Trends / Lesezeit: ~ 3 Min.

DHL Road Freight Market News – Februar/März 2023

DHL Road Freight Market News

Mit dem Februar 2023 ist gezügelter Optimismus hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung im Euroraum aufgekommen. In der Ausgabe Februar / März der DHL Road Freight Market News werfen wir einen genaueren Blick auf die EU-Wirtschaft in der Mitte des ersten Quartals 2023 mit einem besonderen Augenmerk auf die Lage des europäischen Straßengüterverkehrs. Informationen zu den Trends am Jahresanfang finden Sie in unserer letzten Ausgabe.

Euro-Wirtschaft: Im Februar hellt sich die Stimmung auf

Der 1. März markiert den Beginn des meteorologischen Frühlings und bringt eine erfreuliche Gewissheit mit sich: Die befürchtete Gasmangellage ist im Winter 22/23 ausgeblieben. Weil sich zudem die globalen Lieferkettenprobleme in vielen Sektoren entspannen und gleichzeitig der Preisdruck im Euroraum abnimmt, blicken im Februar sowohl die europäischen Unternehmen als auch die Finanzmarktexperten deutlich optimistischer auf die EU-Konjunktur als noch vor wenigen Monaten.

Zahlen dazu liefert Eurostat, das Statistische Bundesamt der Europäischen Union. Nach ersten Hochrechnungen wird dort geschätzt, dass die jährliche Inflationsrate im Euroraum erneut zurückgegangen ist, wenn auch nur marginal: Von 8,6 Prozent im Januar auf nun 8,5 Prozent im Februar. Dabei bleibt unverändert, dass die höchsten Inflationsraten weiterhin im Baltikum zu verzeichnen sind (Lettland: 20,1 Prozent; Estland: 17,8 Prozent; Litauen: 17,2 Prozent). Auch in Deutschland liegen die Werte, mit einer erwarteten jährlichen Inflation von 9,3 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Inflation

Ansteigendes Verbrauchervertrauen in die Wirtschaftstätigkeit des Euroraums

Der Rückgang der Teuerungsrate setzt sich seit November 2022 langsam, aber stetig fort. Dies scheint etwas Last von den europäischen Konsumenten zu nehmen, deren Kauflaune sich leicht anhebt: Trotz des nach wie vor hohen Preisdrucks war die Stimmung unter den Verbrauchern im Februar erneut besser als im Vormonat.

Das veranschaulicht beispielsweise der Verbrauchervertrauensindex der EU-Kommission, der die Erwartungen der Haushalte über die Entwicklung der Wirtschaft innerhalb des Euroraums widerspiegelt und somit einen Frühindikator für die Konsumtätigkeit darstellt. Dieser ist zuletzt um 1,5 Punkte auf -20,6 Punkte angestiegen und hat damit den fünften Monat in Folge zugelegt. Nichtsdestotrotz bleibt das langjährige Mittel für den Zeitraum 1985-2023 von 10,06 Punkten in weiter Ferne.

Diesen verhaltenen Optimismus auf der Konsumentenseite spiegeln weitere Wirtschaftsindikatoren wider. So zum Beispiel das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) oder der Ifo-Geschäftsklimaindex. Die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten beispielsweise, bewerten nicht nur die aktuelle Lage in Europa positiv, sondern hegen zunehmend auch Zuversicht für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Das trifft auch auf Deutschland zu. Zum ersten Mal seit Februar 2022 wird hier die konjunkturelle Lage mit Blick auf die nächsten sechs Monate spürbar besser bewertet. Dieser Einschätzung entspricht die Entwicklung des Geschäftsklima-Index‘ des ifo-Instituts im Februar: Dieser ist nämlich im Vergleich zum Januar erneut gestiegen und verdeutlicht somit eine positivere Einschätzung der unternehmerischen Geschäftslage.

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass die die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger ist, als von Ökonomen ursprünglich erwartet: So geht S&P Global im Februar für das Wirtschaftsjahr 2023 nicht mehr von einer Stagnation aus, sondern rechnet mit einem leichten Anstieg des europäischen Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent. Dieser optimistischen Prognose schließt sich auch die EU-Kommission an, wobei man in Brüssel noch zuversichtlicher ist: Die Wachstumsprognose der Kommission für 2023 wurde jüngst sogar von 0,3 Prozent auf 0,9 Prozent erhöht.

Ausbleibende Rezession, straffe Finanzpolitik und Entwicklung der Industrie

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) teilt diesen Optimismus und gibt an, dass sich das Wachstum innerhalb der Euro-Wirtschaft deutlich positiver entwickeln könne, als in der letzten EZB-Projektion angenommen (0.5%). Trotz der Tatsache, dass eine Rezession im Euro-Raum aller Voraussicht nach vermieden werden kann, ist zu erwarten, dass die EZB, aufgrund des fortwährend hohen Preisniveaus, an ihrem bisherigen Kurs im Kampf gegen die Inflation festhalten wird. Sollte es bei der nächsten EZB-Zinssitzung Mitte März zur aktuell erwarteten Zinserhöhung von 0,5 Prozentpunkten kommen, wäre das bereits die sechste Erhöhung seit der Abkehr vom Nullzins im Juli 2022.

Der erwarteten Zinserhöhung der EZB wird zum Teil mit Skepsis begegnet. Einige Experten befürchten, dass sich höhere Leitzinsen als Hemmschuh für die Konjunktur entpuppen könnten und mahnen, dass die gegenwärtige konjunkturelle Aufhellung durchaus mit Vorsicht zu genießen sei. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Zinsmaßnahmen meist verzögert dämpfend auf die Konjunktur wirken und die Auswirkungen der aktuellen Maßnahmen somit erst in einigen Monaten voll zur Geltung kommen könnten.

