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Weltraumlogistik – Zukunftsmarkt oder Nischenprodukt?

Die Zahl der Satelliten, Sonden und Raumstationen in der Erdumlaufbahn wächst kontinuierlich – und damit der Bedarf an logistischen Dienstleistungen, die auf der Erdoberfläche und im Orbit Transport und Versorgung der Anlagen sicherstellen. Ist die Weltraumlogistik der logistische Markt der Zukunft oder wird seine marktwirtschaftliche Bedeutung trotz Wachstum überschaubar bleiben? Wir wagen eine Prognose.

Weltraumlogistik: keine Zukunftsmusik …

Sputnik 1, der erste Satellit im Erdorbit, zog 1957 einsam seine Kreise um unseren Planeten und die erste bemannte Raumstation im All folgte keine 15 Jahre später. Dazwischen war auch noch der Flug zum Mond zu bewundern. Von Anfang an musste hierfür Material bewegt werden, auf dem Land und in den Orbit. Allerdings ging es in Zeiten des kalten Krieges zunächst um wenige Projekte unter höchster Geheimhaltung. Im nächsten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wuchs die Zahl an Kommunikationssatelliten, Wettersatelliten oder Erdbeobachtungssatelliten stetig an, die sämtlich von nordamerikanischen oder europäischen Ländern in den Weltraum gebracht worden waren.

Seit sich ab den 1970er Jahren die Liste der Raumfahrtnationen über alle Kontinente und auch um Schwellenländer kontinuierlich erweitert, wächst die Zahl von aktiven Satelliten in der Erdumlaufbahn: vom dreistelligen Bereich in den 1960ern auf über 5000 im Jahr 2022

Gleichzeitig ist aus einem Top-Secret-Sektor ein technisches Alltagsgeschäft geworden, an dem im Gegensatz zu den Anfangstagen der Raumfahrt zahlreiche Privatunternehmen und logistische Dienstleister beteiligt sind. Sogar die logistische Versorgung der internationalen Raumstation ISS mit Material und Menschen ins All liegt mittlerweile in der Verantwortung des privatwirtschaftlichen Anbieters SpaceX.

… aber heute noch ein Nischenmarkt

Gleichwohl handelt es sich bei der gesamten Raumfahrtökonomie nach wie vor um eine Branchennische für die Logistik. Und abgesehen von beispielsweise Passagierflügen zu bemannten Raumstationen, für die ein Höchstmaß an Raumfahrtkompetenz unabdingbare Voraussetzung ist, erfordert die Anpassung an die logistischen Bedürfnisse der Raumfahrt auf der Erdoberfläche nur geringe Anpassungen. Hochsensible technische Ausrüstungen oder Materialien sind schließlich seit jeher logistisches Tagesgeschäft.

Die marktwirtschaftliche Relevanz kann sich in Zukunft aber ändern, wenn sich die Raumfahrtwirtschaft zu einem größeren Markt entwickelt. Dafür sprechen die beständig wachsende Zahl der Raumfahrtnationen sowie die Definition neuer Ziele und Projekte der etablierten Raumfahrtbetreiber.

Es wird erwartet, dass in naher Zukunft zehntausende Satelliten, insbesondere mit niedriger und mittlerer Erdumlaufbahn, in den Orbit gebracht werden. Diese Satelliten werden Logistikdienste benötigen, um ihre Zielkoordinaten im Weltraum zu erreichen. Mit dem Wachstum des Marktes dürfte die Nachfrage nach logistischen End-to-End-Lösungen vom Produktionsort bis zur Umlaufbahn zunehmen.

Was gehört alles zur Weltraumlogistik?

Weltraumlogistik soll die Verfrachtung von Raumfahrtsystemen in den Weltraum ermöglichen, sie funktionsfähig halten und ihren Betrieb unterstützen. Dazu verwaltet die Weltraumlogistik den Fluss von Material und aller relevanten Bedarfe während des gesamten Lebenszyklus eines Raumfahrtsystems.

