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Rail Freight – Vor- und Nachteile beim Schienengüterverkehr

Train DHL

Die Umweltverträglichkeit ist das allgemein anerkannte große Plus der Schiene. Deshalb denkt man bei Rail Freight meist eher an Vor- als an Nachteile. Der Schienengüterverkehr gilt als das Landtransportmittel der Zukunft. Für Unternehmen sind aber neben der CO2 Bilanz auch Aspekte wie Zuverlässigkeit, Ladekapazität und Geschwindigkeit des Transports wichtig. Wo die Schiene punktet – und wo nicht – ist in unserer Übersicht zusammengestellt.

Schienengüterverkehr und Straßenfracht: Konkurrenz und Ergänzung

Die beiden konkurrierenden Verkehrsträger über Land sind der Schienengüterverkehr und die Straßenfracht. Die Binnenschifffahrt mit ihrem sehr begrenzten Wegenetz aus schiffbaren Flüssen und Kanälen spielt als Alternative zum Landtransport nur eine nachgeordnete Rolle. Es ist allerdings zu kurz gedacht, Straße und Schiene ausschließlich in Konkurrenz zu setzen. Sie können sich in intermodalen Transportkonzepten auch ergänzen. Wobei „können“ es in vielen Fällen nicht ganz zutreffend beschreibt: Oft kann die Straße die Schiene nicht nur ergänzen, sondern muss es sogar. Spätestens dann, wenn der Zielort der Sendung nicht ans Schienennetz angebunden ist oder Netze ausgelastet sind.

Damit wurde vorausgreifend schon ein Nachteil der Schiene berührt. Weitere Nachteile und Vorteile des Schienengüterverkehrs sind im Folgenden zusammengestellt, um nicht nur die Ökobilanz der Schiene als größten Pluspunkt vorzustellen, sondern auch die Entscheidung zu erleichtern, wann welche Transportart am besten geeignet ist.

Vorteile Schienengüterverkehr

Schienengüterverkehr: Vorteile

Nachhaltig durch weniger Treibhausgasemissionen

E-Mobilität herrscht im Schienengüterverkehr schon jetzt vor. In Deutschland werden beim Güterverkehr fast 90 % aller gefahrenen Zugkilometer elektrisch zurückgelegt. So entstehen schon jetzt kaum noch direkte Emissionen. In Zukunft, wenn der Grünstrom-Anteil beim Antrieb der Lokomotiven sukzessive steigt, ist bei den Emissionen von Güterzügen auch die Netto-Null möglich. Bereits heute stößt ein Zug pro transportierter Tonne und zurückgelegtem Kilometer weniger als ein Fünftel der Treibhausgase aus, die beim Straßentransport entstehen. Das liegt aber nicht nur am Antriebssystem, sondern auch am besseren Verhältnis von Transportvolumen und eingesetzter Antriebsenergie.

Effizienz dank hoher Ladekapazität

Stichwort Transportvolumen: Mit dem Güterzug ist der Versand von mehr, größeren und schwereren Waren als mit dem LKW möglich. Das kann auf der Langstrecke nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch effizient sein. Neben der großen Zahl möglicher Komplettladungen im Ganzzugverkehr – das heißt der Zug transportiert nur die Ladung eines einzelnen Auftraggebers – besteht bei Rail Freight im Einzelwagenverkehr neben Full Container Loads (FCL) außerdem die Option von Less-Than-Container-Loads (LCL).

Sicherheit

Das Risiko eines Unfalls auf der Schiene ist im Vergleich zur Straße rund 40-mal geringer. Das resultiert in einer signifikant geringeren Ausfallquote von Versandgütern. Und bei den wenigen Unfällen auf der Schiene ist zudem das Risiko eines Totalverlustes geringer, der nach Unfällen von LKW im Straßenverkehr oft zu beklagen ist.

Hinzu kommt ein geringeres Diebstahlrisiko. Das hat ganz praktische Gründe: LKW auf Parkplätzen sind für Diebe leichter zu erreichen und vor allem leichter zu entladen als Güterwaggons im Gleisbett. Neben den Waggons kann man nicht einfach parken und Container umladen.

Planbarkeit

Baustellen und unvorhersehbare Zwischenfälle gibt es bei jedem Verkehrsmittel. An Schienenstrecken können Signale ausfallen oder Weichen gestört sein. Immerhin können Züge nicht in plötzlichen Staus steckenbleiben wie die Straßenfracht, weil die Gleiskapazitäten durch Fahrpläne geregelt werden. Zumindest kurzfristige Verspätungen sind damit seltener.

