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Güterverkehr: Bahn vs. LKW – wer punktet wo?

Wer vor allem an die ökologische Nachhaltigkeit in der Logistik denkt, zieht die Bahn klar der Straße vor. Rail Freight ist die umweltfreundlichste Form des Güterverkehrs überhaupt. Doch kein Licht ist ohne Schatten und es kommt für Versender und Logistiker genauso auf Flexibilität, Transportkosten, Liefergeschwindigkeit und Liefergenauigkeit an. Wo Schiene und Straße jeweils vorne liegen – und wie sie sich ergänzen können – verrät unsere Übersicht.

Schienenfracht und Straßenfracht im direkten Vergleich

Wenn man die Willensbekundungen der europäischen und deutschen Spitzenpolitik hört, ist der Schienengüterverkehr das zukünftige Transportmittel der Wahl. Für die Zukunft wäre demnach die Konkurrenz der beiden Landverkehrsträger Schienenfracht und Straßenfracht schon entschieden. 

Die Gegenwart sieht anders aus: 72 Prozent aller Waren werden in Deutschland mit LKW transportiert und nur 19 Prozent mit dem Güterzug. Angesichts der politischen Zielsetzungen mag das verwundern, hängt aber auch mit einigen Nachteilen der Schiene zusammen – und mit den spezifischen Vorteilen der Straßenfracht. Welche das jeweils sind, wird in unserem Vergleich Punkt für Punkt erläutert.

Energieverbrauch

Auf der Schiene besteht ein besseres Verhältnis von Transportvolumen zur notwendigen Antriebsenergie. Das hat viel mit Physik zu tun: mit Massenbeschleunigung, Luftwiderstand oder Rollwiderstand. Weniger technisch ausgedrückt: Ein Güterzug verbraucht pro Tonnenkilometer sehr viel weniger Energie als ein LKW – und zwar nicht einmal ein Drittel.

Schadstoffemission

Der niedrigere Energieverbrauch schlägt sich natürlich direkt in einem Weniger an emittierten Treibhausgasen bei der Schiene nieder. Das wäre schon unabhängig von der Antriebstechnik der Fall. Hinzu kommt, dass E-Antriebe im Schienengüterverkehr schon jetzt vorherrschend sind. Im deutschen Güterverkehr werden fast 90 % aller Zugkilometer elektrisch zurückgelegt. So entstehen kaum direkte Emissionen und beim Einsatz von grünem Strom praktisch gar keine. 

Im LKW-Bereich werden zunehmend emissionsärmere Antriebe und Brückentechnologien wie HVO, Bio-CNG und -LNG eingesetzt. Mittelfristig aber müssen elektrische und langfristig auch Wasserstoff-Antriebe zur Dekarbonisierung der Straßenfracht beitragen. Derzeit stößt der Schienengüterverkehr pro Tonnenkilometer weniger als ein Fünftel der Treibhausgase aus, die auf der Straße anfallen.

Transportkosten

Die Transportkosten sind auf der Schiene in der Regel höher als auf der Straße. Das kann mehrere Gründe haben, darunter eine höhere Lohnstruktur im Eisenbahnwesen oder die Trassenpreise. Gegenüber Straßenmauts sind die Gebühren für die Gleisnutzung meist höher. Beides resultiert in höheren Frachtraten für Rail Freight im Vergleich zur Road Freight. Bei hohen Transportvolumen (s. u.) und langen Transportwegen, kann selten auch einmal die Bahn beim Preis punkten.

Transportvolumen

Per Zug können größere und schwerere Güter transportiert werden als mit dem LKW. Über lange Distanzen kann sich das manchmal auch ökonomisch auszahlen (s. o.). Was das gesamte Transportvolumen betrifft, so kann ein Güterzug über 50 LKW ersetzen – wobei natürlich nicht alle Züge gleich lang sind und extrem lange Züge auch nicht überall fahren können.

Planbarkeit

Der Zugverkehr bietet insofern eine gewisse Planbarkeit, als er auf Fahrplänen beruht. Nun weiß allerdings jeder, der schon einmal Bahn gefahren ist, dass ein einziger verspäteter Zug ein gesamtes Fahrplangefüge durcheinanderbringen kann. Das ist beim Schienengüterverkehr nicht anders. Die langfristige Planbarkeit ist dank der Fahrpläne also theoretisch gut – praktisch kann ein Zug genauso steckenbleiben wie ein LKW im Stau. Oft liegt das an der nicht ausreichenden Infrastruktur, die in nahezu ganz Europa dem Bedarf hinterherhinkt.

Infrastruktur

Der Schienengüterverkehr benötigt weniger Verkehrsfläche für den Transport der gleichen Warenmenge – dieser Vorteil ist allerdings dahin, wenn die Infrastruktur entweder nicht bedarfsgerecht vorhanden oder veraltet ist: Weichen fallen aus, Signale sind gestört und noch im digitalen Zeitalter werden vielerorts Zugwaggons händisch gekoppelt. 

Gerade in Deutschland sind zwar auch viele Straßen und Straßenbrücken marode, aber das Straßennetz ist insgesamt besser ausgebaut und weiter verzweigt: meist bis zur Tür des Warenempfängers. Demgegenüber haben nur wenige Großbetriebe eigene Gleisanschlüsse. Deshalb sind Tür-zu-Tür-Lieferungen nahezu ausschließlich nur dann möglich, wenn LKW in die Transportkette involviert sind.

