Lösungen / Lesezeit: ~ 5 Min.

Tracking & Tracing in der Logistik

Zwei DHL-Mitarbeiter, mit einem Scanner in der Hand

Transparenz über jede Sendung, jederzeit: Tracking & Tracing zählt schon lange zum Standard in der Logistik. Richtig umgesetzt, kann es nachhaltige Mehrwerte schaffen und zum Wettbewerbsvorteil werden. In diesem Artikel erfahren Sie, was Tracking und Tracing bedeutet, warum es unverzichtbar ist, welche Herausforderungen häufig auftreten und welche der gängigen Technologien wie GPS, Geofencing, RFID, Barcode/QR oder IoT-Sensorik sich für welche Anwendungsbereiche besonders gut eignen.

Definition: Was bedeutet Tracking & Tracing?

Unter Tracking verstehen Logistiker:innen die laufende Standortbestimmung von Sendungen, Ladungsträgern oder Fahrzeugen – häufig in nahezu Echtzeit. Tracing wiederum beschreibt die Rückverfolgung von Prozessschritten, Statusmeldungen und Routenpunkten entlang der gesamten Supply Chain. Gemeinsam ermöglichen Tracking-und-Tracing-Systeme den lückenlosen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart einer Sendung sowie den voraussichtlichen Zeitpunkt der Zustellung. 

Anders gesagt: Tracking beantwortet die Frage „Wo ist die Sendung?“, Tracing eher die Frage „Wie kam sie dorthin?“. Um diese Informationen zusammenzutragen und ein hohes Maß an Genauigkeit und Aktualität zu gewährleisten, stellen die verwendeten Datenmodelle und die verschiedenen IT-Schnittstellen jeweils eigene Anforderungen, die im logistischen Prozess zu erfüllen sind.


Infobox: Tracking & Tracing auf einen Blick

  • Tracking = Aktuelle Ortung einer Sendung oder eines Assets in (nahezu) Echtzeit – sozusagen die „Wo bin ich?“-Frage im Tracking & Tracing. 
  • Tracing = Rückverfolgung der Historie (Events, Routen, Zustände) – beantwortet die Frage „Wo war ich wann?“ 
  • Worum es geht: Transparenz, verlässliche ETAs (Estimated Time of Arrival), weniger Stillstand, weniger beschädigte oder verloren gegangene Sendungen. Kurzum: eine bessere, verlässliche Servicequalität dank Tracking & Tracing in der Logistik.
  • Technologien: Technische Möglichkeiten sind immer vielfältiger geworden. Zu gängigen Systemen zählen: GPS/GNSS und Geofencing, RFID (aktiv/passiv), Barcode/QR, Mobilfunk-IoT/BLE/Wi-Fi, Edge und Cloud.
  • DHL Freight Praxis: Active Tracing inklusive API-Option, einer nahtlosen Anbindung Ihrer Systeme. Für globale Speditionssendungen steht myDHLi bereit. 

Warum Tracking & Tracing unverzichtbar ist

Mit Tracking & Tracing-Systemen verbinden sich eine Reihe handfester Vorteile, von denen alle Beteiligten entlang der Supply Chain profitieren – vom Versender über die beauftragten Logistikdienstleister bis hin zu den Empfänger:innen einer Sendung. Ein entscheidender Vorteil dabei: Ob Disposition, Kundenservice, Einkauf, Produktion oder Empfänger:in, alle Beteiligten verfügen über denselben Informationsstand und können sich selbsttätig laufend über den Sendungsstatus informieren – das schafft Transparenz und Verlässlichkeit ohne aufwendige (telefonische) Nachfragen.

Prozesse besser und verlässlicher steuern

Mit verlässlichen ETAs verbessert sich die gesamte Planung logistischer Prozesse, gleichzeitig erhöht sich die Liefertreue. Ebenso ist die Ausnahmebehandlung proaktiv möglich: Geofences und Ereignis-Trigger beispielsweise melden Abweichungen früh. Somit können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, bevor Vorgaben aus dem Service Level Agreement (SLA) möglicherweise nicht erfüllt werden.

Mehr Servicequalität = höhere Kundenzufriedenheit

Somit schafft Tracking & Tracing einen wichtigen Mehrwert für Servicequalität, Verlässlichkeit und Kundenzufriedenheit. Von großer Bedeutung ist die lückenlose Dokumentation (Chain of Custody) insbesondere für audit-sichere Prozesse in sensiblen Anwendungen – beispielsweise für Pharma, Automotive, Chemie oder Elektronik. Die heutige IoT-Sensorik erweitert das Tracking in der Logistik zudem um die Überwachung und Dokumentation wichtiger Parameter wie Temperatur, Erschütterungen oder Feuchte.

