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DHL Road Freight Market News – 2. Quartal 2023

ROAD FREIGHT MARKET NEWS 02 2023

Das zweite Quartal lässt den vorsichtigen Optimismus des ersten Quartals zunehmend schwinden und gibt Hinweise auf die zu erwartende gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2023. Insbesondere in Deutschland ist die Lage getrübt. In dieser Ausgabe der DHL Road Freight Market News blicken wir auf wichtige Details und Trends der Monate April, Mai und Juni des Jahres 2023. Wo steht die EU-Wirtschaft nach dem ersten Halbjahr 2023 und wie entwickelt sich der europäische Straßengüterverkehr? Informationen zu den Trends im ersten Quartal finden Sie in unserer letzten Ausgabe.

Schwaches globales Wirtschaftswachstum spiegelt sich auch in Europa wider

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr aufgrund des hohen Preisniveaus und gestiegener Zinssätze relativ schwach ausfallen wird. Während die Weltbank für das Jahr 2023 mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 2,1% rechnet, prognostiziert eine Studie von Allianz Research ein Wachstum von 2,5%; für das kommende Jahr geht man sogar von nur 2,3% aus. Sollten sich die Vorhersagen tatsächlich bewahrheiten, wären das abgesehen vom Pandemiejahr 2020 die beiden wachstumsschwächsten Jahre seit der Finanzkrise.

Der Blick auf Europa zeichnet ein ähnlich verhaltenes Bild. Während führende Experten zwar davon ausgehen, dass die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften einer schwerwiegenden Rezession entgehen können, verzeichnet Europa eine technische Rezession, von der Ökonomen bei einer negativen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sprechen. Trotz dessen sendet die zuletzt angehobene Prognose von S&P Global für das Jahr 2023 ein Signal vorsichtiger Hoffnung für Europa. So wurde diese von 0,5% Wachstum im März auf 0,9% im Juni um 0,4 Prozentpunkte angehoben, was sich insbesondere auf den Rückgang der Inflation zurückführen lässt. Der gestiegenen Prognose zum Trotz, bleibt die Lage der europäischen Wirtschaft insgesamt allerdings angespannt und das erwartete Wachstum für 2023 auf einem niedrigen Niveau.

Eben dies spiegelt auch die Entwicklung der deutschen Wirtschaft wider: Nachdem das Bruttoinlandsprodukt bereits zwei aufeinanderfolgende Quartale gesunken war, zeigt auch der Blick auf das zweite Quartal des Jahres, dass im weiteren Verlauf keine großen Sprünge zu erwarten sind. So sagt bspw. das ifo Institut voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,4% zurückgehen wird, während das IfW Kiel im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 0,3% erwartet und damit seine Frühjahrsprognose (+0,5%) im Juni deutlich nach unten korrigiert. Hierbei belasten insbesondere der spärliche Privatkonsum sowie gestiegene Zinsen die Wirtschaftsleistung, was auch der kürzlich veröffentlichte Geschäftsklimaindex des ifo Instituts bestätigt: Dieser ist nun im Juni um 3 Punkte, und damit zum zweiten Mal in Folge, auf 88,5 gesunken und befindet sich nun auf demselben Niveau wie im vergangenen Herbst, als Unternehmen noch schwerwiegende Konsequenzen aus einer möglichen Gasmangellage befürchteten.

Obwohl sich die Geschäftserwartungen für das kommende halbe Jahr verschlechtern, sind auch positive Meldungen zu vernehmen, denn führende Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2024 wieder wachsen wird. Aktuelle Prognosen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsplanung (DIW) und des IfW Kiel bewegen sich zwischen 1,5% und 1,8%.

Die Inflation ist weiterhin rückläufig – trotzdem bleiben wirtschaftliche Risiken bestehen

Wie auch im letzten Quartal ist der Inflationsdruck innerhalb des Euroraums rückläufig. Nach 6,9% im Monat März, wird die jährliche Inflationsrate im Juni auf 5,5% geschätzt. Dabei weisen fast alle EU-Mitgliedsstaaten ein sinkendes Preisniveau auf. Während die osteuropäischen Länder des Euroraums mit knappen 10% die höchsten Raten verzeichnen, verbucht Deutschland eine zu erwartende jährliche Inflationsrate von 6,8% und zeigt damit einen Anstieg von +0,3% im Vergleich zum Vormonat auf, was insbesondere auf den Anstieg der Nahrungsmittelpreise zurückzuführen ist.

Die Senkung des allgemeinen Preisniveaus innerhalb des Euroraums ist insbesondere auf den Rückgang der Preise für Energieprodukte zurückzuführen, während sich die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak weiterhin auf einem hohen Level bewegen, wodurch sich der Inflationsrückgang bisher nur geringfügig bei den Verbrauchern bemerkbar gemacht hat.

Grundsätzlich gehen Experten aktuell davon aus, dass sich die Teuerungsrate weiter entspannen und die Inflation innerhalb der nächsten 3 Jahre sogar auf 2,5% sinken wird. Hier wirkt nach wie vor die Europäische Zentralbank aktiv mit: Um den Preisanstieg weiter zu bremsen, hat diese im Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0% angehoben. Dies ist seit Juli 2022 bereits die achte Erhöhung in Folge und laut Prognose der EZB aller Voraussicht nach nicht die letzte. Resultierend aus den bisherigen Zinserhöhungen ist bereits jetzt ein Rückgang der Investitionsbereitschaft und der Kaufkraft zu sehen. Die Auswirkungen der erneuten Leitzinserhöhung werden aber vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte vollumfänglich spürbar sein.

