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Teleoperation: Mit Fernsteuerung von LKW den Fahrermangel kompensieren

DHL LKW

Der Fahrermangel ist – wie generell der Fachkräftemangel in der Wirtschaft – ein ernstzunehmendes Problem für die Zukunftsfähigkeit der Logistik. Unternehmen wie DHL Freight machen sich daher bereits seit langem Gedanken darüber, wie sie die Situation ihrer fahrenden Mitarbeiter verbessern können. Automatisierung und Fernsteuerung sind vor diesem Hintergrund vielversprechende Optionen, um den Beruf des LKW-Fahrers perspektivisch angenehmer zu gestalten und gleichzeitig eine hohe Performance zu gewährleisten. Was Teleoperation und Telerobotik für die Zukunft versprechen, lesen Sie hier.

Menschen arbeiten mit Roboterarm

Ferngesteuertes vs. autonomes Fahren

Worum geht es? Anders als beim autonomen Fahren, bei dem Fahrzeuge KI-gestützt gänzlich ohne menschliche Assistenz auszukommen versprechen, spielt der Faktor Mensch bei Teleoperation und Telerobotik weiter eine maßgebliche Rolle – nur nicht mehr als Fahrer in der Kabine, sondern als Teleoperator in der Schaltzentrale. Das alles ist nicht nur Zukunftsmusik: Im intralogistischen Betrieb innerhalb von Frachtzentren – und außerhalb des Geltungsbereichs von Straßenverkehrsordnungen – sind autonome Fahrzeuge schon im (Test-)Betrieb. Auch DHL Freight erprobt für das Terminal for the Future Zukunftstechnologien wie automatisierte Rangierfahrzeug.

Auf öffentlichen Straßen allerdings sind autonome Lieferfahrzeuge noch fern von jeglicher Realität. Technisch ist noch vieles umzusetzen und auch die Sicherheitsabwägungen bei der Zulassung autonomer Fahrzeuge – egal ob PKW oder LKW – sind nachvollziehbar. Der Fahrermangel in der Logistik wird so in naher Zukunft nicht behoben werden können. Die Hoffnung ist, dass ferngesteuerte Fahrzeuge mittelfristig dort zum Einsatz kommen, wo autonomes Fahren auch langfristig noch utopisch bleibt.

Was ist der Unterschied zwischen Teleoperation und Telerobotik?

Telerobotik: Definition

Telerobotik bezeichnet die Steuerung von Robotern aus der Ferne über kabellose Übertragungssysteme. Ein Teleroboter arbeitet nicht vollständig autonom wie ein Roboter, sondern reagiert auf Steuersignale oder interagiert mit dem Menschen. Bei der Telerobotik geht es nicht zwingend darum, Aufträge zu erledigen – wie zum Beispiel den Transport von Waren oder die Durchführung von Wartungsarbeiten in gefährlichen Umgebungen.

Bei der Telerobotik kann auch die Telepräsenz der Hauptfokus sein – das bedeutet, über die Sensorik des Roboters sich ähnlich der Virtual Reality an einem Ort aufhalten zu können, ohne ihn selbst zu bereisen. Insofern ist die Teleoperation nur ein Teilgebiet der Telerobotik.

Teleoperation: Definition

Die Teleoperation ist die Steuerung von Geräten, Anlagen oder Maschinen aus der Distanz zur Verrichtung von Tätigkeiten. Teleoperation kann sich auch auf ferngesteuerte Roboter beziehen, bezeichnet aber letztlich jegliche Fernbedienung von Fahrzeugen, Maschinen usw. Insofern ist auch die Telerobotik ein Teilgebiet der Teleoperation.

Teleoperation in der Logistik

Teleoperation ist nicht nur vor dem Hintergrund des Fahrermangels zu sehen, sondern auch im Kontext des allgemeinen Innovationsschubs über Digitalisierung, der alle Bereiche der Logistik erfasst: vom digitalen Lager- und Supply-Chain-Management über Ladungsoptimierung hin zur Routen- und Personalplanung. Die Digitalisierung optimiert Prozesse und erhöht die Effizienz. In diese Kerbe schlägt auch die Teleoperation. Momentan ist ein Fahrer für ein Fahrzeug zuständig. Zumindest im intralogistischen Betrieb könnte sich ein Teleoperator um mehrere Fahrzeuge kümmern und ihre Interaktion durch den aufeinander abgestimmten Betrieb verbessern.

