Aus dem Testfahrzeug ist ein Arbeitsgerät geworden: Seit September fährt das erste in Europa gebaute Exemplar des SuperPanther eTopas 600 im Netzwerk von DHL Freight in den Niederlanden – im kommerziellen Regelbetrieb, mit rund 2.000 Kilometern pro Woche. Der batterieelektrische Schwerlast-Lkw bedient Touren innerhalb der Niederlande und überquert regelmäßig die Grenze nach Belgien. Damit hat die Partnerschaft zwischen DHL Freight und SuperPanther ihre bislang konkreteste Stufe erreicht.
Wie kam der eTopas 600 in die Niederlande?
Der Weg dorthin verlief in drei Etappen. Den Anfang machte im Herbst 2024 die IAA Transportation in Hannover: Dort besiegelten beide Unternehmen ein Memorandum of Understanding über eine strategische Zusammenarbeit. Vereinbart wurde, gemeinsam an Konzepten für emissionsarme und emissionsfreie Transporte im Straßengüterverkehr zu arbeiten.
Die zweite Etappe führte nach Österreich. Erste Testfahrten gab es dort ab Herbst 2025, die entscheidende Phase folgte im Frühjahr 2026: zwei Wochen Dauereinsatz, rund 1.900 Kilometer Fahrstrecke, im Schnitt 238 Kilometer pro Tag. Der Verbrauch lag bei 102 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Gefahren wurde unter anderem die rund 400 Kilometer lange Relation zwischen Wels und Wien. Das Ergebnis trug weit genug für den nächsten Schritt: den Einsatz bei Kund:innen.
Damit begann Etappe drei. Im Juli 2026 lief das Fahrzeug vom Band, Ende August wechselte es von Österreich in die Niederlande. Am 31. August übernahm es das dortige Team, sein erster regulärer Arbeitstag war der 1. September.

Warum fährt DHL Freight das erste Serienfahrzeug?
Gebaut wird der eTopas 600 für den europäischen Markt in Oberösterreich. Im Werk Steyr sind die ersten Exemplare der Serie fertiggestellt und an ihre Abnehmer gegangen – möglich macht das eine Kooperation von SuperPanther mit der Steyr Automotive GmbH. Die Nummer eins dieser Serie hat sich DHL Freight gesichert und schickt sie nicht in eine Ausstellungshalle, sondern direkt in den Kundenbetrieb.
Das ist für uns mehr als eine Randnotiz. Wer das erste Serienfahrzeug bewegt, sammelt auch die ersten belastbaren Betriebsdaten: zu Reichweiten unter realer Beladung, zu Ladefenstern in der Tourenplanung und zur Rückmeldung der Fahrer:innen.
Die bisherigen Erfahrungen im täglichen Betrieb sind positiv. Das Fahrzeug erfüllt die Anforderungen der geplanten Einsatzprofile und erreicht im Netzwerk eine hohe Produktivität. Auch die Rückmeldungen aus dem Fahrbetrieb sind sehr gut.
Arjan van Weelden
Carrier & Sustainability Manager, DHL Freight Niederlande
Was steckt technisch im eTopas 600?
Hinter dem Fahrzeug steht ein junges Unternehmen: SuperPanther entstand 2022 in China und arbeitet an Energietechnologien für Nutzfahrzeuge der mittleren und schweren Gewichtsklassen. Mit dem eTopas 600 hat der Hersteller erstmals ein Elektrofahrzeug eigens für den europäischen Markt entwickelt.

SuperPanther eTopas 600 im Überblick
| Merkmal | Wert |
| Batterietyp | Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) von CATL |
| Batteriekapazität | 621 kWh |
| Motorleistung (Dauer/Spitze) | 394 / 692 kW |
| Reichweite (Herstellerangabe) | bis zu 560 km |
| Ladeleistung (2 x CCS2) | max. 660 kW |
| Ladezeit 20–80 % (dual) | ≤ 38 Minuten |
Was leistet der eTopas 600 im Tagesgeschäft?
Ein Praxistest findet unter beobachteten Bedingungen statt: definierte Strecke, definierte Zuladung, begleitende Messungen. Im Regelbetrieb entfällt diese Schonung. Hier steht das Fahrzeug in der Disposition wie jeder andere Lkw auch – mit Kundensendungen, festen Zeitfenstern und wechselnden Anforderungen.
Genau diese Bedingungen gelten in den Niederlanden. Der eTopas 600 pendelt nicht auf einer festen Route zwischen zwei Terminals, sondern wird flexibel eingeplant: nationale Touren, dazu regelmäßig Fahrten über die Grenze nach Belgien. So kommen rund 2.000 Kilometer pro Woche zusammen. Besonders gut passt das Fahrzeug auf mittlere Distanzen, auf denen sich Ladepausen in den Tagesablauf einfügen lassen.
Die Erkenntnisse daraus bleiben nicht im Netzwerk: DHL Freight gibt die Betriebserfahrungen an SuperPanther zurück und wirkt so an der Weiterentwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen mit.

Wo steht DHL Freight bei der E-Mobilität?
Der eTopas 600 ist kein Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Entwicklung. Rund 1.700 Fahrzeuge mit emissionsarmen Antrieben zählt unsere Flotte inzwischen, und die Zahl wächst weiter. Parallel prüfen wir fortlaufend neue Fahrzeugtypen und Antriebskonzepte auf ihre Eignung für den Linienbetrieb – mit Blick auf das Ziel von DHL Group, bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen auf Netto-Null zu senken.
Für die Niederlande und Belgien ist der eTopas 600 dabei erst der Anfang: Rund 40 weitere Elektrofahrzeuge sollen in den kommenden Monaten in die Flotte kommen.
Unsere Kunden suchen nach praktikablen Möglichkeiten, die Treibhausgasemissionen ihrer Transporte zu reduzieren. Deshalb kommt es nicht allein auf die verfügbare Technologie an, sondern auf ihre Einsatzfähigkeit im kommerziellen Tagesgeschäft.
Heidi van Eldik
CEO DHL Freight Niederlande & Belgien
Dabei gehen wir bewusst technologieoffen vor. Neben der E-Mobilität setzen wir auf Kraftstoffe wie HVO 100 sowie Bio-LNG und Bio-CNG und erproben langfristige Optionen wie die Wasserstofftechnologie.
Im elektrischen Straßengüterverkehr kommen weitere Projekte hinzu, etwa der Testeinsatz von E-Lkw von BYD im Großraum Köln oder der elektrische Regelbetrieb für Satair in Hamburg. Mit den GoGreen Plus Services können Kund:innen diesen Weg aktiv mitgehen und die Emissionen ihrer eigenen Transporte reduzieren.
Ein Fahrzeug, das im Alltag Erfahrung sammelt
Zwischen der Unterschrift unter das Memorandum of Understanding und dem ersten Kundenauftrag in den Niederlanden liegen zwei Jahre. Diese Zeit war nötig, denn die Elektrifizierung im schweren Güterverkehr entscheidet sich nicht in der Theorie, sondern an der Frage, ob ein Fahrzeug den Alltag eines Speditionsnetzwerks aushält.
Diese Frage beantwortet der eTopas 600 seit September: auf der Straße, mit echter Ladung, für echte Kund:innen. Was wir dabei über Reichweiten, Ladeverhalten und Tourenplanung lernen, fließt zurück in die Partnerschaft mit SuperPanther – und in die Entscheidung darüber, welche Relationen als Nächstes elektrisch fahren können.
Sie möchten wissen, wie sich emissionsarme Transporte in Ihre Lieferkette integrieren lassen? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne.
Heidi van Eldik