Neben dem hohen Preisniveau sowie der gedämpften Investitionsbereitschaft, stellt auch die Sicherstellung der Energieversorgung für den kommenden Winter, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bevölkerung, weiterhin ein nicht zu vernachlässigendes Risiko dar. Dies wird vor allem durch die Ankündigung der OPEC+ Staaten deutlich, die ihre Öl-Produktion für die zweite Jahreshälfte reduzieren wollen, was zu einem Anstieg der Ölpreise führen und letztlich das Wachstum in Europa hemmen kann. Des Weiteren werden wirtschaftliche Aktivitäten nach wie vor durch geopolitische Spannungen belastet. Allen voran der Russland-Ukraine-Krieg, für den weiterhin keine Lösung in Sichtweite ist.

Entwicklungen im Straßengüterverkehrsmarkt

Nach den hohen Volumina und der damit verbundenen Kapazitätsknappheit der vergangenen zwei Jahre schreibt sich der rückläufige Trend fort, der bereits seit September 2022 wahrzunehmen ist. Besonders die ersten Monate des Jahres 2023, geprägt von hohen Energiepreisen, Konsumzurückhaltung, hohen Lagerbeständen und geringen Auftragseingängen, führten zu einer deutlichen Entspannung im Markt, mit erstmaligem Kapazitätsüberhang im Monat Februar seit Sommer 2020. Während auch der Monat März mehr verfügbare Laderaumkapazität im Vergleich zu Fracht aufwies, ist seit Beginn des zweiten Quartals, analog des saisontypischen Verlaufs innerhalb der Straßentransportbranche, ein Anstieg von Volumen bzw. ein Rückgang an Laderaumkapazität zu vernehmen. Während das Verhältnis von Fracht zu Laderaum von 62 zu 38, bzw. von 59 zu 41, welches TIMOCOM für die Monate Mai bzw. Juni meldet, deutlich unter den Werten der letzten zwei Jahre liegt, zeigt das TIMOCOM Transportbarometer aktuell einen ähnlichen Verlauf auf, wie er regulär in den Vor-Pandemie-Jahren zu verzeichnen war.

Rückgang des Dieselpreises hat weiterhin nur geringe Auswirkungen auf Frachtraten

Wie schon im ersten Quartal sinken die Dieselpreise weiter. Während Eurostat im März einen Wert von 1,66 Euro pro Liter für die 27 europäischen Mitgliedsstaaten im gewichteten Mittel meldete, sank dieser in den Monaten April und Mai weiter und liegt derzeit bei 1,57 Euro pro Liter. Trotz der voranschreitenden Entspannung der Kraftstoffpreise, liegen diese immer noch auf einem höheren Niveau als in den letzten Jahren.

Dies spiegelt sich auch nach wie vor in den allgemeinen Frachtraten für den Landverkehr wider: Obwohl sich die Spotpreise zumindest im Jahresvergleich deutlich entspannt haben, befindet sich der Preisindex insgesamt seit Beginn des zweiten Quartals 2022 auf nahezu unverändert hohem Niveau.

Aktuelle politische Entwicklungen lassen vermuten, dass sich dieses Preisniveau in naher Zukunft zunächst nicht entspannen wird, zumindest nicht in Deutschland. Denn der aktuelle Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts sieht eine Mauterhöhung auf deutschen Autobahnen und Landstraßen ab Dezember vor, die zumindest für Diesel-Lkw zu einer Verdopplung der Gebühren führen wird. Auch in anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Belgien, werden Anpassungen an Mautsätzen vorgenommen, was sich kurzfristig in den Frachtpreisen widerspiegeln wird. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt jedoch noch nicht vollumfänglich abschätzen.  

Die Marktlage zusammengefasst

Trotz stetig sinkender Inflationsraten bleibt die konjunkturelle Lage angespannt. Mit weiterhin zurückhaltendem Konsumverhalten und fehlenden Investitionstätigkeiten deuten aktuelle Prognosen darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in diesem und auch im kommenden Jahr schwach ausfallen wird.

Die Kapazitätsentwicklung innerhalb des europäischen Straßengüterverkehrs zeigt eine deutliche Entspannung im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren auf und spiegelt damit die anhaltend gedämpfte Marktsituation wider. Trotz der deutlich entspannteren kapazitativen Engpasslage und sinkender Dieselpreise, verharren die Frachtraten allgemein auf unverändert hohem Niveau.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Obwohl das stetig sinkende Preisniveau Grund zur Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung gibt, lassen die gedämpfte Konsum- und Investitionsbereitschaft keine zuverlässigen Prognosen für die kommenden Monate zu, was auch Einschätzungen zur Entwicklung des Straßengüterverkehrs nur erschwert möglich macht.

Im Rahmen des nächsten Updates, welches Anfang Oktober erscheint, werden die Marktgeschehnisse des dritten Quartals und die damit einhergehenden Implikationen auf den Straßentransportmarkt beleuchtet, um weiterhin eine offene und transparente Kommunikation sicherzustellen, die für DHL Freight oberste Priorität hat.

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