Ein hoher OTIF-Wert zeugt davon, dass Lieferaufträge zu den vereinbarten Bedingungen und pünktlich erfüllt werden. Für Transportunternehmen ist dieser Lieferketten-KPI daher von großer Bedeutung, denn er spiegelt eine qualitativ hochwertige Logistikdienstleistung wider, welche die Kundenzufriedenheit steigert. Was bedeutet OTIF genau, wie wird der Wert berechnet und wie lässt er sich steigern?

Was ist OTIF?
Die Liefertreue und Liefergenauigkeit sind entscheidende Qualitätsmerkmale für logistische Dienstleistungen. OTIF ist ein Leistungskennwert im Supply-Chain-Management, anhand dessen sich diese Schlüsselfaktoren bewerten lassen. Die OTIF-Kennzahl ist also ein Indikator für die Zuverlässigkeit einer Lieferung. Das macht On-Time In-Full zu einem sehr wichtigen KPI für die Transportlogistik.
Mit Hilfe von OTIF können sowohl Transportunternehmen ihre eigene Liefergenauigkeit beurteilen als auch Auftraggeber die Qualität der Dienstleistungen ihrer Logistikpartner.
Indikatoren für den Erfolg: Welche KPIs gibt es in der Logistik?
Es gibt in jeder Branche Indikatoren, anhand derer der Unternehmenserfolg quantifiziert und dafür notwendige Prozessoptimierungen vorgenommen werden können: sogenannte Key ...
On-Time In-Full: Definition
Die beiden Bestandteile des Begriffs „OTIF“ – „On Time“ und „In Full“ – sind selbsterklärend:
OTIF gibt an, ob eine Lieferung innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens („On Time“) und in der vereinbarten Menge („In Full“) erfolgt. Zusätzlich müssen zwei weitere Kriterien erfüllt sein, um einen hohen OTIF-Wert zu erreichen.
Die OTIF-relevanten Parameter im Überblick:
- Die Lieferung umfasst die richtigen Artikel.
- Die Lieferung entspricht der vereinbarten Menge.
- Die Lieferung trifft zum vereinbarten Zeitpunkt ein.
- Die Lieferung trifft am vereinbarten Ort ein.
So lässt sich die OTIF-Kennzahl berechnen
Die Formel für die OTIF-Kennzahl lautet:
OTIF (in %) = (Anzahl der vollständigen und termintreuen Lieferungen ÷ Gesamtzahl der Lieferungen) x 100
Um Verbesserungen und Verschlechterungen der Lieferqualität auf einer Zeitachse bestimmen zu können, wird die Berechnung sinnvollerweise für einen bestimmten Zeitraum durchgeführt.
Ein Logistikdienstleister, der für ein Unternehmen 120 Warentransporte innerhalb eines Monats ausführt, von denen zwölf die OTIF-Kriterien nicht erfüllen, erreicht demnach eine OTIF-Kennzahl von 90 Prozent: (108 ÷ 120) x 100 = 90 %
Differenzierte Formel für die OTIF-Kennzahl
Es besteht ferner die Möglichkeit, die Berechnung nach den Hauptkriterien „On Time“ und „In Full“ zu differenzieren. Dann lautet die Formel:
OTIF (in %) = ([Anzahl der vollständigen Lieferungen ÷ Gesamtzahl der Lieferungen] x [Anzahl der termintreuen Lieferungen ÷ Gesamtzahl der Lieferungen]) x 100
Ein Logistikdienstleister, der für ein Unternehmen 120 Warentransporte innerhalb eines Monats ausführt, von denen vier unvollständig und acht unpünktlich sind, erreicht auch nach dieser Berechnung eine OTIF-Kennzahl von 90 Prozent: ([116 ÷ 120] x [112 ÷ 120]) x 100 = 90 %
Was gilt als gute OTIF-Kennzahl?
Hundert Prozent sind zweifellos das Ideal: Jede Lieferung wäre pünktlich und vollständig. Lieferketten sind jedoch von zu vielen internen und externen Faktoren abhängig, so dass ein solcher Wert nicht realistisch ist. Hohe Krankenstände, Unfälle, Unwetter, Staus, politische Konflikte in Erzeugerländern, Änderungen von Einfuhrbestimmungen usw.: Die Liste der Einflussfaktoren ist lang. Trotz aller Bemühungen von Logistikunternehmen, Lieferketten so resilient wie möglich zu gestalten, sind hundert Prozent kaum zu erreichen.
