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Lieferkette auf grün umstellen – für die Logistik der Zukunft

DHL Truck Street

Die Lieferkette (oder Englisch: Supply Chain) fängt bei der Rohstoffgewinnung an und hört erst beim Endverbraucher auf – sollte dieser die Lieferung jedoch zurückschicken, dann laufen die Güter vom Kunden ausgehend wieder in der Lieferkette zurück. Im Zuge der Vernetzung der globalen Märkte und des Anstiegs des Online-Handels hat sich auch die Logistik zu einem starken Wachstumsmarkt entwickelt. Damit wächst auch der ökologische Fußabdruck der Logistikbranche. Gelingt es den beteiligten Unternehmen, ihren Beitrag so nachhaltig wie möglich zu gestalten, ist dies ein wertvoller Beitrag zu einer „grüneren“ Lieferkette.

Green Supply Chain: Herausforderung der Gegenwart

Um sich auszumalen, was alles täglich rund um den Globus durch die internationale Logistik bewegt wird, hilft schon ein einziges Beispiel aus dem Versandhandel in Deutschland: 2020 wurden rund 3,7 Milliarden Pakete zugestellt und 2021 waren es schon 4,2 Milliarden. Ob dieses Niveau mit dem Abklingen der Pandemie dauerhaft absinken wird, bleibt abzuwarten. Im Gegenteil: Experten rechnen mit anhaltendem Wachstum. Die wohlhabenden Nationen werden zunehmend zu Paket- und Versandgesellschaften.

Unabhängig vom E-Commerce kommen noch die Effekte der Globalisierung auf die weltweiten Rohstoff- und Warenbewegungen hinzu: Die Spaghetti, die europäische Verbraucher einkaufen, mögen in Italien hergestellt worden sein, aber der italienische Hartweizenanbau hält mit der dortigen Pasta-Produktion schon lange nicht mehr Schritt. Deshalb sorgten im Herbst 2021 eine Dürre und Ernteausfälle in Kanada für Nervosität bei Barilla & Co.

Nicht allen ist bewusst, dass ihre Spaghetti Napoli einen möglichen nordamerikanischen Anteil haben – aber die Wirtschaft der Gegenwart ist global aufgestellt: Was als Rohstoff den einen Kontinent verlässt, um auf einem anderen verarbeitet zu werden, kommt nicht selten als verarbeitetes Produkt wieder zurück. Das verdeutlicht, wie groß der Anteil der Lager- und Transportlogistik an der gesamten Weltwirtschaft mittlerweile ist und wie beträchtlich der Einfluss auf die Umwelt – andererseits verfügt die Branche deshalb über ein enormes Potenzial, die gesamte Supply Chain nachhaltiger und grüner zu machen.

Was gehört zum Green Supply Chain Management?

Ein konsequent grünes Konzept für das Management der Supply Chain bedeutet, dass ökologische Gesichtspunkte bei allen Gliedern der Kette umfänglich berücksichtigt werden. Aspekte wie die eingesetzten Rohstoffe, Materialbeschaffenheit, Recyclingfähigkeit oder die Produktgestaltung liegen in der Verantwortung der Hersteller. Für Versandverpackungen, Transport, Lagerung, Warenumschlag, Auslieferung und Rücksendungen sind die Logistiker zuständig. Um in diesen Bereichen den ökologischen Fußabdruck merklich zu verringern, sind drei Ansatzpunkte entscheidend: Energieaufwand, Materialeinsparung, Prozessoptimierung.

Es geht also vor allem um ein „weniger ist mehr“: weniger Energie und weniger Emissionen beim Transport und der Lagerung, weniger Verpackungsverbrauch und möglichst wenig – und dafür genau abgestimmte – Arbeitsschritte. Diese Reduktionen erbringen einen ökologischen Mehrwert. Allerdings ist mit ihnen zunächst auch ein Mehr an Investitionen verbunden: in nachhaltige Antriebe, Fahrzeuge oder Maschinen, in energieeffiziente Lagerhäuser, in Verpackungs- und Recyclingkonzepte oder in leistungsfähige IT-Systeme für das Transport- und Warehouse-Management.

Die Deutsche Post DHL Group bietet mit GoGreen Plus ein konsequent grünes Konzept an, das Unternehmen dabei hilft, ihre Lieferketten grüner zu gestalten. Bei GoGreen Plus werden CO2- und Treibhausgasemissionen über Carbon Insetting kompensiert. Die Zusatzkosten, die unseren Kunden dabei entstehen, fließen direkt und zu 100 % in grüne Technologien und Kraftstoffe in unserem Netz. Dadurch werden unsere Transporte mit Hilfe emissionsarmer oder emissionsfreier Technologien und Kraftstoffe zunehmend dekarbonisiert.

Die Vorteile von Insetting auf einen Blick

Argumente für eine grüne Lieferkette

Sein Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, kostet also auch und gerade in puncto Nachhaltigkeit erst einmal Geld. Kurzfristigen Investitionskosten stehen allerdings langfristige Einsparungspotenziale gegenüber, wenn die Investitionen in die nachhaltige Lieferkette gezielt vorgenommen werden. Einsparungen im Energieverbrauch sind ja nicht nur das effektivste Mittel, die CO2-Bilanz von Unternehmen zu verbessern, sondern auch, um die Betriebskosten zu senken.

