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Das 1x1 des intermodalen Verkehrs

Intermodaler Verkehr bedeutet, mehr als einmal beim Transport eines Gutes zwischen (inter) verschiedenen Arten (modi) von Verkehrsträgern zu wechseln. Der Begriff Intermodalität im Güterverkehr hängt ebenso mit einheitlichen Standards in der modernen Logistik zusammen. Außerdem gibt es noch den multimodalen Verkehr und den kombinierten Verkehr. Was die einzelnen Begriffe bedeuten und welche Vorteile intermodale Lösungen bieten, erfahren Sie hier.

Was ist intermodaler Verkehr?

Intermodaler Verkehr ist in der Logistik klar definiert. Zwar wird die Bezeichnung oft mit dem Begriff kombinierter Verkehr gleichgesetzt, tatsächlich sind die Konzepte aber unterschiedlich.

Intermodaler Verkehr: Definition

Intermodaler Verkehr ist der Transport von Gütern mit zwei oder mehreren Verkehrsträgern von einem Ausgangs- zu einem Zielort. Entscheidend ist, dass innerhalb der Transportkette die Güter in ein und derselben Ladeeinheit verbleiben. Beim Wechsel des Verkehrsträgers werden der Transporteinheit also keine Güter entnommen, um dann gesondert weitertransportiert zu werden.

Die Ladeeinheiten sind in der Regel Wechselbehälter wie Container oder Wechselbrücken. Auch der sogenannte Huckepackverkehr, bei dem ein Lkw in seiner Gesamtheit auf einen Güterzug verladen wird („Rollende Landstraße“), oder der Transport mit RoRo-Schiffen (Roll on Roll off), in die Straßen- und Schienenfahrzeuge komplett einfahren können, sind mögliche Glieder einer intermodalen Lieferkette.

Geschichte des intermodalen Transports

Seitdem Güter transportiert werden, kommen bei deren Transport vom Ausgangs- zum Zielpunkt unterschiedliche Verkehrsträger zum Einsatz. Ob Schiffsladungen auf Kutschen oder Lkw verladen werden – das Prinzip ist stets das gleiche. Nun ist aber mit „intermodal“ mehr gemeint als nur die Verwendung verschiedener Verkehrsträger. Der Begriff der Intermodalität ist in der Transportlogistik eng mit der Standardisierung von Containern in den 1960er Jahren verbunden.

Erst seit es ISO-Container und andere standardisierte Transporteinheiten gibt, ist ein zügiger Umschlag ganzer Einheiten vom Schiff auf den Güterzug oder vom Zug auf den Lkw möglich – und damit der intermodale Verkehr nach heutigem Verständnis. Auf diese Art lassen sich Lieferketten vielfältig gestalten und Luftfracht, See- oder Binnenschifffahrt, Schienenfracht und Straßenfracht nahtlos kombinieren.

Intermodaler und multimodaler Verkehr

Der Unterschied zwischen intermodalem und multimodalem Verkehr besteht in einem kleinen, aber wesentlichen Detail: Die Definition des multimodalen Transports schließt die Ladeeinheit nicht mit ein. Das heißt, dass beim Wechsel des Verkehrsträgers die einzelnen Frachtgüter individuell und nicht nur die Ladeeinheit in ihrer Gesamtheit umgeschlagen werden.

Zum Beispiel wenn in einem (Flug-)Hafen, Bahnhof oder Logistikzentrum Container geöffnet und Güter, die zuvor in einer Ladeeinheit gebündelt waren, in unterschiedliche Fahrzeuge des Straßentransports verladen werden. Die Definition des intermodalen Transports ist also enger als die des multimodalen.

Intermodaler Verkehr in Europa: kombinierter Verkehr

Der kombinierte Verkehr, wie ihn die Europäische Kommission definiert, ist eine Subkategorie des intermodalen Verkehrs. Auch hier kommen innerhalb der Transportkette zwei oder mehr Verkehrsträger zum Einsatz und auch beim kombinierten Verkehr wird die gesamte Ladeeinheit umgeschlagen.

Der Begriff kombinierter Verkehr hat im EU-Verständnis allerdings eine zusätzliche, politische Dimension. Vor dem Hintergrund des europäischen Green Deals will die Europäische Kommission mit der Richtlinie für den kombinierten Güterverkehr die Verlagerung von Transporten vom Straßengüterverkehr auf emissionsärmere Verkehrsträger wie den Schienenverkehr oder die Binnenschifffahrt fördern. Deshalb muss beim kombinierten Verkehr nach EU-Verständnis der Hauptlauf bei der Schienen- oder Schifffracht liegen. Vor- und Nachläufe können auf der Straße stattfinden, sind aber möglichst kurz zu gestalten.

Konkret bedeutet das: Die Straßenfracht muss auf eine Strecke von 150 Kilometer Luftlinie zwischen Be- oder Entladestelle und dem nächstgelegenen geeigneten Bahnhof, Binnen- oder Seehafen begrenzt sein. Im Gegenzug genießt der mit EU-Vorgaben konforme kombinierte Güterverkehr Privilegien. In Deutschland gilt zum Beispiel für Lkw des kombinierten Verkehrs ein erhöhtes zulässiges Gesamtgewicht bei Fahrzeugkombinationen von maximal 44 Tonnen (statt 40 bei vier Achsen). Außerdem gibt es Ausnahmen bei Sonn-, Feiertags- und Ferienfahrverboten.

