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Logistik Trends 2023 / 2024: Wohin steuert die KI?

DHL Freight Logistics trends 2023

Wie jedes Jahr werfen wir einen Ausblick auf die wichtigsten Logistiktrends, die im nächsten Jahr die Welt der Logistik voraussichtlich bewegen werden. Angesichts der rasanten Entwicklung und breiten Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) seit der Einführung von ChatGPT, sind KI und die damit verbundene Automatisierung natürlich die Trendwörter für 2024. Ebenso bleiben Vernetzung, Transparenz und Nachhaltigkeit wichtig, wie unser Ausblick auf 2024 verrät.

Rückblick 2023, Ausblick 2024 – die Trends setzten sich fort

Unsere Trends 2023 standen unter dem Schlüsselwort „Resilienz“. Nach den Lieferkettenproblemen, die Corona und der Ukrainekrieg ausgelöst hatten, erschien uns die Stabilisierung und Widerstandsfähigkeit der Lieferketten durch innovative Technologien vorrangig zu sein. Und wie sich 2023 herausgestellt hat, haben nicht nur wir bei DHL Freight das so gesehen, sondern weltweit wurde die Relevanz resilienter Lieferketten erkannt und an technischen Umsetzungen gearbeitet – mit Erfolg: trotz des anhaltenden Ukrainekriegs und neuer Konfliktherde konnten Lieferengpässe weitgehend vermieden werden – alle Anstrengung muss nun darauf gerichtet sein, dass das 2024 und darüber hinaus so bleibt.

Ferner haben wir auf digitale Trends wie Multichannel-Logistik, Vernetzung, Robotik, Big Data, Blockchain und natürlich KI gesetzt. Die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 hat den technologischen Diskurs im letzten Jahr dominiert und die Entwicklung von KI vorangetrieben. Diese Entwicklung setzt sich weiter fort und mit ihr gleichermaßen Fortschritte in verbundenen Technologien wie autonomes Fahren oder Computer Vision.

Und – last, but not least – werden wir bei DHL Freight immer auf Nachhaltigkeit setzen. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich technologische Fortschritte über gesteigerte Effizienz auch in ökologischer Nachhaltigkeit niederschlagen werden.

Die hohe Inflation, die die letzten anderthalb Jahre geprägt hat, scheint in den großen Volkswirtschaften überwunden zu sein und 2024 könnte von anziehender Nachfrage auf Konsumentenseite gekennzeichnet sein. Umso wichtiger ist es, darauf vorbereitet zu sein. Je weiter Digitalisierung und Automatisierung voranschreiten, desto besser. Innovation dient keinem Selbstzweck, sondern steht im Dienst von Effizienz, Nachhaltigkeit und Resilienz.

Zumal sich der Fachkräftemangel in der Logistik-Branche auch 2024 weiter fortsetzen wird. Das erschwert es zunehmend, die Kundennachfrage zu bedienen. Für Dienstleister im Logistikbereich bleibt eine vorausschauende Planung der Transportrouten, die optimale Ausnutzung der verfügbaren Frachtkapazitäten und die Eliminierung von Ineffizienzen essenziell. Das lässt sich nicht ohne umfassende Digitalisierung umsetzen. Und so kommt es 2024 genau wie 2023 darauf an, die Digitalisierung konsequent auszuweiten. Dabei spielt KI eine immer größere Rolle, um Fehler zu verstehen und zu lernen, wie sie in Zukunft vermieden werden können.

Die Implementierung von KI wird so vor allem in den Bereichen Planung, Prognose und Assetmanagement voranschreiten: Planung von Routen oder der Ladungsbildung, Vorhersagen zur Kundennachfrage sowie Management von Flotten, Anlagen oder Beständen usw.

Zugegeben: Im Gegensatz zur allgegenwärtigen Diskussion hinkt KI bei der Umsetzung noch deutlich hinterher. Auch 2024 ist keine Übernahme wesentlicher Bestandteile des operativen Geschäfts zu erwarten. Allerdings dürfte die rasante Entwicklung bei der Leistungsfähigkeit und der mittlerweile einfache Zugang zu KI-Lösungen den Einsatz von KI in der Logistik fördern und das nicht nur bei Global Playern, sondern auch in mittleren bis kleineren Unternehmen.

Neue Möglichkeiten für die Vernetzung

In einer konsequent digitalen Lieferkette sind alle menschlichen Prozessbeteiligten und außerdem alle Fahrzeuge, Lieferungen und Lagerhäuser vernetzt: über Cloud-Anwendungen oder Blockchain-Technologie und mittels Sensorik und Internet-der-Dinge-Lösungen. Der weltweite Ausbau der 5G-Netze könnte die Entwicklung insofern beschleunigen, als dadurch die erforderliche Infrastruktur bereitgestellt wird und auch sehr große Datenmengen schnell verarbeitet werden können, um Datenaustausch und -auswertung in Echtzeit zu ermöglichen.

Die Transparenz über die Lieferkette sollte sich 2024 weiter verbessern. Umfragen ergeben, dass zwar einige logistikspezifische Daten wie Transportdaten oder Wareneingangsberichte häufig ausreichend geteilt werden, aber im Bereich von Störungen der Lieferkette kann der Datenaustausch und die digitale Zusammenarbeit über die gesamte Supply Chain noch deutlich gesteigert werden. Hier gilt es, Potenziale zu erschließen, denn gerade im Bereich Krisenmanagement sind Big Data und Datentransparenz in Kombination mit lernfähigen KI-Systemen besonders effizient.

