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Lkw-Diebstahl: Tipps für Unternehmen und das Personal am Lenkrad

Auf Europas Straßen werden jeden Tag Waren im Wert von mehreren Milliarden Euro transportiert und Diebstahl ist an der Tagesordnung. Der Schaden für die Unternehmen und die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch Verzögerungen und Produktionsausfälle entstehen, sind beträchtlich. Umso wichtiger sind intelligente Sicherheitslösungen und proaktives Handeln.

Häufige Methoden beim Ladungs- und Lkw-Diebstahl

Immer mehr Diebesbanden sind auf Frachtdiebstahl spezialisiert. Besonders oft werden Ladungsdiebstähle bei abgestellten Lkw auf Parkplätzen, Raststätten und Autohöfen an Autobahnen oder in Industriegebieten verübt. Die häufigste Vorgehensweise beim Diebstahl ist das sogenannte Planenschlitzen, bei dem die Ladung durch Schnitte in die Planen der Ladungsträger zunächst ausgekundschaftet und dann gestohlen wird. Typischerweise häufen sich Diebstähle in den Nachtstunden sowie in der dunklen Jahreszeit im Herbst, Winter und Frühjahr.

Die bevorzugten Diebesgüter sind Waren aus dem Elektronikbereich, aber auch Metallteile, Lebensmittel und Fahrzeugteile erfreuen sich unter Kriminellen an Beliebtheit. In zunehmendem Maße sind auch Pharmaerzeugnisse sehr gefragt. Manchmal wird gleich der gesamte Lkw gestohlen oder auch der Dieseltank leergepumpt.

Neben dem Aufschlitzen der Plane kommen auch Betrugsmaschen vor: Die Kriminellen geben sich zum Beispiel als Mitarbeitende des Empfängerunternehmens aus. Sie fangen den Lastwagen kurz vor dem Ziel ab und geben ein anderes Lieferziel an oder laden die Ladung gleich vor Ort auf einen anderen Lkw um. Im schlimmsten Fall halten die Täter den Lkw unter einem Vorwand auf der Fahrt an und drohen dem Fahrpersonal mit Gewalt.

Diebstahl von Lkw und Ladung: Was verrät die Statistik?

Mangels amtlicher Statistiken zum Thema Ladungsdiebstahl lässt sich das Ausmaß der Vorfälle und des verursachten Schadens in Europa vor allem über die Angaben von Transportversicherern abschätzen.

Deutscher Straßentransportmarkt beispielhaft für Europa

Deutschland kann als repräsentativ für den Ladungsdiebstahl gelten. Nicht nur, weil es das wichtigste europäische Transitland für den Straßengüterverkehr ist, sondern auch, weil die Zahl der gemeldeten Diebstähle in Deutschland höher ist als in anderen europäischen Ländern. Diese weisen trotz geringerer Meldezahlen vermutlich sehr ähnliche Ereignis- und Schadensraten wie Deutschland auf.

Alle 20 Minuten kommt es zum Diebstahl

In Deutschland entwenden Diebesbanden jährlich die Ladung von rund 26.000 Lkw. Das bedeutet statistisch: Alle 20 Minuten wird Lkw-Ladung gestohlen. In den letzten Jahren ist jeder sechste Lkw-Fahrer und jede sechste Fahrerin in Deutschland Opfer eines Diebstahls geworden.

Der direkte Schaden durch Ladungsdiebstahl wird auf jährlich 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Durchschnittlich gehen also rund 50.000 Euro pro Diebstahl verloren. Hinzu kommen weitere 900 Millionen Euro durch Vertragsstrafen für verspätete Lieferungen, anfallende Reparaturkosten sowie Umsatz- und Produktionsausfälle in Handel und Industrie. Der Anteil Deutschlands am BIP der Euro-Zone beträgt gut 25 Prozent. Grob geschätzt dürfte also, ausgehend von einem Gesamtschaden von 2,2 Milliarden Euro in Deutschland, das Schadensvolumen in der EU bei über 8 Milliarden liegen.

So lässt sich das Risiko für Lkw-Ladungsdiebstahl verringern

Das Risiko, Opfer eines Lkw- oder Ladungsdiebstahls zu werden, lässt sich durch gefahrenbewusstes Verhalten und den Einsatz spezieller Sicherungstechnik reduzieren.

Tipps für Fahrerinnen und Fahrer

Das Personal im Führerstand kann einen wertvollen Beitrag zur Ladungssicherheit leisten:

  • Das Fahrzeug so wenig wie möglich unbeaufsichtigt lassen.
  • Für Pausen gut beleuchtete und möglichst bewachte Parkplätze aufsuchen.
  • Nach jedem Stopp Fahrzeug und Ladung kontrollieren.
  • Bei Abweichungen von der Fahrtroute oder der Lieferadresse sofort das Transportunternehmen informieren.
  • Keine Gespräche mit Unbekannten über Fahrtroute, Ziel und Ladung führen, um keine Informationen preiszugeben.
  • Auf keinen Fall Anhalterinnen und Anhalter mitnehmen.