Typische Herausforderungen – und wie sie zu meistern sind

Die Gründe für Tracking & Tracing zeigen auf, dass darauf in der modernen Logistik nicht verzichtet werden kann. Die Umsetzung ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Wir gehen auf die gängigen ein und zeigen auf, wie Sie sie meistern können.

1. Datenqualität und Stammdaten

Kein Tracking & Tracing ohne verlässliche Daten und Referenzen (Sendungsnummern, Auftrags-IDs, SSCC/GTIN). Nicht die Technik selbst, sondern Inkonsistenzen sind häufig die Ursache für Reibungsverluste. Daher kommt es darauf an, eine hohe Datenqualität zu gewährleisten, indem unter anderem Data Owner, Validierungsregeln und KPIs klar definiert sind.

2. Schnittstellen und Integrationen

Die Zahl der Beteiligten an Logistikprozessen ist groß – entsprechend vielfältig sind die verwendeten Systeme. Ein Problem: ERP, TMS, WMS und Carrier-APIs sprechen unterschiedliche „Dialekte“. Daher ist es unverzichtbar, ein zentrales Datenmodell zu definieren, API-Schnittstellen zu pflegen und Event-Streaming zu nutzen – so wird Tracking in der Logistik skalierbar.

3. Datenschutz und Sicherheit

Bei der Verwendung personenbezogener oder betriebsrelevanter Daten sind eine Vielzahl an Regularien und Rechtsgrundlagen zu beachten. Anonymisierung beziehungsweise Pseudonymisierung und klar festgelegte Zugriffskonzepte für Tracking und Tracing gewährleisten die Datensicherheit – gerade bei Anwendungen wie Geofencing.

4. Hardware und Betrieb

Robustheit und Netzabdeckung der verwendeten Devices, Total Cost of Ownership (TCO): Das sind die Realitäten jedes Tracking-&-Tracing-Rollouts. Hohe Anforderungen an die Performance und Kosteneffizienz sind dabei miteinander in Einklang zu bringen.

Die wichtigsten Technologien im Überblick

Es gibt eine Vielzahl an Technologien, die das Tracking & Tracing von Sendungen möglich machen – alle mit unterschiedlichen Vorteilen und Grenzen. Oft ist es gerade die Kombination aus mehreren Technologien, die eine nahtlose Nachverfolgung ermöglichen.

Barcode und QR-Code

  • Prinzip: 1D/2D-Codes, die per Scanner erfasst werden; günstig, universell.
  • Vorteile: Niedrige Kosten, hohe Verfügbarkeit, ideal für Tracking-Basisszenarien.
  • Grenzen: Keine automatische Fern-Ortung; Ereignisse nur bei Scanpunkten. 

RFID (passiv/aktiv)

  • Prinzip: Tags mit Funkchips; Lesung ohne Sichtkontakt, auch palettenweise.
  • Vorteile: Hoher Durchsatz, robuste Identifikation, Prozessgeschwindigkeit – ein starkes Fundament für Tracking-&-Tracing-Systeme in Lager/Produktion.
  • Grenzen: Invest in Infrastruktur/Tags, Metall/Flüssigkeiten als Störfaktoren je nach Frequenz. Ein relevanter Unterschied: Passives RFID liefert meist Ereignisse (Tracing); aktives RFID kann auch Tracking bereitstellen. 

GPS/GNSS (im Fahrzeug oder Asset-Tracker)

  • Prinzip: Satellitenortung, übermittelt via Mobilfunk.
  • Vorteile: Flächenweite Tracking-&-Tracing-Transparenz, verlässliche ETA-Berechnung.
  • Grenzen: Indoor/Einhausungen problematisch; Stromversorgung nötig. (Praxis: GPS-ausgerüstete Lkw für vollständige Track-&-Trace-Sichtbarkeit.) 

Geofencing

  • Prinzip: Virtuelle Zäune rund um Rampen, Hubs, Routen; Betreten/Verlassen löst Events aus.
  • Vorteile: Automatisierte Tracking-&-Tracing-Ereignisse (Ankunft/Abfahrt), Alarmierung bei Abweichung.
  • Grenzen: Pflegeaufwand für Geozonen, GPS-Genauigkeit und Datenschutz beachten. 

Mobilfunk-IoT, BLE, Wi-Fi, UWB

  • Prinzip: Lokalisierung per Zell-ID, Bluetooth-Beacons, Wi-Fi-Fingerprints oder Ultra-Wideband.
  • Vorteile: Ergänzt Tracking dort, wo GNSS schwächelt (Indoor).
  • Grenzen: Genauigkeit/Abdeckung variieren; hybrider Ansatz häufig am besten.

