Künstliche Intelligenz wertet längst nicht mehr nur Daten aus – sie plant, koordiniert und trifft zunehmend selbst Entscheidungen. Das ist eine der Kernaussagen des neuen DHL Logistics Trend Radar 8.0. Wir stellen die wichtigsten Trends vor und ordnen ein, was sie für Lieferketten und den Straßengüterverkehr bedeuten.
Was ist der DHL Logistics Trend Radar?
Der DHL Logistics Trend Radar ist das Trendforschungsinstrument von DHL Group. Erarbeitet wird er von DHL Customer Solutions & Innovation (CSI), gemeinsam mit Fachleuten aus Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft. Alle zwei Jahre erscheint eine neue Ausgabe – 2026 bereits die achte.
Der Radar bewertet technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen danach, wie stark sie die Logistik beeinflussen können und wann sie voraussichtlich relevant werden. Der Blick reicht dabei zehn Jahre nach vorn. So entsteht eine Orientierungshilfe, die zeigt, welche Themen schon heute Aufmerksamkeit verdienen und welche eher langfristig zu beobachten sind.
Für Katja Busch, Chief Commercial Officer DHL und Head of CSI, entscheidet vor allem das Tempo darüber, wer vom Wandel profitiert:
Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die diese Entwicklungen frühzeitig erkennen und in konkrete Vorteile für ihr Geschäft und ihre Mitarbeitenden umsetzen können. Der Trend Radar hilft ihnen dabei, sich auf die Entwicklungen zu konzentrieren, die künftig den größten Einfluss haben werden.
Katja Busch
CCO & Head of CSI
Welche Trends haben den größten Einfluss auf die Logistik?
Aus der Vielzahl bewerteter Entwicklungen hebt der Bericht zehn Trends hervor, denen er für die kommenden zehn Jahre die größte Tragweite zuschreibt. Auffällig ist die Gewichtung: Vier der zehn Trends drehen sich unmittelbar um künstliche Intelligenz, je zwei um die Arbeitswelt, um Sicherheit und Resilienz sowie um die Reduktion von Emissionen.
| Trend | Worum es geht | Themenfeld |
| Agentic AI | KI-Systeme, die Aufgaben selbstständig planen, Entscheidungen treffen und umsetzen – unter menschlicher Aufsicht | Künstliche Intelligenz |
| AI Analytics | KI-gestützte Auswertung großer Datenmengen, um Risiken früh zu erkennen und Prognosen zu verbessern | Künstliche Intelligenz |
| Generative AI | KI, die Inhalte, Auswertungen und neue digitale Anwendungen erzeugt | Künstliche Intelligenz |
| AI Ethics | Prinzipien und Regeln für einen transparenten, verantwortungsvollen und regelkonformen KI-Einsatz | Künstliche Intelligenz |
| Augmented Workplace | Technologien, die Beschäftigte bei der Arbeit unterstützen und Sicherheit sowie Produktivität erhöhen | Arbeitswelt |
| Employee Belonging | Arbeitsumfelder, in denen sich Beschäftigte zugehörig, wertgeschätzt und handlungsfähig fühlen | Arbeitswelt |
| Cybersecurity 2.0 | Weiterentwickelte Schutzkonzepte für Daten, IT-Systeme und vernetzte Lieferketten | Sicherheit und Resilienz |
| Diversifizierung der Lieferkette | Breitere Aufstellung bei Lieferanten, Transportwegen und Netzwerken, um Ausfälle abzufedern | Sicherheit und Resilienz |
| Dekarbonisierung | Maßnahmen, die Treibhausgasemissionen in Transport und Logistik senken | Emissionsreduktion |
| Alternative Kraftstoffe | Skalierung von Kraftstoffalternativen, die die Emissionen im Transport verringern sollen | Emissionsreduktion |
Zusammengenommen ergibt sich ein klares Bild: KI rückt ins Zentrum der Logistik. Ob sie ihr Potenzial entfaltet, hängt jedoch von den Menschen ab, die mit ihr arbeiten – und von verlässlichen Leitplanken für ihren Einsatz.

Was ist neu im Trend Radar 8.0?