Tipps für Transportunternehmen

Angemessenes und sicherheitsbewusstes Verhalten der Fahrerinnen und Fahrer ist das eine – als Unternehmen alles dafür zu tun, dass die eigenen Mitarbeitenden am Steuer und die Fracht gar nicht erst in Gefahr geraten, ist das andere.

Wichtige Maßnahmen hierfür sind:

  • Je nach Ladung und Fahrstrecke nur geeignete Fahrzeuge und angemessene Sicherungssysteme einsetzen. (Mehr zu Sicherungssystemen weiter unten).
  • Vertrauliche Informationen im Unternehmen schützen.
  • Fahrpersonal in Sicherheitsstandards und Sicherheitstechnik schulen.
  • Konsequente Einhaltung der Sicherheitsstandards auch bei Subunternehmen.

Aber: Auch das bestmögliche proaktive Sicherheitsmanagement kann Verluste durch Ladungsdiebstahl nicht ausschließen. Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, empfiehlt sich für Dienstleister im Straßengüterverkehr der Abschluss einer Transportversicherung, die auch Schäden durch Diebstahl abdeckt.

Nützliche Sicherheitstools für den Straßentransport

Wir bei DHL Freight setzen auf verschiedene Sicherheitslösungen zum Schutz vor Diebstahl:

  • permanente GPS-Überwachung
  • Geofencing-Lösung, um Abweichungen von der vorgegebenen Route sofort zu erkennen
  • spezielle Sicherheitsschlösser (Padlocks) für erschwerten Zugriff auf die Ladung
  • datenbasierte Risikoeinschätzung für die Routenplanung
  • Softwarelösungen, die zum Beispiel sichere Lkw-Parkplätze identifizieren und Diebstahl-Hotspots erkennen und Alternativrouten aufzeigen

Abhängig von der Risikoeinschätzung und dem Kundenwunsch kommen weitere Sicherheitsmaßnahmen in Betracht wie zum Beispiel:

  • feste Ladeboxen oder verstärkte Planen
  • Alarmsystem mit Funkübertragung für Ladung und Personal
  • zwei Fahrer:innen

Je hochwertiger die Ware, desto größer die Sorgfalt

DHL Freight hat für seine Unternehmenskunden aus dem Technologiesektor, die in der Regel wertvolle und bei Kriminellen besonders begehrte Güter aufgeben, spezielle Sicherheitsstandards entwickelt. Zum Beispiel sind beim Transport Stopps nur auf gesicherten Rastplätzen erlaubt und die Fahrerkabine ist immer doppelt besetzt. Außerdem kommen für eine Zusammenarbeit bei Transporten für diese Branche nur Subunternehmen infrage, die TAPA-TSR-zertifiziert sind.

TAPA-Zertifizierung: externe Bestätigung einer wirksamen Diebstahlsvorsorge

Eine TAPA-Zertifizierung ist der Nachweis für einen hohen Sicherheitsstandard im Unternehmen. Die Transported Asset Protection Association (TAPA) ist ein weltweiter Zusammenschluss von über 600 Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Logistik, Strafverfolgung und verwandten Branchen. Gemeinsames Ziel ist die Schaffung von Standards, um die Sicherheit der Lieferkette zu erhöhen und die Anfälligkeit für Diebstahl zu verringern.

Es gibt verschiedene Sicherheitszertifikate. Für Logistikunternehmen ist beispielsweise die TAPA TSR (Trucking Security Requirements) oder für Raststättenbetreiber die TAPA PSR (Parking Security Requirements) maßgeblich. Wer es als Transportunternehmen mit der Sicherheit ernst nimmt, sollte sich von TAPA zertifizieren lassen.

Fazit: Better safe than sorry

Straßenraub ist so alt wie das Transportwesen selbst und wird den Straßengüterverkehr auch in Zukunft begleiten. Der Schaden für Volkswirtschaft, Versender und Transportlogistiker ist beträchtlich, kann aber durch fortschrittliche Technologien und Lösungen wirksam begrenzt werden. Wir bei DHL Freight setzen alles daran, dass Ihre Güter schnell und nachhaltig – und natürlich auch sicher – ihr Ziel erreichen. Dafür entwickeln wir Sicherheitskonzepte, die exakt auf den Transport und das Transportgut zugeschnitten sind. Sprechen Sie mit uns, wenn Sie besondere Anforderungen an die Sicherheit haben.

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