Sensorik (Temperatur, Schock, Feuchte, Licht)

  • Prinzip: IoT-SmartSensoren erfassen Zustände; Daten fließen ins Tracking-&-Tracing-Backend.
  • Vorteile: Qualitätssicherung, Compliance (GDP), Claims-Reduktion.
  • Praxis: DHL SmartSolutions IoT & SmartSensor – Sichtbarkeit und Monitoring entlang der Kette. 
Die wichtigsten Tracking-Technologien im Überblick

Praxisbeispiele: Wo Tracking & Tracing sofort Wirkung zeigt

Die Transparenz von Sendungen ist für Lieferant:innen und Empfänger:innen praktisch immer von Bedeutung. Es gibt aber Beispiele aus der Praxis, in der sie besonders wertvoll ist.

Automotive: Taktlieferung ohne Sicherheitsnetz

Die Fertigung in der Automobilindustrie just in time erfordert ein stabiles Tracking & Tracing in Echtzeit. Geofencing an Werkszonen meldet verspätete Trailer automatisch; Disponenten lösen Umroutung aus. Ergebnis: weniger Bandstillstand – messbarer Effekt für eine effiziente, genau getaktete Produktion. 

Pharma und Life Sciences: Temperatur gesichert

IoT-Sensoren überwachen Temperatur und Erschütterung, Events werden im Portal dokumentiert – Abweichungen triggern SOPs. So wird Tracking & Tracing zur Compliance-Stütze (GDP) und reduziert den Ausschuss. 

Retail/E-Commerce: Kundenerlebnis und Lagerumschlag

Tracking kann dazu beitragen, Bestandsreichweiten zu optimieren, Nachfragen von Kund:innen zu reduzieren und gleichzeitig ihre Zufriedenheit zu erhöhen. Die dafür verwendete Technik: Barcode/QR an jeder Station liefert Tracing-Events, GPS die Ankunftszeiten.

Implementierungsleitfaden: In 7 Schritten zum skalierbaren Tracking & Tracing

In welcher Form Tracking & Tracing in Ihrem Unternehmen zu implementieren ist, ist individuell unterschiedlich. Mit den folgenden sieben Schritten finden Sie eine passende Lösung für Ihre Situation.

1. Ziele und Scope festlegen

Welche Kennzahlen sollen sich verbessern? Tipp: Starten Sie fokussiert – zum Beispiel bezogen auf FTL Europa – und erweitern Sie Ihr Tracking & Tracing iterativ.

2. Datenmodell und Schnittstellen definieren

Standardisieren Sie Ereignisse (Quelle, Zeit, Ort, Status) und harmonisieren Sie IDs (Sendung, Auftrag, Asset). Das erleichtert das Rollout von Tracking-&-Tracing-Systemen.

3. Technologiemix wählen

Kombinieren Sie GPS/Geofencing für Transport, RFID/Barcode für Lager, Sensorik für Qualität – die Hybridstrategie skaliert das Tracking.

4. Plattform anbinden

Binden Sie DHL Freight Active Tracing via API an (oder nutzen Sie das Webportal), und orchestrieren Sie Tracking-&-Tracing-Logistik zentral in Ihrem TMS/Control Tower. 

5. Prozesse und Change Management

Definieren Sie, wer auf Alarme reagiert, wie Eskalationsstufen ablaufen und wie Sie

Tracking-&-Tracing-Daten in Planungs- und Kundenprozesse rückkoppeln.

6. Pilot, Messen, Skalieren

Starten Sie mit einem Lane-Pilot, messen Sie KPIs, verfeinern Sie Geofences/Alerts – und rollen Sie anschließend das Tracking & Tracing auf weitere Relationen aus.

7. KPIs und ROI: Wie Sie Erfolg messen

  • ETA-Genauigkeit (Ø Abweichung in min/h) – der Klassiker im Tracking & Tracing.
  • Dwell Time an Hubs/Rampen – ein wichtiger Schlüsselhebel in der Logistik.
  • On-Time Delivery (OTD) und Servicegrad
  • Claims und Schadensquote, Bestandsreichweite, Anzahl

Fazit: Von „Wo ist meine Sendung?“ zur vorausschauenden Supply Chain

Tracking-&-Tracing-Systeme sind für eine leistungsstarke Logistik schon lange unverzichtbar. Die Richtung der weiteren Entwicklung ist klar erkennbar: Die Systeme werden immer intelligenter. ETA-Prognosen verbessern sich durch KI, IoT-Sensorik liefert Zustandsdaten in Echtzeit, und Control-Tower-Lösungen verbinden Events zu handlungsleitenden Workflows. Vom Gewinn an Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit profitieren alle Beteiligten der Logistikkette. 

Sollen wir dieses Thema gemeinsam vertiefen?

Neugierig geworden? Unsere Autor:innen helfen Ihnen gerne weiter. Schreiben Sie uns einfach eine kurze Nachricht – und wir tauchen gemeinsam tiefer ein.

Jetzt E-Mail schreiben

Ähnliche Artikel