Das schließt zum Beispiel ein:

  • Transport von Menschen und Fracht von der Erde in den Weltraum
  • Treibstofflogistik, zum Beispiel Nachschub für Antriebseinheiten von Raumstationen
  • Abtransport von Müll und Weltraumschrott
  • Anpassung von Umlaufbahnen
  • Wartung und Reparatur
  • terrestrische Logistik wie Lagerung, Transport, Distribution, Wartung von Materialien oder Entsorgung von Weltraummaterial

Wie auf der Erde geht es auch bei der Weltraumlogistik um die Etablierung zuverlässiger, in diesem Fall astro-logistischer Lieferketten von der Erde zu den extraterrestrischen Zielen. Was die In-Orbit-Dienstleistungen wie die Wartung betrifft, so gibt es hier aber noch mehr Fragen als Antworten hinsichtlich technischer Machbarkeiten, der wirtschaftlichen Rentabilität oder der regulatorischen Rahmenbedingungen.

Anforderungen der Weltraumlogistik im Orbit

Die menschliche Aktivität im Weltraum weitet sich beständig aus. Vorräte, Treibstoff, Ausrüstung und Materialien in den Weltraum zu transportieren, ist damit eine logistische Gegenwartsaufgabe. Die Grundzüge der Logistik sind auf der Erde und im All zwar prinzipiell die gleichen: Logistikdienstleister müssen beim Land wie auch beim Weltraumtransport zum Beispiel Ladekapazitäten und Gewichtsbeschränkungen einplanen.

Aber die extremen Umgebungsbedingungen beim Transport jenseits der Erdatmosphäre und gegebenenfalls zurück machen die sichere Beförderung, Lagerung und Lieferung von Materialien und Produkten zur logistischen Herausforderung. Abmessungen, Gewicht, Feuchtigkeitsgehalt und die Widerstandsfähigkeit gegen Druck, extreme Temperaturen und fehlende Schwerkraft müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Die derzeitige Version des Dragon-Raumschiffs von SpaceX kann bis zu sechs Tonnen Nutzlast ins All und drei Tonnen wieder zurückbringen. Die Entwicklung eines derartig leistungsfähigen und praxistauglichen Raumschiffs verbraucht zwangsläufig große Mengen an Ressourcen – von Arbeitskräften über Kapital bis zur Zeit. Das weltraumlogistische Tagesgeschäft der nahen Zukunft liegt deshalb eher im Bereich der Satelliten-Logistik.

Anforderungen der Weltraumlogistik am Boden

Nicht nur bei der bemannten Raumfahrt, sondern auch in der Satelliten-Logistik gibt es am Boden viel zu tun. Wenn in den kommenden Jahren Zehntausende Satelliten gestartet werden und sich viele Betreiber darum bemühen, Projekte durch Kostensenkung rentabel zu gestalten, haben Logistikanbieter gute Handlungsoptionen. Sie können für ihre Kunden Raketenfrachtraum reservieren, Satelliten an Produktionsstandorten abholen und diese sorgsam an die Startplätze zu liefern.

Langfristig dürften Lösungen aus einer Hand die Weltraumlogistik prägen – einschließlich Landtransport, orbitaler Transport, Positionierung des Satelliten im Orbit, In-Orbit-Services und Entsorgung. Derzeit und kurz- bis mittelfristig liegt der Schlüssel zum Erfolg bei Kooperationen von Spezialisten in der Land- und Weltraumlogistik.

DHL ist schon Teil der Weltraumlogistik

Ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit haben DHL Global Forwarding und die New Space Company D-Orbit schon 2020 gegeben. Das italienische Unternehmen D-Orbit liefert Satelliten an ihren Bestimmungsort in der Erdumlaufbahn und plant, genau die End-to-End-Lösungen anzubieten, die für die Weltraumlogistik der Zukunft prägend sein dürften. Dafür braucht es kompetente Partner, die sich schon auf der Erde bestens mit dem Transport von hochsensibler State-of-the-Art-Technik auskennen.

DHL Global Forwarding, der Luft- und Seefrachtspezialist der Deutsche Post DHL Group, ist ein solcher Partner. Für D-Orbit hat DHL Global Forwarding einen ION Satellite Carrier von Mailand nach Cape Canaveral geliefert. Dabei handelt es sich um eine Trägerplattform für Kleinsatelliten, um diese in den Orbit zu bringen und dort präzise auf der vorgesehenen Umlaufbahn zu platzieren. Zusammen mit dem Innovationsteam von DHL Customer Solutions & Innovation (CSI) wurde ein maßgeschneidertes Logistikkonzept entwickelt, um dem Carrier seine Reise in den Weltraum zu ermöglichen.

