräten, Energiekosten und Personalkosten schlagen sich in Lagerkosten nieder. Der KPI für Lagerkosten bezieht sich auf das Verhältnis von Kosten und tatsächlich eingelagertem Bestand in einem gegebenen Zeitraum. Am aussagekräftigsten ist der KPI zu den Lagerkosten pro Einheit im Lager. Darüber lassen sich ineffiziente Prozesse im Lager ermitteln, um die Gesamtkosten zu reduzieren.

So berechnet man die Kosten, die für jede eingelagerte Einheit anfallen:
Lagerkosten pro Einheit = Gesamtlagerkosten / Nominalkapazität des Lagers x Belegungsrate

Lagerbestandsgenauigkeit

Lagerbestandsgenauigkeit

Wenn sich der tatsächliche Lagerbestand nicht mit dem Bestand im Warenwirtschaftssystem deckt, können zusätzliche Kosten und Probleme bei der Buchhaltung entstehen. Außerdem leidet die Servicequalität unter diesen Abweichungen des elektronisch erfassten Bestands vom physischen, weil Zusagen an Kunden unter Umständen nicht eingehalten werden können. Deshalb ist die Lagerbestandsgenauigkeit eine zentrale Kennzahl in der Lagerlogistik.

Um negative Effekte zu verringern, muss die Lagerbestandsgenauigkeit kontinuierlich hoch sein. Der Indikator für die Lagerbestandsgenauigkeit gibt an, wie groß die Diskrepanz zwischen der erfassten und vorhandenen Ware im Lager ist. Weist der KPI eine hohe Ungenauigkeit auf, muss das bestehende Warenwirtschaftssystem verbessert werden.

Diese Kennzahl wird so berechnet (der ideale Wert ist 0):
Lagerbestandsgenauigkeit = Anzahl der im System erfassten Ware - Anzahl der tatsächlich vorhandenen Ware

Grad der Flächennutzung im Lager

Nutzungsgrad der Lagerfläche

Das ist das Pendant im Lager zum Auslastungsgrad der Flotte beim Transport. Nur ein effizient ausgelastetes Lager ist wirtschaftlich. Überkapazitäten erzeugen zusätzliche Kosten, die sich in den Lagerkosten pro Einheit (s. o.) niederschlagen.

Wird die vorhandene Kapazität gut genutzt? Wie ist das Verhältnis von vorhandenen und tatsächlich genutzten Flächen und wie lässt sich die Flächennutzung optimieren? Möglichkeiten zur Verbesserung bestehen zum Beispiel im synchronisierten Eingangs- und Ausgangsmanagement oder in der Lagertechnik.

So berechnet man den Grad der Flächennutzung im Lager:
Nutzungsgrad der Lagerfläche = belegte Fläche x 100 / Gesamtlagerfläche

Lagerumschlagshäufigkeit

Lagerumschlagsrate

Die Lagerumschlagsrate oder Lagerumschlagshäufigkeit ist ein wichtiger Indikator für Händler und Hersteller. Es wird analysiert, wie oft der Lagerbestand in einem bestimmten Zeitraum umgeschlagen wird. Die Rate wird in der Regel auf ein bestimmtes Produkt im Bestand angewandt: Wie häufig verlässt dieses Produkt das Lager und wird durch neue Ware ersetzt?

Je höher der Wert bei der Lagerumschlagsrate ist, desto häufiger wird also eine bestimmte Ware verkauft und nachbestellt. Niedrige KPIs bei den Lagerumschlägen bedeuten daher, dass Überbestände im Lager bestehen. Außerdem bedeutet ein hoher Umschlagshäufigkeits-KPI, dass Unternehmenskapital effektiv eingesetzt wird, indem Vorräte adäquat und dadurch kostensparend vorgehalten werden: Denn eine hohe Umschlagsrate entspricht einer kurzen Lagerdauer.

