Nachhaltigkeit

Lang-Lkw: Weniger umweltbelastend als vermutet?

Wem 18,75 Meter für einen Lastkraftwagen zu kurz sind, kann auf einen Lang-Lkw zurückgreifen. Der reduziert nicht nur den Verkehr auf der Straße, sondern ebenso die CO2-Emissionen in der Transportlogistik. Seit 2017 ist der Lang-Lkw auf fest definierten deutschen Straßen zugelassen und hilft, den Güterverkehr nach und nach zu entlasten. Wir stellen den überlangen Lastkraftwagen im Detail vor – und wie die Umwelt zu ihm steht.

Was ist ein Lang-Lkw? EuroCombi im Überblick

Der Name verrät schon alles: Der Lang-Lkw ist eine besondere Gattung der Lastkraftwagen, der die eigentlich zulässige Maximallänge von 18,75 Metern übertrifft. Die Last des Lang-Lkws wird auf sechs bis acht Achsen und bis zu 25,25 Metern verteilt und darf nur auf ausgewählten Straßen in Deutschland bewegt werden. Er ist hier erst seit 2017 zugelassen, nachdem es bis Ende 2016 einen mehrjährigen Testlauf gab.

Im Fokus unserer künftigen Pläne der Deutsche Post DHL Group sPrognosen der Bundesregierung zur Entwicklung des Güterverkehrs auf der Straße lassen vermuten, dass er bis 2030 im Vergleich zu 2010 um etwa 40 Prozent zunehmen wird. Um nicht im gleichen Maße die Umweltbelastungen zu erhöhen, werden alternative Transportmittel nötig. Der Lang-Lkw ist eine mögliche Antwort auf die Herausforderung steigender CO2-Emissionen. Durch die größeren Transportvolumen werden weniger Fahrten notwendig und der Umschlag der Güter wird reduziert, was zusätzlich zur Entlastung des Klimas beiträgt. 

Lang-Lkw, EuroCombi, Longliner, Megaliner, Gigaliner – Was ist was?

Aus dem alltäglichen Sprachgebrauch kennen Sie vielleicht Begriffe wie Long-, Mega- oder Gigaliner, wenn Sie an besonders lange Lastkraftwagen denken. Letztlich meinen sie das Gleiche wie Lang-Lkw oder EuroCombi, nur in unterschiedlichen Zusammenhängen. Der Longliner ist der englische Begriff für einen EuroCombi, Mega- und Gigaliner sind Fahrzeugbezeichnungen für die Lang-Lkws eines bestimmten Herstellers. 

Lang-Lkw: Maße, Gewicht und Kapazitäten

Klassische Lkw dürfen eine Länge von 18,75 Metern nicht überschreiten. Anders sieht es bei den Lang-Lkws aus: Die sind bis zu 25,25 Meter lang und dürfen ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen beziehungsweise 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr auf die Waage bringen. Die gleichen Gewichtsgrenzen gelten aber ebenso für die gewöhnlichen Lastkraftwagen: Im Straßengüterverkehr werden nämlich nur selten wirklich schwere Waren transportiert – vielmehr sind sie einfach voluminöser, sperriger und nehmen mehr Platz ein. Der Lang-Lkw kann demnach mehr transportieren, ohne automatisch zusätzliches Gewicht zu benötigen. 

Vorteile der Lang-Lkws: Der Umwelt zuliebe?

Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung und ebenso das der Unternehmen ist heutzutage größer denn je – und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, einen Beitrag zu einer geringeren CO2-Belastung zu leisten. Der Lang-Lkw ist eine dieser Möglichkeiten. 

Nachhaltigkeit in der Logistik durch Innovation

Nachhaltigkeit ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Sie zu meistern ist unsere Aufgabe als Gesellschaft. Als Deutsche Post DHL Group sind wir seit unserer Gründung Pioniere auf dem Gebiet der Logistik und an diesem Titel messen wir uns bis heute – in einer Zeit, in der Pioniergeist eine größere Bedeutung denn je hat. Mit unseren Fortschritten in der Nutzung kommerzieller batteriebetriebener Elektrofahrzeuge unterstreichen wir unseren Anspruch an Innovation und Nachhaltigkeit in einem Segment, das uns alle betrifft: dem der Logistik.

Vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2016 hat die Bundesregierung mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur einen Feldversuch zur Nutzung der Lang-Lkws durchgeführt. In dem fünfjährigen Testlauf konnten die positiven Erwartungen bestätigt werden, wodurch schließlich ab dem 1. Januar 2017 der Regelbetrieb auf einem ausgewählten Straßennetz in Deutschland aufgenommen werden konnte.

Erkenntnisse des Feldversuchs: Lang-Lkws im Langzeittest

Aus dem Feldversuch der Bundesregierung haben sich viele unterschiedliche Erkenntnisse ergeben, die schließlich zu der Entscheidung beigetragen haben, Lang-Lkws für den ausgewählten Straßenverkehr erst einmal zuzulassen. 

Die relevantesten Ergebnisse des Feldversuchs:

  • Drei Fahrten mit konventionellen Lkws werden durch zwei mit Lang-Lkws ersetzt
  • Effizienzsteigerungen und Kraftstoffreduktion zwischen 15 und 25 Prozent
  • Die Infrastruktur wird baulich nicht mehr belastet als durch gewöhnliche Lkws
  • Bremsweg eines Lang-Lkws ist kürzer als bei konventionellen Lkws
  • Fahrer von Lang-Lkws werden nicht mehr belastet als die anderer Lkws

Eine ursprüngliche Hoffnung, die mit der der Einführung der Lang-Lkws einherging, war eine Reduktion des Straßenverkehrs bei gleich bleibendem Transportvolumen. Im Feldversuch konnte diese Hoffnung bestätigt werden: Waren früher drei Fahrten mit konventionellen Lkws für den Transport gewisser Güter notwendig, reichen heute dafür zwei Fahrten mit Lang-Lkws. Das führt pro transportierter Tonne zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch von bis zu 25 Prozent. Gleichzeitig werden Mitarbeiterkosten reduziert, der Umschlag von Waren wird beschleunigt und die CO2-Emissionen sinken. 

Die Einsparungen im Kraftstoff und die damit einhergehende Reduktion der CO2Emissionen sind mit die Hauptargumente für den Einsatz von Lang-Lkws. Die gleiche Menge an Gütern kann im Vergleich zu herkömmlichen Lkws umweltschonender transportiert werden. Die Beschaffenheit der Straßen wird durch die Lang-Lkws aber nicht mehr beeinflusst. Im Gegenteil: Ausgehend von einem Gesamtgewicht von beispielsweise 40 Tonnen belastet ein Lang-Lkw die Infrastruktur sogar weniger als konventionelle Lastkraftwagen, da die Last auf mehr Achsen verteilt wird.

Und nicht nur in Hinblick auf die Umwelt hat der Lang-Lkw Vorteile: Sie verfügen über einen kürzeren Bremsweg, da mehr Achsen beim Prozess des Bremsens helfen können.

Bei gleichem Gewicht führt das zu einem schnelleren Stillstand in Gefahrensituationen. Gleichzeitig sind Lang-Lkws in der Regel standardmäßig mit deutlich mehr Sicherheitstechnologie ausgestattet. 

Der Feldversuch hat ergeben, dass die Fahrer von Lang-Lkws trotz der erhöhten Fahrzeuglänge bei der Fahrt nicht mehr Stress empfinden als Fahrer herkömmlicher Lkws. Und: Nur echte Profis mit vielen Jahren Erfahrung dürfen sie fahren. Auf der Autobahn sind sie damit immer sicher unterwegs – auch andere Autofahrer werden dadurch nicht negativ beeinflusst. Der Überholvorgang eines Lang-Lkws ist genauso sicher wie der bei anderen.

Lang-Lkw-Typen in der Übersicht

Für die Lang-Lkws gibt es unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten von Zugmaschinen, Anhängern und Co. Zusammengefasst werden diese in den verschiedenen Lang-Lkw-Typen, die wir im Folgenden übersichtlich zusammenfassen. 