OTIF-Werte ab 95 Prozent gelten deshalb in der Regel als Nachweis einer sehr resilienten Lieferkette und einer hohen Lieferqualität. Ab Werten von unter 85 Prozent bewegen sich Dienstleister hingegen in einem kritischen Bereich. Dies ist ein Hinweis auf mangelnde Effizienz.
Diese Bedeutung hat OTIF für beauftragende Unternehmen und Transportdienstleister
OTIF-Berechnungen bieten den Logistikern selbst und ihren Auftraggebern praktische Vorteile. Beide haben mit OTIF ein Instrument in der Hand, um entweder eigene Schwachstellen zu erkennen oder Leistungsanbieter direkt miteinander zu vergleichen.
Vorteile für beauftragende Unternehmen
Um wettbewerbsfähig zu sein und die Erwartungen der Kunden jederzeit zu erfüllen, muss sich das Bestandsmanagement von Unternehmen auf zuverlässige Lieferungen verlassen können. Vorausgesetzt, die Lieferungen sind sorgfältig dokumentiert, können Unternehmen mithilfe von OTIF-Analysen die Lieferqualität unterschiedlicher Transportanbieter objektiv erfassen und vergleichen.
Die Zusammenarbeit mit einem Transportlogistiker, der hohe Kennzahlen vorweisen kann, hilft Unternehmen, ihr Bestandsmanagement, ihre Effizienz, die Kundenzufriedenheit und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Genau das hat die US-amerikanische Warenhauskette Walmart bezweckt, als sie im Jahr 2017 OTIF für ihre Lieferanten einführte und in den Folgejahren die Anforderungen schrittweise von anfänglich 75 Prozent auf über 90 Prozent angehoben hat. Walmart stellt damit sicher, dass die Regale stets gefüllt sind und die Artikel jederzeit verfügbar sind, wenn die Kund:innen sie wünschen.
Vorteile für Transportdienstleister
Wenn Transportdienstleister ihre eigenen OTIF-Werte berechnen, hilft ihnen das, operative Schwachstellen zu ermitteln. Die OTIF-KPIs können für unterschiedliche Transportarten, Transportgüter oder belieferte Unternehmen erhoben werden. So sehen die Dienstleister schnell, wo es läuft und wo die Abläufe verbessert, resilientere Routen oder alternative Erzeuger gewählt werden sollten.
Die Aussagekraft der On-Time-In-Full-KPIs ist begrenzt
OTIF wird der Komplexität von Lieferketten nur bedingt gerecht. So sagt der bloße Kennwert beispielsweise nichts über die Verantwortlichkeit für eine unzureichende Lieferqualität aus. Es macht einen Unterschied, ob innerbetriebliche Ineffizienzen beim Dienstleister oder extreme Wetterereignisse (die alle Marktteilnehmer betreffen) den KPI drücken. Unternehmen sollten die nackten Zahlen daher in einen Kontext setzen, um sie richtig einschätzen zu können.
Der OTIF-Wert verrät außerdem nicht, wie stark sich eine Lieferung verspätet hat. Zwei Stunden oder zwei Tage – das macht einen Unterschied. Um eine belastbare Aussage über die Lieferqualität treffen zu können, ist es daher ratsam, die OTIF-Daten mit weiteren Informationen zu verknüpfen.
Welche anderen Kennzahlen ergänzen die Belastbarkeit von OTIF?
Ein für Auftraggeber zweifellos relevanter Wert wird von OTIF überhaupt nicht berücksichtigt: die Transportkosten. Für Hersteller oder Verkäufer ist es jedoch immens wichtig zu wissen, wie sich die Transportkosten zum Umsatz verhalten oder welchen Anteil die Transportkosten am Gesamtpreis eines Produktes ausmachen. Auch hierzu gibt es einen KPI, dessen Berechnung die Transport-Preis-Relation transparent macht.