Automatisierung ist weiter das Gebot der Stunde

Der Fachkräftemangel erfordert den konsequenten Ausbau des Automatisierungsgrads, um trotz der Personallücken effizient arbeiten zu können. Autonome Fahrzeuge und Roboter sollten so bald wie möglich auch außerhalb von Betriebsgeländen zum Einsatz kommen. In Logistikzentren gehören Kommissionier-Roboter, Regal-Roboter oder autonome Drohnen längst zum Arbeitsalltag – und was den Einsatz von autonom mobilen Lieferfahrzeugen auf der Straße betrifft, könnte sich 2024 zumindest im Testbetrieb manches bewegen. So plant zum Beispiel der deutsche Forschungsverbund ATLAS-L4, 2024 Testfahrten mit autonom fahrenden Lkw auf deutschen Autobahnen durchzuführen. 

Vielleicht werden autonom fahrende Lieferfahrzeuge auf öffentlichen Straßen schneller Realität, als jetzt noch vermutet wird.

Green Logistics bleibt ein Megatrend

Die Logistik war und ist das Rückgrat der lokalen und globalen Wirtschaft – aber solange sie für rund 20 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, bleibt nachhaltige Logistik eine ökologische Notwendigkeit, um diesen Wert zu reduzieren. Nachhaltigkeit in der Logistik ist aber auch 2024 ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor: Viele Kunden und Geschäftspartner machen mittlerweile geschäftliche Entscheidungen vom nachhaltigen Wirtschaften anderer abhängig.

Im Rahmen der Selbstverpflichtung, bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen auf netto null zu reduzieren, bietet DHL Freight den GoGreen Plus Service an. Gemäß dem Prinzip des Carbon Insetting investiert DHL Freight in grüne Technologien und Kraftstoffe und vermeidet Emissionen direkt im eigenen Netzwerk. 

Dass wir damit auf das richtige Pferd setzen, haben 2023 internationale Recherchen zum Offsetting unterstrichen. Offsetting ist das Gegenteil vom Insetting. Dabei wird durch den Kauf von Klimazertifikaten irgendwo anders auf der Welt in emissionsausgleichende Projekte investiert. Durch die Recherchen sind viele Klimazertifikate als ökologisch wirkungslos in die Kritik geraten. Deshalb sollte für die gesamte Logistikbranche gelten: Insetting ist besser als Offsetting. Ansonsten bleibt weniger Energieverbrauch und weniger Verpackung der Weg zu einem ökologischen Mehr. Auch verbesserte Antriebstechnologien, energieeffiziente Heizanlagen und Beleuchtungssysteme, Sonnenkollektoren auf Gebäudedächern oder Verpackungen aus recycelten Materialien oder nachwachsenden Rohstoffen trenden weiter.

„Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig robuste Lieferketten und eine funktionierende Logistik sind. Wir glauben, dass Inspiration und Innovation, ein offener Austausch und eine intensive Zusammenarbeit für den Erfolg in der Zukunft unabdingbar sind."

Katja Busch DHL

Katja Busch Chief Commercial Officer DHL und Head of DHL Customer Solutions and Innovation

Die technologische Entwicklung bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte maßgeblich von der Leistungsfähigkeit neuer KI-Anwendungen abhängen. Hier spielt auch hinein, welchen Freiraum und welchen Anwendungsrahmen wir Menschen der KI einräumen wollen. Die Europäische Union hat auf diesem Feld mit dem KI-Gesetz, der weltweit ersten Regulierung der künstlichen Intelligenz, bereits Maßnahmen ergriffen. Andererseits setzt China schon jetzt KI bei der Gesichtserkennung ein – die Zukunft der KI bleibt also spannend und nicht ohne Risiko.

Unabhängig von KI gibt es zwei Visionen für die mittelfristige Zukunft:

  • Die Vernetzung sollte sich in ein Supergrid entwickeln, das global möglichst viele Supply-Chain-Netzwerke integriert und die Transparenz weiter erhöht.
  • 3D-Druck-Technologie könnte die Produktionsmethode der Zukunft sein. Mit der Weiterentwicklung der Technologie hat sich ihre Akzeptanz und Reife in der Automobil-, Medizin- und Luft- und Raumfahrtindustrie auf größere Losgrößen sowie eine größere Vielfalt von Objekten und Materialien ausgeweitet. Das Drucken nachgefragter Produkte oder Einzelteile vor Ort könnte Ferntransporte teilweise ersetzen. Das Produkt wird nicht mehr von der Fabrik in A nach B transportiert, sondern bedarfsgerecht direkt in B gedruckt.
Logistics Trend Radar 6.0

Weitere kurz-, mittel- und langfristige Trends finden Sie in unserem Logistics Trend Radar 6.0.

Fazit: KI und Nachhaltigkeit zusammendenken

Die KI macht in Zukunft den Unterschied und die generelle Entwicklung bei der Digitalisierung und Automatisierung wird abhängig von der KI-Entwicklung erfolgen. KI erfolgreich in so viele logistische Prozesse wie möglich einzubinden, ist die Aufgabe des nächsten Jahres und Jahrzehnts. 

KI kann aber auch die Nachhaltigkeit der Logistik entscheidend pushen, indem sie Prozesse optimiert: Optimierte Abläufe sind energieeffizient mit möglichst geringem Ressourcenverbrauch. Und diese Effizienz ist notwendig, um erfolgreiches logistisches Wirtschaften mit der Bewahrung der natürlichen Ressourcen auf einem intakten Planeten in Einklang zu bringen. 2024 wird erste Hinweise dafür liefern, wohin die Reise geht.

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