Intermodaler Verkehr: Beispiel aus dem Logistikalltag

Intermodalität kann in der logistischen Praxis so ablaufen: An einer Produktionsstätte werden Güter in ISO-Container verladen und per Lkw zum nächsten Seehafen transportiert. Hier werden die Container auf ein Schiff für den interkontinentalen Seetransport verladen. Am Zielhafen erfolgt der Umschlag der Container auf einen Güterzug. Der Zielort der Container könnte ein Distributionslager ohne Gleisanschluss sein. Deshalb fährt der Zug einen Bahnhof an, der sich in der Nähe des Lagers befindet. Den letzten Abschnitt der Lieferkette übernimmt wiederum ein Lkw.

Das ist ein Beispiel für einen intermodalen Full-Container-Load (FCL)-Transport. Intermodale Verkehre sind aber auch als Less than Container Load (LCL) möglich. In diesem Fall werden Güter gesondert zu einem Logistikzentrum verfrachtet und dort zu Sammelcontainern mit LCL-Ladungen verschiedener Versender konsolidiert. Der Vor- und Nachlauf zählt in diesem Fall streng genommen nicht zum intermodalen Verkehr, weil zunächst nicht die komplette Ladeeinheit transportiert und umgeschlagen wird.

Intermodaler Verkehr: Vorteile und Nachteile

Es ist eigentlich nicht der intermodale Verkehr an sich, der Vor- und Nachteile aufweist. Vielmehr hat jeder einzelne Verkehrsträger spezifische Vor- und Nachteile. Diese haben wir in einem Vergleich der Frachtarten in unserem Blog schon ausführlich dargestellt.

Schiffe können zum Beispiel am meisten Fracht aufnehmen, sind aber langsam. Für Flugzeuge gilt das genaue Gegenteil. Road Freight ist der flexibelste Verkehrsträger – und der einzige, der eine Tür-zu-Tür-Lieferung ermöglicht. Straßenfracht ist im Vergleich zur Schiene allerdings mit einer größeren Schadstoffemission verbunden. Überhaupt ist derzeit der Schienengüterverkehr der nachhaltigste Verkehrsträger. Er ist aber auf das Gleisnetz angewiesen. Das bedingt eine eingeschränkte Reichweite und geringere Flexibilität als beim Lkw.

Außerdem ergibt sich die Entscheidung für einen intermodalen Transport oft nicht aus der Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern aus den gegebenen geografischen oder ladungsspezifischen Umständen. Produktionsstätten liegen nicht immer an Häfen oder Bahnhöfen, wodurch Road Freight für Vor- und Nachläufe in der Lieferkette oft unerlässlich ist. Bei einem großen Transportvolumen können andererseits Schiff- oder Schienentransporte für das Gros der Transportkette unabdingbar sein.

Im Idealfall kombiniert eine intermodale Transportlösung die Vorteile der einzelnen Verkehrsträger zu einer möglichst effizienten und nachhaltigen Lieferkette. Im Interesse einer nachhaltigen Transportlogistik ist es außerdem sinnvoll, den Anteil an umweltfreundlichen Verkehrsträgern so hoch wie möglich zu gestalten. Vor allem der EU-konforme kombinierte Verkehr mit geringem Lkw-Anteil auf kurzen bis mittleren Distanzen bringt ökologische und gesellschaftliche Vorteile mit sich. Er senkt direkte Emissionen und entlastet die öffentliche Straßeninfrastruktur. Wegen beschränkter Gleiskapazitäten ist allerdings gerade die Schiene als umweltfreundliches Transportmittel der Wahl nicht immer als intermodaler Verkehrsträger verfügbar.

Von Nachteil kann ein intermodaler Transport dann sein, wenn für jeden einzelnen Verkehrsträger die Transportmodalitäten einzeln vereinbart werden müssen. Damit sind ein hoher organisatorischer Aufwand und eine unübersichtliche Preisgestaltung verbunden. Erfahrene Logistikdienstleister wie DHL Freight bieten intermodale Transportlösungen aus einer Hand an. Das ist nicht nur komfortabel für unsere Kunden und Kundinnen, sondern bietet auch volle Preistransparenz.

Fazit

Intermodalität ist effizient und nachhaltig, wenn sie intelligent genutzt wird

Gerade für lange Distanzen sind intermodale Transportkonzepte oft alternativlos. Es kommt deshalb auf die richtige Ausgestaltung des Transports an, um die positiven Potenziale jedes einzelnen Verkehrsträgers für deren kombinierte Nutzung bestmöglich auszuschöpfen. Um die Transportlogistik nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger zu machen, sollte das gemeinsame Ziel aller beteiligten Player sein, den Anteil ökologisch vorteilhafter Verkehrsträger sukzessive zu erweitern und gleichzeitig durch innovative Technik die Emissionen und Umwelteinflüsse in allen Bereichen zu senken.

Als Pionier der grünen Logistik tun wir bei DHL Freight genau das, um Ihre Waren so schnell, so sicher und so nachhaltig wie möglich zum Ziel zu bringen. Einerseits reduzieren wir Schadstoffemissionen im eigenen Netzwerk, indem wir immer mehr emissionsarme und langfristig emissionsfreie Straßenfahrzeuge einsetzen. Andererseits bauen wir intermodale Konzepte mit Einbeziehung der Schiene immer weiter aus – um unseren Kunden und Kundinnen effiziente intermodale Lösungen für immer mehr Transportbedarfe anbieten zu können.

Infobox

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