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Chinese New Year und die globale Logistik

Feuerwerk in China

Immer mehr Branchen sind abhängig von China: vom dortigen Absatzmarkt, vom China-Import oder von beidem. Mittlerweile hat nahezu alles, was in China passiert – seien es Regierungsmaßnahmen im Zuge der nationalen No-Covid-Strategie oder die Feierlichkeiten zum Neujahrsfest – unmittelbare Auswirkungen auf die internationale Logistik. China wird zum Flaschenhals des weltweiten Warenflusses, worauf strategisch reagiert werden muss.

China ist Motor und Engpass der internationalen Wirtschaft

Gerne wird die folgende Metapher dafür genutzt, um irgendein Vorkommnis zu illustrieren, das keine Relevanz für das eigene Handeln hat: der redensartliche Sack Reis, der in China umfällt. Doch das Bild hat längst Risse. Denn regionale Ereignisse in China, wie die lockdownbedingte Schließung einzelner Produktionsstätten oder die befristete Sperrung eines Flug- oder Containerhafens, können im komplexen Geflecht der Abhängigkeiten von China, Logistik und Lieferketten sowie die industrielle Produktion und den Handel weltweit beeinträchtigen.

Das wird sich auch im Jahr 2022 nicht grundlegend ändern. Solange die Volksrepublik ihre rigorose Corona-Politik fortführt, wird es wegen lokaler Schließungen auch zu Problemen sowohl beim China-Export als auch -Import kommen. Die internationale und auch die regionale Logistik bleiben eine Herausforderung und das unabhängig davon, ob man unmittelbar oder mittelbar in den China-Handel involviert ist. Bei all den unvorhersehbaren Ereignissen in China, auf eines kann man sich jährlich einstellen: das chinesische Neujahrsfest Ende Januar oder Mitte Februar.

Chinas Neujahrsfest: Spürbar in Europa

Früher hat man wirtschaftliche Entwicklungen in China womöglich nur beiläufig registriert. Man brauchte in Westeuropa auch nicht zwingend zu wissen, dass in China (und vielen weiteren Teilen von Südostasien) Neujahr mitnichten auf den 1. Januar fällt, sondern nach dem traditionellen Mondkalender auf einen Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. Und ob nun in China gerade das Jahr der Ratte oder des Schweins begonnen hatte, nahm man, vielleicht mit einem Schmunzeln, höchstens am Rande zur Kenntnis. Das ist heute anders.

Wasser-Tiger

Bei den chinesischen Mondjahren wechseln sich bestimmte Tiere in vorgegeben Zyklen als Jahrespatrone ab und werden dabei zusätzlich den einzelnen Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Am 31. Januar endet das Jahr des Metall-Büffels und tags darauf beginnt das Jahr des Wasser-Tigers. Viel entscheidender für Im- und Exporteure, Händler oder Logistiker sind aber die massiven Begleitumstände des Festes, das in seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft nicht im Ansatz mit unseren Silvesterfeiern oder auch mit Weihnachten zu vergleichen sind.

Neujahr in China und Asien steht still

Die Feierlichkeiten beginnen traditionell am Vorabend vor dem entsprechenden Neumond und dauern bis zu 15 Tage an. In der ersten Woche nach Neumond herrschen Staatsferien, während derer in China das öffentliche Leben und nahezu alle Geschäfte ruhen. Nicht nur Büros oder Fabriken sind geschlossen, sondern auch teilweise (Flug-)Häfen und andere Warenumschlagplätze. Als größtes Land in Asien hat das Neujahrsfest massive Auswirkungen auf den gesamten Kontinent. Die logistischen Abhängigkeiten der Staaten untereinander führen hier zu einem absoluten Stillstand.

Völkerwanderung und Neuorientierung

Da das Chinese New Year traditionell im Kreis der engeren und erweiterten Familie begangen wird, setzt im Riesenreich, dessen Wirtschaft nach wie vor von Wanderarbeitern mitgeprägt wird, jedes Jahr zum Neujahrsfest eine wahrhafte Völkerwanderung ein. Um diese Massenbewegung wenigstens etwas zu entzerren, haben viele Chinesen bereits in der Woche vor dem Neujahrsfest frei, wodurch das Wirtschaftsleben schon im Vorfeld des Festes stark eingeschränkt ist.

„Im Augenblick gehen wir noch von einer Beruhigung der Lieferketten­lage bis Mitte des Jahres 2022 aus.“

Dirk Jandura, Präsident des BGA im Gespräch mit der FAZ

Aber das ist noch nicht alles: Auch nach dem Fest kommt Chinas Wirtschaft nicht so schnell wieder ins Rollen, wie es bei uns ab dem 2. oder 3. Januar der Fall ist. Viele Arbeiter nutzen die Neujahrspause zum beruflichen Wechsel, zumal langfristige oder gar unbefristete Arbeitsverträge nicht zum Standard gehören wie in unserer tariflich geprägten Arbeitswelt. Und auch bei denjenigen, die an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren, kann es eine Weile dauern, bis sie in einem Land, dessen Ausdehnung sowohl in Nord-Süd als auch in Ost- West-Richtung über 4.000 Kilometer beträgt, wieder am Arbeitsplatz eintreffen.

