Die Redensart „Wenn China hustet, erkältet sich die ganze Welt“ bringt die Abhängigkeit der globalen Wirtschaft von China auf den Punkt. Mit Blick auf das zweiwöchige chinesische Neujahrsfest ließe sich auch sagen: „Wenn China feiert, haben die Unvorbereiteten wenig Grund zur Freude.“ Nur wer gut vorbereitet ist, bewahrt die Handlungsfähigkeit.
Warum ist China für Europas Wirtschaft so wichtig?
Die Transformation Chinas vom Exporteur einfacher Waren und Rohstoffe zum Exporteur hochwertiger Technik ist längst vollzogen. Elektroautos sind hierfür ein anschauliches Beispiel. Und wenn China Rohstoffe exportiert, sind sie oft weltweit besonders nachgefragt – wie etwa die seltenen Erden. Mit der seit Jahrzehnten wachsenden Wirtschaftsmacht Chinas wachsen auch die Auswirkungen der chinesischen Jahreswechselfeier auf die Weltwirtschaft.
Wieso hat der Handelskonflikt mit den USA China kaum geschadet?
Trotz des Zollstreits mit den USA und trotz globaler Handelskonflikte legten Chinas Exporte auch 2025 deutlich zu, während die Importe – nicht zuletzt aufgrund einer schwachen Binnennachfrage – stagnierten. Chinas Exporte in die USA brachen zwar um 20 Prozent ein, doch viele chinesische Unternehmen suchten und fanden neue Absatzmärkte außerhalb der USA.
Chinas Überschuss im Außenhandel erreicht Rekordhöhe
Besonders stark wuchs der Handel mit den südostasiatischen Nachbarstaaten und mit Afrika. Auch die Exporte Chinas in die Europäische Union verzeichnen trotz der Handelsspannungen weiterhin ein Wachstum. Was die Bundesrepublik betrifft, so ist China seit Oktober wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner und hat damit die USA abgelöst.
Somit erzielte Chinas Außenhandel im Jahr 2025 einen bislang unerreichten Überschuss. Auch die Importe sind angesichts der schieren Größe Chinas immer noch beträchtlich.
Wenn Chinas Motor stottert, betrifft es die ganze Welt
Kurz gesagt: Es fließen immense Warenströme von und nach China. Wenn hier etwas ins Stocken gerät, spürt die ganze Welt dies in Form von Lieferengpässen und im schlimmsten Fall sogar Ausfällen. Das war während der Corona-Epidemie deutlich zu spüren und jüngst im Streit um den Chiphersteller Nexperia. In diesem Konflikt stoppte China die Ausfuhr von Nexperia-Produkten, darunter Chips und Halbleiter, und die europäische Autoindustrie sowie andere Branchen warteten auf essenzielle Zulieferprodukte.
Was ist das Besondere an Chinas Neujahrsfest?

In China (und vielen weiteren Teilen von Südostasien) fällt Neujahr nicht auf den 1. Januar, sondern nach dem traditionellen Mondkalender auf einen Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. Bei den chinesischen Mondjahren wechseln sich bestimmte Tiere in vorgegeben Zyklen als Jahrespatrone ab und werden dabei zusätzlich den einzelnen Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Jede Kombination aus Tierkreiszeichen und Element kommt dabei alle 60 Jahre vor.
Am 16. Februar 2026 endet das Jahr der Holz-Schlange und tags darauf beginnt das Jahr des Feuer-Pferdes. Nach der chinesischen Astrologie gelten Feuerpferd-Jahre als besonders ereignisreich und das im guten wie im schlechten Sinn.
Das ist natürlich eine Glaubensfrage – viel entscheidender für Im- und Exporteure, Händler oder Logistiker sind aber die massiven Begleitumstände des Festes, das in seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft nicht im Ansatz mit unseren Silvesterfeiern oder mit Weihnachten zu vergleichen ist.
Wieso steht zu Neujahr in China die Wirtschaft still?
Die Feierlichkeiten beginnen traditionell am Vorabend vor dem entsprechenden Neumond und dauern bis zu 15 Tage an. In der ersten Woche nach Neumond herrschen Staatsferien, während derer in China das öffentliche Leben und nahezu alle Geschäfte ruhen. Nicht nur Büros oder Fabriken sind geschlossen, sondern auch teilweise (Flug-)Häfen und andere Warenumschlagplätze.

