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Losgröße 1: Was bedeutet Mass Customization für die Logistik?

Die individuelle Anpassung von Produkten an persönliche Verbraucherwünsche spielt eine immer größere Rolle. Moderne Technologien wie der 3D-Druck ermöglichen es, Produkte mit kleinem Aufwand in hohem Maße zu individualisieren. Heutzutage können auch sehr kleine Losgrößen gefertigt werden, ohne dass zeit- und kostenintensive Umrüstungen an Produktionanlagen erforderlich sind. Das hat auch Auswirkungen auf die Logistik.

Losgröße 1: Definition

Unter einem Los wird die zusammengefasste Stückzahl von Produkten oder gefertigten Teilen verstanden, die in einem Arbeitsvorgang ohne Unterbrechung produziert werden. Das können 50.000 Nägel sein (Losgröße 50.000) oder 100 Kleiderschränke (Losgröße 100). Die kleinste mögliche Losgröße ist die Losgröße 1 – das Unikat in einer Sonderanfertigung.

Bevor IT-gesteuerte Verfahren mit der Industrie 4.0 Einzug in die Produktion gehalten haben, waren kleine Losgrößen in der industriellen Produktion mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Jeder einzelne Arbeitsschritt im Fertigungsprozess musste extra angepasst werden. Um Umrüstzeiten und -kosten zu begrenzen, war die Herstellung großer Lose deshalb die wirtschaftlichste Produktionsweise. Das bedeutet, dass die optimale Losgröße – die Stückzahl, bei der die Produktionskosten je Stück am geringsten sind – immer über 1 lag.

Dank moderner Herstellungsmethoden sind heutzutage individuelle Produktionen ohne wesentliche zusätzliche Kosten und Wartezeiten möglich. Voraussetzung für die wirtschaftliche Produktion kleinster Losgrößen ist eine umfassende Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung der Prozesse bei der Herstellung und in der Lieferkette.

Mass Customization: Beispiele und Folgen für die Logistik

Die Herstellung personalisierter Produkte im Rahmen und zu Kosten der Massenproduktion wird Massenpersonalisierung oder auch Mass Customization genannt. Experten gehen von einem nachhaltigen Trend aus: Zum einen werden personalisierte Waren auf Verbraucherseite immer stärker nachgefragt und zum anderen erkennen die Hersteller auf diesem Feld gute Möglichkeiten, um Kunden zu binden.

Voraussetzung für die Massenpersonalisierung ist Flexibilität in der Produktion. Dabei geht es nicht nur um 3D-Drucker, die für viele Produktgruppen wie zum Beispiel Kleidung nicht oder nur bedingt geeignet sind. Für die Mass Customization ist eine modulare Produktionsweise ideal, bei der einzelne Module leicht an Kundenwünsche angepasst werden können.

Kunden sind über Internet-Produktkonfiguratoren oft direkt in den Gestaltungsprozess eingebunden. Die individuellen Wünsche werden in das EDV-System des Unternehmens übertragen und von der vernetzten Produktionsanlage automatisch umgesetzt.

Vom Sportschuh bis zum Müsli

Durch Mass Customization individualisierte Produkte gibt es in vielen Bereichen, darunter Bekleidung und Sportartikel mit persönlichen Designelementen, Sonnenbrillen, Puzzles mit eigenen Motiven, Schokodragees mit frei gestaltbarem Aufdruck oder individuelle Müslimischungen.

Für die Logistik bedeutet Mass Customization: Die Flexibilität in der Produktion muss sich in einer Flexibilität der Lieferkette widerspiegeln.

Logistik 4.0 und Losgröße 1

Weil die Nachfrage nach maßgeschneiderten Unikaten in erster Linie über den Online-Handel abgewickelt wird, stützt die Mass Customization das Logistikgeschäft im Bereich der Zustellung an Endkunden. Wesentlich verändern wird sich dieses logistische B2C-Segment dadurch allerdings nicht. Es macht keinen großen Unterschied, ob sich in einer Sendung ein personalisiertes oder ein Standardprodukt befindet.

Bedeutung von Mass Customization wächst auch für die Logistik

Im B2B-Bereich sieht es anders aus. In einem wachsenden Markt für Massenpersonalisierung sind Logistikakteure die Wegbereiter der Personalisierungsstrategien ihrer B2B-Kunden. Aufgabe der Logistik 4.0 ist es, den Bedarfen und dem Individualisierungsgrad der Industrie 4.0 zu entsprechen.

Das gelingt nur, wenn Lieferketten sich anpassen, um kundenspezifische Produkte zu verarbeiten. Viele Unternehmen haben zunehmend komplexere Produktportfolios, für welche die richtigen Logistikdienstleistungen angeboten werden müssen. Gleichzeitig sollte für individualisierte Produkte die gleiche Servicequalität und das gleiche Preis-Leistungs-Verhältnis wie für Standardprodukte gelten.

Um die Wettbewerbsfähigkeit wechselseitig zu steigern, sollten personalisierte Produkte auf personalisierte Logistikservices mit mehreren Transport- und Lieferoptionen treffen. Dazu sind integrierte Management-Lösungen für die Supply Chain hilfreich, auch um kurze Produktions- und Lieferzeiten der individualisierten Endprodukte zu gewährleisten. So hängen zum Beispiel die tatsächlichen Materialbedarfe der Produzenten von den konkreten individualisierten Produkten ab. Für den reibungslosen Ablauf bei der Zulieferung von Materialien, der Produktion und der Zustellung müssen Daten zwischen Herstellern und Logistikern geteilt und die Lieferketten transparent gestaltet werden.

In der Logistik herrscht ein genereller Trend zur Vernetzung beteiligter Player an logistischen Prozessen über Cloud- oder Blockchain-Lösungen oder zur besseren Planung von Transportleistungen über Big-Data-Analysen und künstliche Intelligenz (KI). Dieses Innovationspotenzial zahlt sich im Bereich flexibler Services für individualisierte Produkte besonders aus.

Fazit

Moderne Produktionsverfahren ermöglichen die Individualisierung zahlreicher Produkte, ohne dass jeweils ganze Produktionsanlagen umgerüstet werden müssen. Und weil die Nachfrage nach persönlichen Sonderanfertigungen hoch ist, werden große Produktvielfalt und kleinste Losgrößen bis zur Losgröße 1 in der Industrie 4.0 immer mehr zum Standard. Die Logistikdienstleister müssen auf die Produktvarianz der Mass Customization und wechselnde Bedarfe mit flexiblen Services und fortgeschrittenen IT-Lösungen reagieren. DHL Freight freut sich, seine Partner mit Logistik-Services unterstützen zu können, die so maßgeschneidert sind wie die Produkte selbst.

Häufige Fragen

  • Was bedeutet Losgröße 1?
    Ein Los ist die zusammengefasste Stückzahl von Produkten, die hintereinander ohne Unterbrechung produziert werden. Die kleinste mögliche Losgröße ist die Losgröße 1; es wird also nur ein einziges Produkt in einem Fertigungsprozess hergestellt.
  • Was ist Mass Customization?
    Mass Customization oder Massenpersonalisierung ist die Herstellung personalisierter Produkte im Rahmen und zu Kosten der Massenproduktion. Voraussetzung ist Flexibilität in der Produktion.
  • Welche Auswirkung hat Mass Customization auf die Logistik?
    Kundenspezifische Produkte und komplexe Produktportfolios verlangen nach adäquaten Logistikdienstleistungen. Wichtig sind integrierte IT-Management-Lösungen für die Supply Chain, um Daten zwischen Herstellern und Logistikern zu teilen und Lieferketten transparent zu gestalten.

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