In einigen Fabriken werden die Vor-Neujahrs-Kapazitäten erst einen Monat nach dem Fest wieder erreicht. Generell muss man von einem Zeitraum von mindestens drei bis vier Wochen ausgehen, in dem im globalen Wirtschaftsgefüge ein essenzieller Part, nämlich ein ganzer Kontinent, nahezu vollständig ausfällt. Unabhängig von den Produktionsunterbrechungen ist während der Feierlichkeiten zudem der internationale Fracht- und Schiffsverkehr in der gesamten südostasiatischen Region eingeschränkt. Die Folgen für die europäische Industrie und Handel und insbesondere die Dienstleister der Transportlogistik sind beträchtlich und werden auf längere Sicht eher zu- als abnehmen.

Strategische Planung – Ein Muss für Industrie, Handel und Logistik

Die ausgedehnten Festivitäten und Ferien in China führen zwangsläufig zu Verzögerungen bei allen möglichen Lieferungen von bis zu einem Monat in ganz Asien, was sich wiederum negativ auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirkt. Deshalb reagieren viele Marktteilnehmer mit einer Aufstockung ihrer Lagerbestände schon vor dem chinesischen Neujahrsfest – also in der Vorweihnachtszeit. Das führt zu einer zusätzlichen Frachtnachfrage genau dann, wenn ohnehin schon ein logistischer Ausnahmezustand herrscht. Auch ohne Coronapandemie sind die Containerkontingente knapp bemessen und die Frachtraten hoch.

Eine gute Vorbereitung auf die erwartbaren Verzögerungen durch das Neujahrsfest ist ein muss, um schon im Vorfeld dafür Sorge zu tragen, dass der geschäftliche Betrieb ohne Unterbrechungen im Januar und Februar fortgesetzt werden kann. Gut beraten ist man daher, wenn man präzise analysiert, was wann in welchem Umfang gebraucht oder transportiert werden muss. Eine frühzeitige Buchung von Kapazitäten beispielsweise zu Ende diesen Jahres kann die saisonal bedingt hohen Logistikkosten in der Vorweihnachtszeit wohlmöglich begrenzen.

See, Luft, Schiene, Straße – Viele Wege führen aus China heraus

Je nach Transportgut sind unterschiedliche Transportarten möglich. Neben der marktbeherrschenden Seefracht und der kapazitätsbegrenzten Luftfracht hat die Schiene zwischen China und Europa nach dem ersten Pandemiejahr als Alternative an Bedeutung gewonnen, zumal sie von der chinesischen Staatsregierung im Rahmen der Initiative „Neue Seidenstraße“ massiv gefördert und ausgebaut worden ist. Auch die Straßenfracht ist mit dem richtigen Logistikpartner eine vielversprechende Alternative, mit der sich ein Tür-zu-Tür-Service verwirklichen lässt.

Die eigenen Planungen müssen mit den Logistikpartnern und anderen Mitspielern auf der Lieferkette abgestimmt werden, um die eigenen Prognosen zu bestätigen und Blockaden in der Kette zu vermeiden. Eine dauerhaft gute Zusammenarbeit mit einem verlässlichen Logistikpartner ist sowohl für die logistische Planung als auch für die Berücksichtigung spezifischer Unternehmensbedarfe von unschätzbarem Vorteil.

Chinesisches Neujahr und globale Pandemie – Keine gute Kombination

Schon in 2020 haben sich die Effekte der Coronapandemie und des chinesischen Neujahrsfestes gegenseitig verstärkt. Der unerwartete Nachfrageanstieg seitens der Industrie und der Verbraucher im zweiten Coronajahr 2021 hat eine weltweite Logistikkrise mit Lieferengpässen und mangelnden Kapazitäten hervorgerufen, die sich zum Ende des Jahres sukzessive verschärft hat. Die Beeinträchtigungen durch das Chinese New Year dürften demnach im Januar und Februar 2022 so noch schwieriger auszugleichen sein als dies im Vorjahr der Fall war.

Für das gesamte Jahr 2022 gilt: China wird an seiner strikten Covid-Strategie festhalten, so dass es immer wieder zu Lockdowns und nicht vorhersehbaren Logistikproblemen kommen kann. Dass die Volksrepublik den Gefährdungen der Lieferkette nun mit einem staatlichen Logistik-Konzern begegnen will, kann man aus europäischer Sicht zunächst nur abwartend zur Kenntnis nehmen. Die „China Logistics Group“ ist Anfang Dezember 2021 aus einer Fusion von fünf Unternehmen entstanden und soll die globalen Lieferketten organisieren helfen.

Handel mit China: Zukunftssicher mit kompetenten Partnern

Manche Logistik-Prognosen gehen dahin, dass sich die weltweiten Lieferengpässe in 2022  auf weitere Wirtschaftssegmente ausweiten werden und sich die angespannte Liefersituation von 2021 fortsetzt. Saisonale Material- und Logistikengpässe könnten sogar zum Normalzustand avancieren. Jetzt kommt es auf eine resiliente Lieferkette zwischen Asien und Europa an. Mit unserer Erfahrung in der internationalen Transportlogistik und speziellen China-Expertise hilft DHL Freight Ihnen gerne dabei.

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