Wie beim autonomen Fahren muss für die Teleoperation im Betrieb auf öffentlichen Straßen allerdings eingeräumt werden: Um LKW aus großer Entfernung sicher zu lenken und zu stoppen, bedarf es zuverlässiger Teleoperationssysteme. Sonst ist Mobilität ohne Kabinenpersonal nicht möglich. Die Technologie ähnelt dabei grundsätzlich dem autonomen Fahren: Kameras und Sensoren am Fahrzeug erfassen die Umgebung und die Verkehrsteilnehmer.

Anders aber als beim autonomen Fahren ist der Mensch die ganze Zeit dabei und sieht alles, was das Fahrzeug übermittelt (Stichwort: Telepräsenz). Und bei der Teleoperation trifft nach wie vor der Mensch lebenswichtige Entscheidungen – und nicht die KI. Die für das autonome Fahren wichtige ethische Debatte, wie eine KI darüber entscheiden soll, wer im Zweifelsfall durch ein Ausweichmanöver begünstigt wird, entfällt.

Aus dem Fahrer wird der Operator

Deshalb wird man womöglich ferngesteuerte LKW – mit einem Teleoperator im Schreibtisch-Cockpit mit Lenkrad, Bremse oder Steuerknüppel – früher auf den Straßen sehen als autonom fahrende LKW. So könnte aus dem wenig familienfreundlichen Job des Kraftfahrers der moderne Beruf des Teleoperators werden, der nach getaner Arbeit den Feierabend mit der Familie genießt und nicht auf Rastplätzen schlafen muss.

„Ohne Automatisierung der Fahrzeuge wird die Sicherstellung der Logistik in Zukunft nicht möglich sein.”

Klaus Kappen, Chief Technology Officer Rheinmetall im Handelsblatt

Standardisierte Abläufe in der Intralogistik: ideal für die Teleoperation

Doch um auf dem Boden der Realität zu bleiben: Die notwendige Sicherheit und Straßenzulassungen lassen sich nicht über Nacht bewerkstelligen. Der nächste Einsatzort teleoperierter Fahrzeuge dürften das Frachtterminal, der Betriebshof und Umschlagplätze sein, wo es um Ladevorgänge und kurze Distanzen geht. Hier sind die Arbeitsprozesse etabliert und standardisiert und fahrerlose Teleoperationstechnik lässt sich schnell integrieren.

Nicht nur traditionell gesteuerte LKW und ferngesteuerte fahren dann womöglich Seite an Seite: Auch Teleoperation und autonomes Fahren können Hand in Hand gehen. Standard-Steuerprozesse leistet die KI – und wenn es knifflig wird, übernimmt der Teleoperator.

Fazit

Teleoperation im logistischen Fahrbetrieb ist ein vielversprechender Ansatz, um mittel- bis langfristig den Fahrermangel auszugleichen. Das bedeutet nicht, dass wir bei DHL Freight unsere menschlichen Fahrer im Cockpit vernachlässigen. Wir schätzen und schützen unsere Mitarbeiter am Lenkrad. Gleichzeitig wollen wir nachhaltige und technologische Trends setzen, um die Transportlogistik leistungs- und zukunftsfähig zu gestalten. Mensch, Natur, Technik und Innovation gehen bei DHL Freight zusammen.

Häufige Fragen

  • Was bedeuten Teleoperation und Telerobotik?
    Telerobotik ist die Fernsteuerung von Robotern. Die Teleoperation ist die Fernsteuerung aller möglichen Geräte oder Maschinen zur Ausführung von Aufgaben. Die Begriffe sind nicht synonym: Die Telerobotik bezieht sich nicht nur auf Aufgabenerfüllung und die Teleoperation auf mehr als Roboter.
  • Wofür lässt sich Teleoperation in der Logistik einsetzen?
    Ferngesteuerte Fahrzeuge sind kurzfristig in der Intralogistik einsetzbar und können mittel- bis langfristig auch Transporte auf der Straße ausführen.

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