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Der Weg zur Datenschutzbeauftragten

Von der Kindheit in der kommunistischen Tschechoslowakei über das Jura-Studium bis zu ihrer Tätigkeit als Anwältin in den USA – Silvie van Ettens Lebensgeschichte ist genauso ungewöhnlich wie inspirierend.

Wir stellen vor: Silvie van Etten, Global Data Protection Official bei DHL Global Forwarding, Freight.

Ich wurde in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren und wuchs in der Hauptstadt Prag bei meinem Großvater auf. Für mich war es die perfekte Kindheit. Dass nicht alles so perfekt war, wie es schien, wurde mir erst viele Jahre später klar.

Mein Großvater entwickelte Silikose (Staublunge), eine Krankheit, die durch das Einatmen von Quarzstaub verursacht wird und im Laufe der Zeit zu Atemnot führt. Die Krankheit zwang ihn, sehr früh in den Ruhestand zu gehen und war eine direkte Folge der durch das kommunistische Regime angeordneten Zwangsarbeit in einer Uranmine. Ich selbst litt an Asthma und konnte daher nicht in den Kindergarten gehen. Da meine Mutter in Vollzeit arbeitete, verbrachte ich viel Zeit mit meinem Großvater. Er brachte mir die wichtigsten Dinge im Leben bei – Lesen und Rechnen zum Beispiel, oder auch Skifahren.

„Wir wurden permanent beobachtet“

Meine frühe Kindheit mit meinem Großvater war alles andere als normal. Als Kind bekam ich mit, dass alle Briefe, die wir bekamen, bereits geöffnetund mit Klebestreifen wieder verschlossen worden waren. Familiengespräche fanden nur statt, wenn alle Rollos heruntergelassen waren und das Zimmer gründlich auf Abhörgeräte untersucht worden war. Selbst dann unterhielten sich die Erwachsenen nur im Flüsterton. Besucher waren nicht willkommen, da man niemandem trauen konnte. Wir wurden permanent beobachtet. Schon als kleines Kind wurde mir beigebracht, was ich nicht sagen durfte und mit wem ich überhaupt nicht sprechen sollte. Jede Information, die aus der Familie nach außen drang, hätte gravierende Folgen haben können.

Bevor er zur Zwangsarbeit in die Uranmine geschickt wurde, arbeitete mein Großvater als Anwalt und Rechtsberater eines Unternehmens. 1968 unterschrieb er das „Manifest der 2000 Worte“ – ein Dokument, das alle tschechischen Bürger dazu aufrief, eine echte Demokratie zu fordern und ihre Regierung zur Rechenschaft zu ziehen. Als er sich weigerte, seine Unterschrift zurückzunehmen, wurde er gefeuert. Das kommunistische Regime gab ihm eine orangefarbene Weste und machte ihn zum Straßenkehrer. Aber er war ein stolzer Mann und bot dem Regime furchtlos die Stirn. Das brachte ihm zwei Jahre Zwangsarbeit in der Uranmine ein. Er verbrachte den Rest seines Lebens mit Jobs, die keiner will, gab aber nie auf.

„Mein Traum war es, in die Fußstapfen meines Großvaters zu treten und Anwältin zu werden“

Als die Samtene Revolution im November 1989 den Systemwechsel brachte, war ich acht Jahre alt. Westliches Fernsehen und westliche Musik setzten sich zunehmend durch und ich hatte nur ein Ziel: in den USA zu leben. Mit 18 Jahren packte ich also meine Koffer und verließ meine Heimat, um an der University of Louisville in Kentucky Politikwissenschaften zu studieren. Mein Traum war es, in die Fußstapfen meines Großvaters zu treten und Anwältin zu werden. Der (enorme) Unterschied bestand darin, dass ich in einer freien Welt lebte und alle Möglichkeiten hatte. Ich wusste, dass ich es schaffen würde, wenn ich nur hart genug arbeitete.

Ich erfüllte mir meinen Traum eines Jurastudiums in den USA und arbeitete zunächst als Anwältin für geistiges Eigentum, wobei der Datenschutz immer zu meinen Aufgaben gehörte. Mit der Zeit gewann der Datenschutz immer mehr an Bedeutung, was förderlich für meine Karriere war.

„Ich nutze jede Gelegenheit, um möglichst viel Bewusstsein für den Datenschutz zu schaffen.“

Heute bin ich Global Data Protection Official (DPO) bei DGFF. Meine Aufgabe ist es, für einen ethisch einwandfreien und gesetzeskonformen Umgang mit personenbezogenen Daten zu sorgen. Außerdem berate ich das Unternehmen dazu, wie es beispielsweise durch Anonymisierung das volle Potenzial seiner Daten nutzen kann. Unser preisgekröntes Data Protection Compliance Program, das von unserem Datenschutzteam derzeit weltweit umgesetzt wird, habe ich ebenfalls entwickelt und eingeführt.

Was ich an meinem Job besonders liebe, ist, dass es keine Routine gibt. Dank der weltweit zunehmenden Bedeutung des Datenschutzes und der Verabschiedung neuer Datenschutzgesetze in immer mehr Ländern wird es nie langweilig. Mein berufliches Fachwissen und die Lebensweisheiten meines Großvaters helfen mir dabei, möglichst viel Bewusstsein für den Datenschutz zu schaffen.

Bilder und Illustrationen: Silvie van Etten und Oliver Plag, Video: Shivani Shrivastava

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