Intermodalität

Standardisierte Container und Anhänger können sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene befördert werden. Dadurch entfällt zeitaufwändiges Umladen. Container oder Anhänger werden einfach vom Zug auf den Lkw gehoben oder andersherum. Auch die Ladevorgänge zwischen Güterzügen und Containerschiffen laufen bei guter Hafeninfrastruktur schnell ab. Das intermodale Potenzial wirkt dem Nachteil entgegen, dass nicht jeder gewerbliche Standort über einen Gleisanschluss verfügt.

Elektrischer Vorteil

Schienengüterverkehr: Nachteile

Geringe Flexibilität: zeitlich und örtlich

Die hohe Planbarkeit des Zugverkehrs hat eine Kehrseite: eingeschränkte Flexibilität. Ein Güterzug muss den Fahrplan einhalten und kann nicht spontan losfahren, um eine unerwartete Lieferanfrage zu bedienen. Der Zug ist also zeitlich unflexibel.

Außerdem gelangt der Güterzug nur an Orte mit Gleisanschluss – für den Tür-zu-Tür-Transport ist der LKW unverzichtbar. Dadurch ist der Zug auch örtlich weniger flexibel als der Straßengüterverkehr.

Transportkosten

Trassenpreise für die Gleisnutzung sind oft höher als die Gebühren für die Benutzung von Straßen. Das schlägt sich in den Frachtraten nieder, die in der Regel über den Kosten für Road Freight liegen.

Lärmemissionen

Jeder, an dem schon mal ein Güterzug vorbeigerauscht ist, weiß, was gemeint ist. Auch LKWs machen zweifelsohne Krach – der aber nicht mit dem Lärm eines Zuges in voller Fahrt vergleichbar ist. Wenn Gleise mitten durch Ortschaften führen, ist das für Anwohner besonders problematisch. Flüsterschienen und Lärmschutzwände können Abhilfe schaffen, sind aber weitere Preistreiber.

Uneinheitliche Standards

Nationalspezifische Regularien und abweichende technische Standards sogar bei den Spurweiten der Gleise bremsen den Schienengüterverkehr an den Ländergrenzen (noch) unnötig aus. Der Wechsel von Lokführern oder sogar Lokomotiven kann notwendig sein, während auf der Straße die gesamte Lieferung von einer Hand in einem Fahrzeug durchführbar ist.

Ausbaufähige Infrastruktur

Außerdem ist die unterentwickelte Schieneninfrastruktur ein Bremsschuh für den Schienentransport. Es können nur so viele Züge fahren, wie es das Schienennetz erlaubt. Das kann zu unliebsamen Wartezeiten führen. Weil in vielen Ländern die Infrastruktur aber nicht nur begrenzt, sondern auch veraltet ist, kommen vielerorts zu den Ausbaumaßnahmen noch dringend notwendige Instandhaltungen am Schienennetz hinzu. Reparaturen schränken die ohnehin knappen Gleiskapazitäten zusätzlich ein und verlängern Transportzeiten, während unerwartet auftretende Schäden an Brücken oder in Stellwerken zu Ausfällen führen.

Infobox

Ein Beispiel aus Deutschland: Bis 2030 war ein umfangreicher Ausbau der Schieneninfrastruktur vorgesehen, um dank abgestimmter, verlässlicher Verbindungen im Nah-, Fern- und Güterverkehr doppelt so viele Menschen pro Jahr ans Ziel zu bringen. Seit Anfang März gibt es eine neue Prognose: 2070.

Fazit

Die Vorzüge des Schienengüterverkehrs beim Umweltschutz bieten Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Transporten den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern – allerdings sind dafür noch längerfristig Wartezeiten, höhere Transportkosten und eine gewisse Inflexibilität in Kauf zu nehmen. Deshalb bleibt für viele Transportwünsche die Straßenfracht als flexibelste Frachtart auch in Zukunft unersetzlich.

Häufige Fragen

  • Was sind die Vorteile vom Schienengüterverkehr?
    Die Schiene ist nachhaltig – und erzeugt nur rund ein Fünftel an Emissionen pro zurückgelegtem Kilometer und transportierter Tonne im Vergleich zum LKW. Gleichzeitig ist sie effizient dank großer Ladekapazität, pünktlich und ideal für den intermodalen Einsatz in Kombination mit der Straße. Und: Das Risiko eines Unfalls und eines daraus resultierenden Totalausfalls ist vergleichsweise gering.
  • Was sind die Nachteile vom Schienengüterverkehr?
    Uneinheitliche Standards in der gesetzlichen und technischen Ausstattung und eine ausbaufähige Infrastruktur bremsen die Euphorie häufig – gerade, wenn es um grenzüberschreitenden Zugverkehr geht. Und: Meistens reicht die Schiene alleine nicht aus, da die Zielorte oft nicht an das Schienennetz angebunden sind. Ein Umladen der Waren auf einen LKW ist oft Voraussetzung.

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