Gegenüber der Vorgängerausgabe hat sich der Schwerpunkt verschoben. Im DHL Logistics Trend Radar 7.0 von 2024 standen KI und Nachhaltigkeit als wichtigste Wachstumstreiber im Vordergrund. Die achte Ausgabe stellt KI nun gemeinsam mit dem Wandel der Arbeitswelt ins Zentrum, Nachhaltigkeit bleibt eine feste Größe. Erstmals im Radar vertreten sind die folgenden vier Trends:
- Agentic AI: KI-Agenten, die nicht nur Empfehlungen geben, sondern eigenständig Schritte einleiten. Der Bericht zählt sie zu den wirkungsstärksten Trends der gesamten Ausgabe.
- AI Commerce: KI verändert, wie Konsument:innen und Geschäftskund:innen Produkte finden, vergleichen und kaufen. Das dürfte sich auch auf Bestellmuster und die Anforderungen an logistische Schnittstellen auswirken.
- Compute Economy: Rechenleistung wird zur strategischen Ressource. Der Aufbau von Rechenzentren bringt eigene logistische Anforderungen mit sich – etwa beim Transport hochwertiger, empfindlicher Technik.
- Humanoide Roboter: Menschenähnlich gebaute Roboter, die sich in Arbeitsumgebungen bewegen können, die ursprünglich für Menschen gestaltet wurden. Der Radar ordnet sie als langfristigen Trend ein.
Was ändert sich, wenn KI nicht nur analysiert, sondern handelt?
Der rote Faden der achten Ausgabe ist der Übergang von unterstützender zu handelnder KI. Bisherige Anwendungen reagierten meist auf Anfragen oder bereiteten Informationen auf, die Entscheidung blieb beim Menschen. Die nächste Stufe sind Systeme, die selbst aktiv werden. Zwei Trends stehen dabei im Mittelpunkt.
Agentic AI: Wie arbeiten KI-Agenten in der Lieferkette?
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die ein vorgegebenes Ziel selbstständig verfolgen. Statt auf eine einzelne Anfrage zu antworten, zerlegt ein KI-Agent die Aufgabe in Teilschritte, holt Informationen ein, wägt Optionen ab und setzt Maßnahmen um. Der Mensch bleibt dabei in der Verantwortung: Er definiert den Rahmen, überwacht die Ergebnisse und greift bei Bedarf ein.
Für den Straßengüterverkehr lässt sich das gut veranschaulichen. Ein Agent könnte bei einer Vollsperrung auf der geplanten Route Alternativen prüfen, die Folgen für vereinbarte Zeitfenster bewerten und Empfänger:innen vorab informieren. Die Disposition entscheidet dann auf einer deutlich besseren Grundlage – oder lässt Routineentscheidungen innerhalb klar definierter Grenzen automatisch laufen.
AI Analytics: Wie erkennt KI Störungen, bevor sie entstehen?
AI Analytics steht für KI-gestützte Analysen, die Muster in großen Datenbeständen erkennen, Entwicklungen prognostizieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Der Unterschied zu klassischen Auswertungen liegt vor allem in Geschwindigkeit und Umfang. Im Zusammenspiel mit Agentic AI entstehen so Lieferketten, die sich zunehmend selbst an veränderte Bedingungen anpassen.
Der Bericht nennt dafür mehrere Anwendungsfelder, die perspektivisch realistisch werden:
- drohende Bestandsengpässe frühzeitig erkennen
- Sendungen bei Störungen automatisch umleiten
- Transportkapazitäten in Echtzeit an die Nachfrage anpassen
Klaus Dohrmann, Vice President Innovation and Trend Research, DHL Customer Solutions & Innovation, beschreibt den Entwicklungssprung so:
Bislang hat KI Menschen dabei unterstützt, Aufgaben effizienter zu erledigen. Das nächste Kapitel heißt Handeln. Wir treten in ein Zeitalter autonomer und physischer KI ein, in dem intelligente Systeme ihre Umgebung wahrnehmen, sich in komplexen Umgebungen kollaborativ bewegen und zunehmend eigenständig mit minimaler menschlicher Intervention Entscheidungen treffen können.
Klaus Dohrmann
VP Innovation & Trend Research CSI
Welche Rolle spielt der Mensch in der Logistik von morgen?
Neben der Technologie rückt der Bericht ausdrücklich die Arbeitswelt in den Fokus. Seine Grundthese: Technologie ergänzt die Fähigkeiten der Beschäftigten, statt sie zu ersetzen. Damit das gelingt, müssen Unternehmen allerdings gezielt in Qualifizierung und gute Arbeitsbedingungen investieren.