Vor dem Hintergrund weltweit steigender Energiepreise, ist Energiesparen ein unbedingtes Muss für Unternehmen, ganz unabhängig von ökologischen Fragen. Auch bei der Verpackung lässt sich Geld sparen. Derzeit sind Einweg-Versandsysteme in aller Regel noch günstiger als Mehrweg-Lösungen und Entsorgung ist leichter als Wiederverwertung. Das kann sich aber schon allein dadurch ändern, dass die öffentliche Hand an der Gebührenschraube dreht.

Und schließlich hat auch die ökologisch ausgerichtete Prozessoptimierung ein Doppelpotenzial. Die Implementierung von Managementsystemen und effizienter gestalteten Betriebsabläufen verringert nicht nur die Umweltwirkung, sondern auch den Kostendruck. Lagerkapazitäten werden besser genutzt, Leerfahrten möglichst vermieden und der Arbeitsaufwand für das Fachpersonal sinkt.

Nachhaltigkeit als Imagefaktor

Ökologisch verantwortliches Wirtschaften ist schon lange kein Nischenthema mehr. In den entwickelten Industrienationen und Dienstleistungsgesellschaften wird es zunehmend zur Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Argument für:

  • Endverbraucher, die zunehmend auf entsprechende Labels, Zertifikate oder andere Nachweise achten;
  • Mitarbeiter, denen es wichtig ist, ihre eigenen Ansprüche auch vom Arbeitgeber verwirklicht zu sehen;
  • Geschäftspartner, die erwarten, dass alle Mitwirkenden an der Supply Chain, dem Prinzip der grünen Lieferkette verpflichtet sind.

Die meisten Unternehmen begrüßen gesetzliche Regelungen für mehr Nachhaltigkeit in einer globalisierten Wirtschaftswelt. Die befragten Führungskräfte sind sich ihrer unternehmerischen Verantwortung bewusst und sprechen sich für die Einhaltung von Sorgfaltspflichten wie gerechten Arbeitsbedingungen oder den Schutz von Umwelt und Klima entlang ihrer Lieferketten aus.

Joachim Bühler

Dr. Joachim Bühler Geschäftsführer des TÜV-Verbands, im Presseportal zur Vorstellung der TÜV-Studie „Nachhaltige Lieferketten“

Mit transparent kommuniziertem, verantwortungsvollem Handeln zahlen sie sowohl in Ihre Unternehmensmarke als auch in Ihre Arbeitgebermarke ein. Letzteres ist im Hinblick auf den schon heute gravierenden Fachkräftemangel ein nicht zu vernachlässigender Zusatznutzen und wird es in Zukunft noch sehr viel mehr sein.

Ein in der Öffentlichkeit zunehmend nachgefragter Wert für die Umweltbilanz von Unternehmen ist der sogenannte Corporate Carbon Footprint. Das ist die Bilanz aller Emissionen, die aus sämtlichen Aktivitäten eines Unternehmens innerhalb eines Jahres resultieren. Hier mit guten Zahlen punkten zu können, kann ein Wettbewerbsvorteil sein.

Maßnahmen rechtzeitig einleiten

Manche Großunternehmen sind schon jetzt im Rahmen ihrer Berichtspflicht zur Offenlegung der Ökobilanz verpflichtet. Aber auch für den Mittelstand verschärfen sich grüne und nachhaltige Berichtspflichten. Der Kreis rechenschaftspflichtiger Unternehmen kann sich ausweiten, denn weltweit reagiert die Politik auf die Herausforderungen des Klimawandels mit neuen oder verschärften Auflagen.

Auch die grundlegenden gesetzlichen Rahmenbedingungen können sich in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. So hat die EU-Kommission im Februar 2022 einen Entwurf für ein Lieferkettengesetz vorgestellt, das Verstößen gegen Umwelt- und Menschenrechtsstandards entgegenwirken soll und über das nationale deutsche Lieferkettengesetz hinausgeht.

Um in einem solchen Umfeld erfolgreich und bestandsfähig zu sein, kommt es auf proaktives Handeln an. Wer Entwicklungen antizipiert, den treffen geänderte Regularien nicht aus heiterem Himmel, denn die erforderlichen Schritte sind entweder schon vollzogen oder zumindest vorbereitet.

Fazit

Wir wollen unser Wirtschaften mit dem Erhalt unserer Umwelt in Einklang bringen. Eine vom Anfang bis zum Ende grüne Lieferkette ist mehr als ein Beitrag hierzu: Sie kann über die Zukunftsfähigkeit der Logistikbranche mitentscheiden. Die Weichen 2022 in Richtung Nachhaltigkeit zu stellen, wird sich in späteren Jahrzehnten auszahlen. Die Aufgaben sind fordernd und die Lösungen komplex, aber DHL Freight wirkt daran mit, die Sustainable Supply Chain Realität werden zu lassen: für die Zukunft der Welt und der Weltwirtschaft.

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