Transportsicherheit

Beim LKW-Transport ist ein Unfall rund 40-mal wahrscheinlicher als auf der Schiene. Auch das Risiko eines Totalverlustes ist auf der Straße höher. Der Auftraggeber des Transports hat auf der Schiene also ein geringeres Ausfallrisiko. Zudem ist das Diebstahlrisiko im Schienengüterverkehr niedriger. Es ist schwieriger, einen Zugwaggon anzufahren und zu entladen, als einen geparkten unbeaufsichtigten Lastwagen.

Flexibilität

Das größte Plus der Straßenfracht neben der Möglichkeit einer Tür-zu-Tür-Lieferung ist ihre Flexibilität. Der LKW bietet die höchste Flexibilität aller Transportmittel, zeitlich und örtlich. Ein LKW kann auch kurzfristig eine Tour übernehmen und dabei von nahezu jedem beliebigen Ort und zu jedem beliebigen Zeitpunkt losfahren (Feiertags-, Nacht- und Ferienfahrverbote einmal ausgenommen). 

Ein Güterzug muss immer den Fahrplan einhalten und kommt für spontane Lieferungen nicht in Betracht. Der Zug ist dabei doppelt unflexibel: zeitlich wegen des Fahrplans und örtlich, weil er auf das (schlecht ausgebaute) Schienennetz angewiesen ist.

Kombinierter Verkehr LKW-Bahn – das Beste aus beiden Welten

Die Landfracht der Zukunft dürfte in der Kombination der Vorteile beider Verkehrsträger liegen, dem intermodalen Verkehr. Die Bahn übernimmt die Langstrecke und davor sowie danach fährt der LKW den Start- und den Zielort an. Das ist schon heute oft der Fall, wenn das Zustellungsziel nicht ans Schienennetz angebunden ist. In solchen Fällen war die Transportlogistik oftmals schon vor 100 Jahren intermodal – aber vermutlich, ohne es so zu nennen. Beim Ausbau intermodaler Konzepte geht es zukünftig darum, wesentlich mehr Tonnen an Ladung von der Langstrecke auf die Schiene zu bringen, um die Straßen und die Umwelt zu entlasten.

Heutzutage eingesetzte Container und Anhänger sind standardisiert und können zeitsparend ohne Entladung des Containerinhalts vom Zug auf den LKW oder andersherum gehoben werden. Wenn der Startpunkt für den Landtransport ein Hafen ist, kann manchmal der LKW-Transport auf den ersten Meilen entfallen: Viele Häfen verfügen über spezielle Rampen, über die nicht nur LKW, sondern auch ganze Züge in den Bootsrumpf fahren können. 

Fazit 

Weil kein Transportmittel ohne Nachteile ist, hängt die Entscheidung für die bestgeeignete Transportlösung von den Faktoren Distanz, Transportmenge, Zeitdruck oder Kostenbudget ab. 

Wegen ihrer Flexibilität wird die Straßenfracht für viele Transportbedarfe noch für lange Zeit unersetzlich bleiben. Es gilt, intermodale Konzepte dort, wo es möglich und sinnvoll ist, konsequent auszubauen. In der Straßenfracht selbst müssen die Lieferungen mit modernen Antriebssystemen kurz- und mittelfristig emissionsärmer und langfristig emissionsfrei gestaltet werden. Als Vorreiter der nachhaltigen Logistik hat DHL Freight diese Ziele in seine Green Technology Roadmap implementiert und setzt sie teilweise schon jetzt um – zum Beispiel über den GoGreen Plus Service.

Häufige Fragen

Was sind die Vorteile des Straßengüterverkehrs?

Straßenfracht ist der zeitlich und örtlich flexibelste aller Verkehrsträger. Sowohl kurzfristige als auch Tür-zu-Tür-Lieferungen sind möglich. Außerdem ist Road Freight kostengünstig und kann auf eine gute Straßeninfrastruktur zurückgreifen. 

Was sind die Vorteile des Schienengüterverkehrs?

Der größte Vorteil der Schiene ist ihre Nachhaltigkeit. Bahnfracht erzeugt nur rund ein Fünftel an Emissionen pro Tonnenkilometer im Vergleich zum LKW. Außerdem hat sie größere Ladekapazitäten und ein niedriges Unfall- und Diebstahlrisiko.

Was sind die Nachteile des Straßengüterverkehrs? 

Im Vergleich zum Güterzug hat Road Freight eines schlechtere Energie- und Umweltbilanz. Die Ladevolumen sind relativ gering, weswegen LKW zum Transport von manchen sehr schweren oder großen Gütern nicht geeignet sind. 

Was sind die Nachteile des Schienengüterverkehrs? 

Für spontane Lieferanfragen kommt Rail Freight nicht in Frage, weil sie wegen der Abhängigkeit von Fahrplänen sehr unflexibel ist. Die Schieneninfrastruktur entspricht oft nicht der Transportnachfrage und die Frachtraten liegen höher als bei der Straßenfracht.

Was ist kombinierter Verkehr aus LKW und Bahn?

Kombinierter oder intermodaler Verkehr bedeutet, dass unterschiedliche Verkehrsträger an einem einzigen Transport beteiligt sind. Im Fall von Bahn und LKW kann zum Beispiel die Bahn den Transport auf der Langstrecke übernehmen und für die Endzustellung wird die Ladung auf LKW umgeladen.

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