Augmented Workplace: Welche Technologien unterstützen Beschäftigte?
Unter Augmented Workplace fasst der Radar Technologien zusammen, die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen. Dazu zählen unter anderem:
- Wearables und Sensorik: Am Körper getragene Systeme, die etwa Bewegungsabläufe oder Belastungen erfassen und so zu mehr Arbeitssicherheit beitragen können.
- Exoskelette: Mechanische Stützstrukturen, die körperlich fordernde Tätigkeiten wie Heben und Tragen erleichtern.
- Kollaborative Roboter (Cobots): Roboter, die direkt neben Menschen arbeiten und wiederkehrende Handgriffe übernehmen.
- Remote Operations: Steuerung und Überwachung von Anlagen, Maschinen oder Fahrzeugen aus der Ferne.
- KI-Assistenten am Arbeitsplatz: Digitale Helfer, die im Arbeitsalltag Informationen bündeln und Entscheidungsvorschläge liefern.
Ziel ist eine Arbeitsumgebung, die sicherer, produktiver und attraktiver ist. Wenn Technik monotone Aufgaben übernimmt, gewinnen Beschäftigte Zeit für Tätigkeiten, bei denen menschliche Erfahrung den Unterschied macht: Probleme lösen, Kund:innen betreuen, Abläufe steuern.
Employee Belonging: Warum zählt Zugehörigkeit im Wandel?
Der Bericht geht davon aus, dass KI, Automatisierung und Robotik Hunderte von Tätigkeitsprofilen verändern werden – in operativen Funktionen ebenso wie in technischen und wissensbasierten Berufen. Damit wachsen die Anforderungen an Qualifikationen und Arbeitsweisen. Für Führungskräfte reicht es deshalb nicht, neue Systeme einzuführen.
Entscheidend ist, dass Mitarbeiter:innen das nötige Wissen, Vertrauen in die Technologie und Rückhalt im Team mitbringen. Genau hier setzt Employee Belonging an: Wer sich im Unternehmen zugehörig und wertgeschätzt fühlt, bringt sich eher aktiv in Veränderungsprozesse ein. Thomas Ogilvie, Konzernvorstand Personal und Arbeitsdirektor von DHL Group, stellt fest: „Menschen bleiben die treibende Kraft hinter jeder erfolgreichen Lieferkette.“
Die Zukunft der Logistik entscheidet sich nicht an der Frage Mensch oder KI, sondern daran, wie gut Unternehmen menschliche Expertise mit immer leistungsfähigeren Technologien verbinden.
Thomas Ogilvie
Konzernvorstand Personal und Arbeitsdirektor, DHL Group
Warum werden AI Ethics und Cybersecurity 2.0 wichtiger?
Je mehr Verantwortung KI-Systeme übernehmen, desto höher sind die Anforderungen an ihren Einsatz. Wenn Algorithmen in Bedarfsprognosen, Bestandsplanung oder Transportentscheidungen eingreifen, müssen ihre Ergebnisse nachvollziehbar und abgesichert sein. Der Radar hebt deshalb zwei Trends hervor, die Innovation und Kontrolle in Balance bringen sollen:
- AI Ethics: Klare Regeln dafür, wie KI eingesetzt wird – transparent, fair und im Einklang mit gesetzlichen Vorgaben wie dem EU AI Act. Dazu gehört auch, festzulegen, wo der Mensch das letzte Wort behält.
- Cybersecurity 2.0: Weiterentwickelte Sicherheitskonzepte für eine Logistik, in der immer mehr Systeme, Fahrzeuge und Partner digital miteinander vernetzt sind. Jede neue Schnittstelle ist ein möglicher Angriffspunkt – und muss entsprechend geschützt werden.
Die Botschaft des Berichts ist eindeutig: Schutzmechanismen und menschliche Kontrolle sind keine Bremse für Innovation. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen autonomen Systemen überhaupt kritische Prozesse anvertrauen können.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Resilienz?
Wie schon in früheren Ausgaben bleibt Nachhaltigkeit ein zentraler Innovationstreiber. Hinzu kommt ein Thema, das Lieferketten seit Jahren beschäftigt: die Fähigkeit, Störungen abzufedern. Beide Aspekte sind im Trend Radar 8.0 prominent vertreten.
Wie verändern Dekarbonisierung und alternative Kraftstoffe den Transport?
