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Dieselpreise: Der Wind dreht

Kommentar von Barbara Lambrecht, Rohstoffanalystin der Commerzbank

Barbara Lambrecht [Foto: Commerzbank]
Barbara Lambrecht [Foto: Commerzbank]

Diesel kostet im Großhandel mit knapp 700 US-Dollar beziehungsweise fast 600 Euro je Tonne wieder so viel im Herbst 2014. Maßgeblich hierfür ist die Verteuerung von Rohöl. Saudi-Arabien und Russland haben im Frühsommer ihre Produktion hochgefahren, um die unerwartet starken Produktionsausfälle Venezuelas auszugleichen. So ist der Markt dank der gleichzeitig weiterhin kräftig steigenden US-Produktion momentan gut versorgt.

Preistreibend sind aber die Ängste vor einer erneuten Angebotsverknappung infolge der US-Sanktionen gegen den Iran. Die Marge am Dieselmarkt war zu Beginn des Sommers zudem von einem überdurchschnittlich kräftigen Abbau der Dieselvorräte diesseits und jenseits des Atlantiks gestützt. Zusätzlich profitierte der Preis wohl von einem starken Bedarf an Kerosin, welches ebenfalls zur Gruppe der Mitteldestillate zählt. Der Einbruch bei den Neuzulassungen von Diesel-Pkw aufgrund des Dieselskandals und der Fahrverbote wird sich dagegen im diesellastigen Kraftstoffmarkt Europas erst allmählich nachfragedämpfend niederschlagen.

Andere Richtung eingeschlagen

Dennoch haben die Tendenzen sich zuletzt gedreht: So wurden die Vorräte in den Industrieländern in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich stark wieder aufgebaut. Hinzu kommt, dass vor allem in China die Raffinerieverarbeitung sehr hoch ist und die Dieselproduktion zunehmend auf den Weltmarkt fließt.

Die chinesischen Netto-Dieselexporte waren in den ersten sieben Monaten des Jahres auf Rekordhoch. Aber auch andernorts wachsen die Raffineriekapazitäten auf kurze Sicht kräftig. Die sonst zum Winter hin übliche Ausweitung der Marge sollte deshalb nur gering ausfallen und der Dieselpreis im Einklang mit dem Rohölpreis nachgeben. Ende nächsten Jahres wird die ab 2020 geltende Verschärfung des Schwefellimits bei Schiffskraftstoffen aber zu deutlich steigenden Margen führen. Der Grund: Zahlreiche Reedereien dürften das schwefelhaltige Schweröl zu Beginn der Neuregelung durch schwefelarmes Marine-Gasöl ersetzen.

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Redakteur/in:

Barbara Lambrecht

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