Trends / Lesezeit: ~ 1 Min.

Teurer Klüngel

Rekordbußgeld für Lkw-Kartell – Schadensersatz für Geschädigte

Fünf Jahre hat es gedauert. Dann fiel die Entscheidung. Die EU-Kommission verhängte gegen vier Lkw-Hersteller ein Bußgeld von 2,9 Milliarden wegen Verstößen gegen die EU-Kartellvorschriften. Daimler, DAF, Iveco, MAN und Volvo/Renault hatten über einen Zeitraum von 14 Jahren – zwischen 1997 und 2011 – EU-weit für mittelschwere (6-16 Tonnen) und schwere Lkw (über 16 t.) die Preise abgesprochen. Ebenfalls Bestandteil der Übereinkunft: Die Unternehmen haben die Kosten, die durch die strengeren Emissionsvorschriften entstanden sind, unisono an die Kunden weitergegeben.

Die Kartellpreise lagen nach Schätzungen etwa 15 Prozent über dem eigentlichen Kaufpreis. Genaue Zahlen gibt es erst, wenn wettbewerbsökonomische Gutachten vorliegen. Selbst bei einem kleinen Fuhrpark kommt da schnell eine beachtliche Summe zusammen.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager begründete das Rekordbußgeld mit der besonderen Bedeutung des Straßengüterverkehrs für die Wirtschaft in Europa. „Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt“, sagte die Dänin. Mehr als 30 Millionen Lkw sind auf europäischen Straßen unterwegs, sie wickeln 75 Prozent des Warenverkehrs auf dem Land ab. Deshalb könne es nicht hingenommen werden, so Verstager, dass Unternehmen, „die zusammen etwa neun von zehn der in Europa produzierten (…) Lkw stellen, untereinander ein Kartell bilden, anstatt miteinander zu konkurrieren“.

so_lkw_kartell_grafik_de

Vier Hersteller haben ihre Beteiligung am Kartell zugegeben und einem Vergleich zugestimmt. MAN wurde die Geldbuße erlassen, weil das Unternehmen in dem Verfahren als Kronzeuge auftrat. Die schwedische Scania stimmte dem Vergleich nicht zu, hier läuft das Bußgeldverfahren weiter.

Zu der Strafe, welche die Kartell-Unternehmen an die EU zahlen müssen, können Geschädigte außerdem Schadensersatz geltend machen. Diese hier in Rede stehenden Summen können um ein Vielfaches höher ausfallen als die Kartellstrafe.

Wer ist betroffen?

Alle durch die Preisabsprachen geschädigten Personen oder Unternehmen können auf Schadensersatz klagen. Das sind Speditionen, Gütertransportunternehmen und letztlich alle, die zwischen 1997 und 2011 in einem EU-Land schwere oder mittelschwere Lkw der betroffenen Marken gekauft haben.

Wie geht es weiter?

Betroffene können versuchen sich mit dem Lkw-Hersteller außergerichtlich zu einigen. Sprich: sie bieten eine Vergleichssumme an. Lehnt der Hersteller ab, gibt es die Möglichkeit den Schadensersatz einzuklagen. Letzteres ist natürlich auch ohne vorherige Vergleichsverhandlungen möglich.

Generell gibt es mehrere Klagemöglichkeiten. Betroffene können eine Einzelklage führen, mehrere Geschädigte können gemeinschaftlich vorgehen oder sie verfolgen ein Bündelungsmodell. Dafür gründen sie eine Gesellschaft, an die die Schadenersatzansprüche abgetreten werden.

Aber Achtung: Die Ansprüche verjähren. Die ersten Fristen für Geschädigte laufen bereits Ende 2017 aus.

Redakteur/in:

Anne Goergen

Veröffentlicht:

Tags:

Sie wollen noch mehr über dieses Thema erfahren?

Die Autoren unseres Artikels stehen Ihnen gerne für Ihre Rückfragen bereit. Senden Sie uns einfach eine Nachricht über das Kontaktformular und wir steigen gemeinsam mit Ihnen tiefer in das Thema ein.

Ähnliche Artikel

Trends

Food-Truck 2020

Aktuelle Studienergebnisse zeigen: Omnichannel zählt zu den wichtigen Zukunftstrends in der Lebensmittellogistik. Das bedeutet neue Herausforderungen für Hersteller, Handel und natürlich die Logistik.

15. September 2016 / Lesezeit: ~ 1 Min.
Trends

Schnelle Hilfe aus der Luft

Drohnen können weit mehr sein als privates Spielzeug oder militärische Ausrüstung – sie retten Leben!

16. Oktober 2018 / Lesezeit: ~ 0 Min.
Trends

Alles auf dem Schirm?

In ihrem Logistics Performance Index (LPI) rankt die Weltbank 160 Staaten nach unterschiedlichen Logistikkriterien – so auch in der Disziplin „Qualität der Sendungsverfolgungssysteme“.

20. April 2017 / Lesezeit: ~ 1 Min.