Lang-Lkw-Typ 1: Möglichkeit 1 ist eine Kombination aus Sattelzugmaschine und Sattelanhänger mit einer möglichen Gesamtlänge von 17,88 Metern, die erstmal bis Ende 2013 eingesetzt werden darf. 

Lang-Lkw-Typ 2: Typ 2 verbindet ein Sattelkraftfahrzeug mit einem Zentralachsanhänger, die gemeinsam eine Gesamtlänge von bis zu 25,25 Metern erreichen dürfen. Eine zeitliche Befristung gibt es für diese Kombination nicht mehr. 

Lang-Lkw-Typ 3: Lang-Lkw-Typ 3 setzt sich aus einem Lastkraftwagen mit Untersetzachse und einem Sattelanhänger zusammen. Gemeinsam dürfen sie eine Länge von maximal 25,25 Metern erreichen.

Lang-Lkw-Typ 4: Die vierte Option besteht aus einem Sattelkraftfahrzeug und einem weiteren Sattelanhänger, die insgesamt ebenfalls auf eine Länge von 25,25 Metern kommen dürfen.

Lang-Lkw-Typ 5: Der fünfte und letzte zulässige Typ der Lang-Lkws kombiniert einen Lastkraftwagen mit einem Anhänger. Beide zusammen dürfen eine Gesamtlänge von 24 Metern nicht überschreiten.

Lang-LKW Deutsche Post DHL Group (c)deutsche post dhl group/bernd georg

Long-, Mega- und Gigaliner in Deutschland: Das Streckennetz für Lang-Lkw

Seit dem 1. Januar 2017 sind Lang-Lkws auf deutschen Straßen zugelassen, dürfen aber nur auf einem ausgewählten und fest definierten Streckennetz fahren. Gerade Fahrten durch Ortschaften sind in der Regel nicht möglich – vielmehr ist es das Ziel, relevante Knotenpunkte der Logistik zu verbinden, von wo aus andere Verkehrsmittel die Güter auf der letzten Meile transportieren. Das Positivnetz der 10. Änderungsverordnung für LangLkw zeigt auf, welche Strecken von diesen befahren werden dürfen. Unternehmen dürfen zusätzliche Routen vorschlagen, die von den jeweiligen Bundesländern überprüft werden.

Am 14. November 2020 trat die zehnte Änderungsverordnung in Kraft und hat weitere Strecken in das Positivnetz für Lang-Lkws mit aufgenommen. Mit jeder Änderungsverordnung treten neue Bestimmungen zur Nutzung der Fahrzeuge in Kraft, um nach und nach einen Ausbau des vergleichsweise neuen Transportmittels vorantreiben zu können.

Fazit

Im fünfjährigen Feldversuch der Bundesregierung hat sich der Lang-Lkw als sinnvolle Alternative zu konventionellen Lkws bewiesen. Besonders die reduzierte Umweltbelastung durch geringere CO2-Emissionen macht ihn zu einem zukunftsfähigen Modell, das die Straßen entlastet, die Sicherheit der Fahrer erhöht und Unternehmen Kosten einspart, ohne das Transportvolumen reduzieren zu müssen. Die Frachtlogistik wird damit um eine neue, moderne Facette reicher, ohne die Infrastruktur des deutschen Verkehrsnetzes anpassen zu müssen. 

Fragen

Wo dürfen Lang-Lkw in Deutschland fahren?

Lang-Lkws dürfen in Deutschland nur auf auf einem sogenannten Positivnetz fahren – sprich nur auf solchen Straßen, die explizit für den Verkehr freigegeben wurden. Auf Antrag von Unternehmen kann das Streckennetz nach und nach erweitert werden, sofern eine Prüfung durch die jeweiligen Bundesländer eine Eignung der Strecke für besonders langen Lastkraftwagen feststellt. 

Wie viel Tonnen dürfen Euroliner bewegen?  

Lang-Lkw dürfen ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen bewegen – inklusive Wagen selbst.

Wie lang ist ein Lang-Lkw?  

Lang-Lkws dürfen je nach Typ eine Maximallänge von 25,25 Metern aufweisen. Im Vergleich zu konventionellen Lkws mit höchstens 18,75 Metern Länge ist das eine Steigerung um 6,5 Meter.

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