Trotz der zunehmenden Stimmungsaufhellung im Euroraum bezüglich der konjunkturellen Entwicklung und der grundsätzlich positiven Stimmung unter den Verbrauchern, steht die Euro-Industrie weiterhin vor großen Herausforderungen: So berichtet beispielsweise S&P Global von einer möglichen, anhaltenden Auftragsflaute, die zwar kurzfristig noch durch den Abbau angestauter Auftragsbestände aus Pandemiezeiten abgefedert werden kann, aber langfristig erhebliche Auswirkungen mit sich bringen könnte. Sollte es nun noch zu weiteren Zinserhöhungen kommen, ist davon auszugehen, dass sich die Auftragslage der Industrie merklich kritisch entwickelt. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung würde sich ein Abschwung im industriellen Sektor auch in den anderen Wirtschaftsbereichen merklich niederschlagen. Diesbezüglich bleibt abzuwarten, wie sich der Auftragseingang in den kommenden Monaten entwickeln wird.

Entwicklungen im Straßengüterverkehrsmarkt

Wie schon zuletzt berichtet, hat sich die kapazitative Engpasslange seit Ende 2022 deutlich entspannt. Nachdem das Transportbarometer von TIMOCOM für Januar einen Wert von 55:45 für das Verhältnis von Frachten zu angebotenem Laderaum gemeldet hatte, stieg der Anteil an verfügbarem Laderaum im Februar deutlich: Dementsprechend standen einer Frachtnachfrage von 46 Prozent, 54 Prozent verfügbarer Laderaumanteil gegenüber. Im Vergleich zur angespannten kapazitativen Engpasslage im letzten Jahr und insbesondere zum Februar 2022, in dem das Verhältnis von Nachfrage und Angebot bei 73:27 lag, wird nun eine deutliche Entspannung auf dem europäischen Frachtmarkt hinsichtlich verfügbarer Kapazitäten deutlich: Seit Juli 2020 ist der Februar 2023 der erste Monat, in dem ein Überhang an Kapazitäten am Markt verfügbar ist.

Europäische Kennzahlen 2023

Überkapazität und Dieselpreise schlagen sich nicht in sinkenden Frachtraten nieder – Preisniveau weiterhin hoch

Trotz der deutlichen Entspannung der kapazitativen Engpasslage im Markt, bleiben die Frachtpreise für den Landverkehr davon weitgehend unberührt und verharren auf hohem Niveau. Auch sinkende Dieselpreise führen bis dato nicht zu einem signifikanten Rückgang der Frachtraten. Während der Dieselpreis für die 27 europäischen Mitgliedsstaaten zuletzt noch bei 1,80 Euro/Liter stagnierte, sank dieser im Februar und liegt in der Kalenderwoche neun laut Eurostat bei 1,71 Euro/Liter.

Dieser aktuellen Entspannung der Dieselpreise stehen darüber hinaus Mauterhöhungen in diversen europäischen Ländern sowie steigende Lohnkosten gegenüber, welche insbesondere durch den Fahrermangel im Transportgewerbe zusätzlich befeuert werden dürften. Diese Entwicklungen bei den Frachtpreisfaktoren lässt anhaltend hohe Frachtraten auch in Zukunft wahrscheinlich erscheinen.

Die Marktlage zusammengefasst

Aufgrund des leicht sinkenden Inflationsdrucks und der bis dato robusten Wirtschaftsleistung, hält der vorsichtige Optimismus der Ökonomen und Marktteilnehmer an. Entgegen der ursprünglich prognostizierten Stagnation wird aktuell von einem leichten Wirtschaftswachstum im Euroraum für das Jahr 2023 ausgegangen. Diese Prognose ist allerdings äußerst unsicher, denn das gesamte Marktumfeld ist anhaltend volatil und die geopolitischen Entwicklungen sind nicht absehbar.

Mit Blick auf den Straßengüterverkehrsmarkt lässt sich eine geringere Nachfrage nach Transportkapazitäten im Vergleich zum Angebot an Laderaum erkennen: Das erste Mal seit knapp drei Jahren besteht Überkapazität im europäischen Straßengüterverkehrsmarkt. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage, insbesondere im Hinblick auf die Ostersaison, entwickeln wird.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

In Anbetracht der unsicheren Wirtschaftslage in Krisenzeiten ist es nach wie vor schwierig, zuverlässige Prognosen zu stellen. Das gilt entsprechend für den europäischen Straßengüterverkehrsmarkt, dessen Entwicklung von diversen Faktoren abhängt.

In unserem nächsten Update, welches Anfang April erscheinen wird, werden wir die allgemeinen Marktgeschehnisse und die damit einhergehenden Implikationen für den Straßentransportmarkt neu erörtern. So wollen wir sicherstellen, dass Sie stets auf dem aktuellen Stand sind. Denn eine transparente Kommunikation hat für DHL Freight oberste Priorität.

Sie wollen noch mehr über dieses Thema erfahren?

Die Autoren unseres Artikels stehen Ihnen gerne für Ihre Rückfragen bereit. Senden Sie uns einfach eine Nachricht über das Kontaktformular und wir steigen gemeinsam mit Ihnen tiefer in das Thema ein.

Ähnliche Artikel

Trends

Kontrollverlust

Illegale Kabotage hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Gefragt sind staatliches Handeln und Überwachung.

29. November 2016 / Lesezeit: ~ 1 Min.
Trends

Alles auf dem Schirm?

In ihrem Logistics Performance Index (LPI) rankt die Weltbank 160 Staaten nach unterschiedlichen Logistikkriterien – so auch in der Disziplin „Qualität der Sendungsverfolgungssysteme“.

20. April 2017 / Lesezeit: ~ 1 Min.