Größte Völkerwanderung aller Zeiten
Da das Chinese New Year traditionell im Kreis der engeren und erweiterten Familie begangen wird, setzt im Riesenreich jedes Jahr zum Neujahrsfest eine wahrhafte Völkerwanderung ein. Um diese Massenbewegung wenigstens etwas zu entzerren, haben viele Chinesen in der Woche vor oder nach dem Neujahrsfest frei.
Die gesamte Reiseperiode rund um das chinesische Neujahrsfest dauert somit etwa 40 Tage. Sie hat sogar einen eigenen Namen: „Chunyun“. Chunyun gilt als die größte jährlich wiederkehrende Bevölkerungsbewegung der Welt. Von Anfang Februar bis Mitte März werden hunderte Millionen Chines:innen kreuz und quer durchs Land reisen. 2025 wurden etwas mehr als neun Milliarden Reisen registriert und 2026 ist noch mit einem Zuwachs zu rechnen.
Produktionsstopp in China trifft die ganze Welt
Rund vier Wochen vor dem Neujahrsfest fahren chinesische Hersteller ihre Produktion herunter, zwei Wochen davor schließen die meisten Betriebe und das für bis zu vier Wochen. In einigen Produktionsstätten werden die Vor-Neujahrs-Kapazitäten erst einen Monat nach dem Fest wieder erreicht.
Fakt ist: In einem Zeitraum von mindestens drei bis vier Wochen fällt im globalen Wirtschaftsgefüge ein essenzieller Part nahezu vollständig aus. Neben den Produktionsunterbrechungen ist während der Feierlichkeiten zudem der internationale Fracht- und Schiffsverkehr in der gesamten südostasiatischen Region eingeschränkt. Die Folgen für die europäische Industrie und Handel und insbesondere die Dienstleister der Transportlogistik sind beträchtlich.

Wie hilft strategische Planung der Industrie, dem Handel und der Logistik?
Die ausgedehnten Festivitäten in China führen unweigerlich zu Verzögerungen von bis zu einem Monat beim Handel mit China. Das wirkt sich negativ auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele Marktteilnehmer stocken deshalb schon vor dem chinesischen Neujahrsfest ihre Lagerbestände auf.
Das ist nicht immer möglich. Eine planvolle Vorbereitung auf die zu erwartenden Verzögerungen durch das Neujahrsfest kann dazu beitragen, dass der geschäftliche Betrieb ohne Unterbrechungen fortgesetzt werden kann. So sollte man beispielsweise Transporte bei Logistikdienstleistern deutlich vor Beginn der Feierlichkeiten buchen, um sich die benötigte Kapazität zu sichern. Je näher das Neujahrsfest rückt, desto höher werden die Preise und desto geringer wird die Verfügbarkeit aller Transporte.
Es sollte daher präzise analysiert werden, was wann in welchem Umfang benötigt wird bzw. transportiert werden muss. Insgesamt sind die Ausweichmöglichkeiten beim Frachtraum allerdings begrenzt. Ein zusätzliches Problem kann ein Containermangel rund um das chinesische Neujahrsfest sein. Hier wirkt sich aus, dass aufgrund hoher Exportmengen mehr Container China verlassen als über Importe zurückgelangen. Die Feiertagsschließungen rund um das chinesische Neujahrsfest erschweren die Rückführung von Leercontainern und verstärken diesen Effekt.
See, Luft, Schiene, Straße – viele Wege führen aus China heraus
Alternative Beschaffungsstrategien, die Diversifizierung von Lieferrouten sowie intermodale Transportkonzepte gewinnen an Bedeutung. Je nach Transportgut sollten unterschiedliche Transportarten oder Kombinationen erwogen werden. Neben der marktbeherrschenden Seefracht und der kapazitätsbegrenzten Luftfracht hat die Schiene auf der Strecke zwischen China und Europa seit der Pandemie als Alternative an Bedeutung gewonnen.
Der Landweg über den Kaukasus gewinnt an Bedeutung
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ausbau der transkaspischen Route, also der Landweg über den Kaukasus, bei dem Russland ausgespart wird. Neben dem Schienenverkehr werden hier auch Kapazitäten für den Straßenverkehr ausgebaut, um die Kapazität durch den sogenannten Mittleren Korridor zu erhöhen. Damit wird auch die Straßenfracht eine vielversprechende Alternative, mit der sich zudem ein Tür-zu-Tür-Service verwirklichen lässt.
Kommunikation, Kooperation und Vernetzung sichern die Lieferketten
Für reibungslose Abläufe sind Kommunikation, Transparenz und Schnittstellen entscheidend. Die eigenen Planungen müssen mit den Logistikpartnern und den anderen Akteuren in der Lieferkette abgestimmt werden, um die eigenen Prognosen zu bestätigen und Blockaden in der Kette zu vermeiden. Eine dauerhaft gute Zusammenarbeit mit einem verlässlichen Logistikpartner ist sowohl für die logistische Planung als auch für die Berücksichtigung spezifischer Unternehmensbedürfnisse von großem Vorteil.
Import aus und Export nach China: Zukunftssicher mit kompetenten Partnern
Für viele Logistiker ist das chinesische Neujahr inzwischen operativer Alltag. Im Jahr 2025 haben andere Ausnahmeereignisse den internationalen Warenverkehr wohl stärker beeinflusst: Die Zollmaßnahmen der USA führten dazu, dass Groß- und Einzelhändler ihre Lager früher als sonst auffüllten. Gleichzeitig beeinträchtigt die Präsenz der Huthi-Rebellen weiterhin die Schiffsroute durch den Suezkanal und das Rote Meer. Auch der Ukrainekrieg wütet nach wie vor – die Liste potenzieller Störfaktoren ist auch 2026 lang.
Saisonale Material- und Logistikengpässe könnten sogar zum Normalzustand avancieren. Jetzt kommt es auf resiliente Lieferketten an. Weltweit und zwischen China und Europa. Mit unserer Erfahrung in der internationalen Transportlogistik und speziellen China-Expertise hilft DHL Freight Ihnen gerne dabei.