So errechnet man die Lagerumschlagshäufigkeit:
Lagerumschlagsrate = Umsatzerlös / Wert des durchschnittlichen Lagerbestands

Inventar-Umsatz-Verhältnis

Inventar-Umsatz-Verhältnis

Lagerbestand und Verkäufe müssen in einem adäquaten Verhältnis stehen. Der KPI zum Inventar-Umsatz-Verhältnis gibt an, wie hoch der Anteil der verkauften Ware am gesamten Bestand im Lager ist. Anhand dieser Relation von tatsächlich verkaufter Ware und dem vorhandenen Bestand lassen sich Unterversorgung und Übervorrat ermitteln. Wenn der Indikator zugunsten der Verkäufe ausschlägt, ist dies ein Indiz für hohe Nachfrage, auf die man nun reagieren kann – vor allem, wenn man das Inventar-Umsatz-Verhältnis mit der Lagerumschlagsrate zusammen analysiert.

Dieser Indikator wird so berechnet:
Inventar-Umsatz-Verhältnis = Anzahl der verkauften Waren / Anzahl der Waren im Lager

Lagerreichweite

Aus dem Inventar-Umsatz-Verhältnis ergibt sich eine weitere wichtige Kennzahl für die Händlerlogistik: die Lagerreichweite. Einfach gesprochen: Wie lange reichen meine Lagerbestände? Entsprechen die eigenen Bestände der Nachfrage und: Wie lange noch? Dieser KPI gibt an, ob Maßnahmen (Nachbestellung, Produktion) notwendig sind, um die Bestände wieder so zu gestalten, dass sie dem Bedarf entsprechen.

Der Reichweiten-KPI lässt sich so berechnen:
Lagerreichweite = Lagerbestand / Bedarf pro Tag

KPI für die logistische Dienstleistungsqualität

logistischen Dienstleistungsqualität

Lieferanten-Compliance

Über die Lieferanten-Compliance-Rate ermittelt ein Versender, wie effizient und zuverlässig der Dienstleister arbeitet. Außerdem kann überprüft werden, ob die Liefersicherheit gewährleistet ist. Anhand der Compliance-Kennzahl lassen sich zudem verschiedene Dienstleister miteinander vergleichen. Je höher die Lieferanten-Compliance-Rate, desto besser werden die übertragenen logistischen Aufgaben erfüllt und desto weniger Verspätungen oder Beschädigungen kommen vor.

Die Kennzahl zur logistischen Dienstleistungsqualität berechnet sich so:
Lieferanten-Compliance-Rate = reklamierte Bestellungen / Gesamtzahl der Bestellungen x 100

Fazit

KPIs können ein wichtiges Instrument sein, um Defizite in Betriebsabläufen zu erkennen und möglichst zu beseitigen. Dazu kommt es auf eine branchenspezifische Interpretation der Daten an: Umschlagsraten und Flächenbedarfe variieren zum Beispiel in Abhängigkeit von einer jeweiligen Branche. Die Ermittlung der KPIs ist deshalb nur der erste Schritt, der die Entscheidungsfindung erleichtert, aber sie den Entscheidern nicht abnimmt.

Wir bei DHL Freight bemühen uns, aus den spezifischen KPIs die richtigen Schlüsse zu ziehen. Vor allem möchten wir, dass Ihre Lieferanten-Compliance-Rate dank unserer Bemühungen immer möglichst positiv ausfällt.

Häufige Fragen

  • Was sind Key Performance Indicators?
    KPIs sind Leistungskennzahlen zur Bewertung der Qualität und Effizienz eines Unternehmens. Mit KPIs können Prozesse analysiert und die Leistung verbessert werden. Ziel ist die Steigerung von Effizienz und Qualität in einem Unternehmen.
  • Welche Logistik-KPIs gibt es?
    Logistikspezifische KPIs beziehen sich meist auf die Lagerlogistik und die Transportlogistik: zum Beispiel die KPIs Transportkosten oder Lagerumschlagsrate. Schlechte Werte lassen sich durch optimierte Prozesse verbessern – und damit die gesamte unternehmerische Leistung.

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