Nach einem elfstündigen Flug von Mailand nach Florida mit Zwischenstopp in Luxemburg und der letzten Meile per LKW kam der ION Satellite Carrier in Cape Canaveral an – zusammen mit umfangreicher Testausrüstung, mit der Satelliten auf Sicherheit und Unversehrtheit geprüft werden. Die Kooperation war ein voller Erfolg und zudem wegweisend für die Zukunft. Über solche Projekte entwickeln DHL und CSI branchenspezifische Lösungen und setzen die Innovationen direkt in die Praxis um. Deutsche Post DHL Group ist bereit für den Schritt in den Weltraum.

Fazit: Wie verändert der Weltraum die Logistik?

Wiederverwendbare Komponenten, neue Raketendesigns und alternative Starttechnologien können die Startkosten in Zukunft beträchtlich senken und Möglichkeiten für Weltraumaktivitäten in breiterem Maße eröffnen. Mit der Zahl von Objekten im Orbit wächst der Markt für die Raumfahrtwirtschaft. Wenn immer mehr Satelliten ins All gebracht, mehr Satellitenkonstellationen installiert oder auch Pläne für Weltraumhotels und Marsmissionen angekündigt werden, könnte sich in der Logistikbranche eine heute noch überschaubare Nische zu einem profitablen Sektor entwickeln.

Eines aber verändert sich nicht beim Schwenk von der Erde zum Weltall: Trotz anderer Entfernungen und Gravitationskräfte muss die Logistikindustrie stets ihre Aufgabe gleich gut erfüllen. Und diese Aufgabe heißt, Waren sicher, pünktlich und mit größtmöglicher Effizienz von A nach B zu bringen.

Für Dienstleister, die in der Weltraumlogistik jetzt schon aktiv sind oder vorhaben, es zu sein, zeichnen sich gewaltige Möglichkeiten ab – aber auch eine große Verantwortung. Auch hier sollten Lösungen nicht nur bahnbrechend, sondern auch nachhaltig sein; etwa, wenn es darum geht, wachsende Müllansammlungen in der Erdumlaufbahn zu vermeiden. Die Weltraumlogistik der Zukunft kann keine Oneway-Logistik sein.

Häufige Fragen

  • Was bedeutet Weltraumlogistik?
    Die Weltraumlogistik sorgt dafür, dass Raumfahrtsysteme während ihres gesamten Lebenszyklus mit Ressourcen versorgt werden. Das fängt beim Transport eines Systems in den Orbit an und hört bei der Entsorgung auf.
  • Welchen Stellenwert hat die Weltraumlogistik für den Logistikmarkt?
    Die Weltraumlogistik stellt in Relation zum Gesamtaufkommen an logistischen Dienstleistungen noch ein Nischenprodukt dar. Weil aber immer mehr Nationen und Privatunternehmen Objekte ins All bringen möchten, werden die Marktanteile und der Stellenwert von Weltraumlogistik schon in naher Zukunft steigen.
  • Wie wird sich die Weltraumlogistik entwickeln?
    Immer mehr Satelliten, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in den Orbit gebracht werden, bedeuten auch einen größeren Bedarf an Weltraumlogistik. Der Trend der Zukunft könnten End-to-End-Lösungen aus einer Hand sein, bei denen Dienstleister sich auch um Fragen der Entsorgung und Wiederverwertung kümmern.
  • Wie ist DHL an der Weltraumlogistik beteiligt?
    Zum Beispiel kooperiert DHL Global Forwarding mit der italienischen New Space Company D-Orbit, um Trägerplattformen für Satelliten in den Orbit zu bringen. DHL ist bei diesem Projekt für die terrestrische Logistik verantwortlich und entwickelt zusammen mit dem Innovationsteam von DHL Customer Solutions & Innovation maßgeschneiderte Lösungen für die Weltraumlogistik.

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