Erst in Kombination mit diesem und weiteren Logistik-KPIs wird der OTIF zu einem wirklich belastbaren Instrument. Für Versender dürfte zum Beispiel außerdem die Lieferanten-Compliance-Rate aufschlussreich sein. Sie zeigt nicht nur, wie effizient und zuverlässig der Dienstleister arbeitet, sondern auch, ob die Liefersicherheit gewährleistet ist. Auch anhand dieser Kennzahl lassen sich wie beim OTIF verschiedene Dienstleister miteinander vergleichen.
Wie lässt sich der OTIF-Wert verbessern
Unternehmen ohne eigene Transport- und Lagerlogistik oder mit nur eingeschränkten Ressourcen können ihren OTF-Index vor allem durch die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Logistikpartner verbessern. Das bedeutet nicht, dass eine Kooperation bei kleineren Problemen immer umgehend beendet werden sollte. Eine klare und frühzeitige Kommunikation zwischen Logistikdienstleistern und den versendenden Unternehmen kann in manchen Fällen ausreichend sein, um optimierte Abläufe zu erreichen.

Kommunikation bedeutet heute auch: Schnittstellen zwischen den Managementsystemen von Versendern, Dienstleistern und Empfängern, um einen nahtlosen Informationsfluss und lückenlose Transparenz über die gesamte Lieferkette zu gewährleisten.
Weitere zielführende Maßnahmen zur Anhebung des OTIF-KPIs für Unternehmen mit eigener Lagerlogistik sowie für Logistikdienstleister sind:
- Effizientes Lagermanagement: Dazu gehört ein hoher Automatisierungsgrad im Warenlager mit schnellen und fehlerfreien Prozessen beim Wareneingang und -ausgang
- Effizientes Zeitfenstermanagement für reibungslose Be- und Entladeprozesse von Lkw
- Intelligente Ladungsbildung: Dies trägt zur effizienten Nutzung der Ladeflächen bei, senkt die Fehlerquote und beschleunigt die Lieferprozesse.
- Intelligente Routenplanung: Sie sorgt dafür, dass alle Empfängerunternehmen auf der Route ihre Lieferung möglichst termingetreu erhalten.
- Effizientes Tracking und Tracing: Damit lassen sich Lieferprozesse verlässlicher steuern.
- Flexible Lieferketten, die beispielsweise auf andere Anbieter, Verkehrsträger oder Routen ausweichen können. Flexible Lieferketten sind resiliente Lieferketten und resiliente Lieferketten erleichtern die Termintreue und erhöhen die Verfügbarkeit gewünschter Waren.
- Kapazitäten besser und effektiver planen mit präzisen Bedarfsprognosen. Ein hohes Maß an Digitalisierung und KI-Anwendungen verbessert die Prognosequalität. Zuverlässige Prognosen stellen sicher, dass Zusagen quantitativ und terminlich eingehalten werden können.
Fazit: Eine OTIF-Analyse ist für Auftraggeber und Logistikdienstleister wertvoll
Der OTIF-Wert zeichnet kein vollumfängliches Bild der Lieferqualität eines Dienstleisters in der Transportlogistik. Nichtsdestotrotz liefert eine Analyse der OTIF-Kriterien wertvolle Hinweise auf eine effiziente und wettbewerbsfähige Logistikdienstleistung. Denn eines ist unstrittig: Die Kundenzufriedenheit steigt, wenn Aufträge zu den vereinbarten Bedingungen vollständig und pünktlich geliefert werden.
Der Königsweg zu einem hohen OTIF-KPI sind reibungslose Abläufe über die gesamte Lieferkette hinweg. Dafür sind eine vorausschauende Bedarfsplanung, belastbare Prognosen, intelligente Managementsysteme, Routen und Ladungen maßgeblich. Durch Kommunikation, Vernetzung und Automatisierung wird die Fehlerquote gesenkt und die Liefergenauigkeit sowie Liefertreue erhöht.
Als DHL Freight stehen wir für exzellente Lieferqualität. Um dieses Niveau zu halten, unterliegen unsere Prozesse einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle. So gelangen Ihre Waren heute und in Zukunft schnell, vollständig und nachhaltig ans Ziel.