Mit Dekarbonisierung und alternativen Kraftstoffen stehen zwei Trends mit direktem Bezug zur Emissionsreduktion unter den zehn wichtigsten. Daneben beobachtet der Radar die Kreislaufwirtschaft sowie die Elektrifizierung leichter und schwerer Nutzfahrzeuge.
Gemeinsam ist diesen Trends, dass sie Lieferketten stärker auf Ressourceneffizienz und Wiederverwendung ausrichten und dazu beitragen sollen, CO₂-Emissionen zu senken.
Für den Straßengüterverkehr sind vor allem zwei Entwicklungen greifbar: Alternative Kraftstoffe wie HVO lassen sich bereits heute in bestehenden Diesel-Lkw einsetzen. Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge erfordert dagegen neben neuen Fahrzeugen auch eine passende Ladeinfrastruktur und angepasste Einsatzplanung.
Warum gewinnt die Diversifizierung der Lieferkette an Bedeutung?
Lieferketten, die von wenigen Lieferanten, Routen oder Knotenpunkten abhängen, sind anfällig. Fällt ein Glied aus, gerät schnell die gesamte Kette ins Stocken. Die Diversifizierung der Lieferkette setzt deshalb auf eine breitere Aufstellung – bei Bezugsquellen ebenso wie bei Transportwegen und Netzwerken.
Für Verlader:innen heißt das konkret: Wer Alternativen bereits eingeplant hat, kann im Störfall schneller umschalten. Ein dichtes, grenzüberschreitendes Straßennetzwerk ist dabei ein wichtiger Baustein, weil es kurzfristig flexible Routen und Kapazitäten ermöglicht.

Was bedeuten die Trends für DHL Freight und den Straßengüterverkehr?
Der Trend Radar betrachtet die Logistik als Ganzes. Für uns als Spezialist für den Straßengüterverkehr in Europa werden mehrere der Trends bereits im Tagesgeschäft konkret. Wir von DHL Freight verbinden sie mit unseren Lösungen vor allem in drei Bereichen:
- Daten und KI: Wir verfolgen die Entwicklungen rund um Agentic AI und AI Analytics genau und prüfen, wo datengestützte Anwendungen echten Mehrwert schaffen – etwa um Transportabläufe vorausschauender zu planen oder auf Störungen schneller zu reagieren. Für uns gilt dabei: KI unterstützt Entscheidungen, die Verantwortung bleibt beim Menschen.
- Digitale Schnittstellen: Über myDHLFreight können Kund:innen Transporte online buchen und Sendungen verfolgen. Digitale Prozesse wie diese bilden die Datenbasis, auf der KI-gestützte Anwendungen künftig aufsetzen.
- Emissionsreduktion: Mit GoGreen Plus bieten wir Kund:innen die Möglichkeit, die CO₂e-Emissionen ihrer Straßentransporte durch den Einsatz alternativer Kraftstoffe zu reduzieren.
Auch im Straßengüterverkehr gilt die Kernaussage des Berichts: Technologie entfaltet ihren Nutzen erst durch die Menschen, die sie einsetzen. Fahrer:innen, Disponent:innen und Terminal-Teams bringen Erfahrung und Urteilsvermögen ein, die keine Software ersetzt – und digitale Werkzeuge können ihnen den Rücken freihalten.
DHL Logistics Trend Radar 8.0
Alle Trends, ihre Bewertung und ausführliche Hintergründe finden Sie im vollständigen Bericht von DHL Customer Solutions & Innovation.
Ausblick: Warum KI und Menschen in der Logistik zusammengehören
Der DHL Logistics Trend Radar 8.0 markiert einen Wendepunkt: KI entwickelt sich vom Werkzeug zum Akteur in der Lieferkette. Agentic AI und AI Analytics machen Lieferketten schneller, vorausschauender und anpassungsfähiger. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass dieser Fortschritt nur trägt, wenn Unternehmen ihn mit klaren Regeln, wirksamem Schutz und qualifizierten Teams absichern.
Bemerkenswert ist vor allem die Verbindung zweier Perspektiven, die oft getrennt diskutiert werden. Technologie und Arbeitswelt stehen in der achten Ausgabe gleichberechtigt nebeneinander. Hinzu kommen Emissionsreduktion und Resilienz als Daueraufgaben, die mit jeder neuen Technologie zusammengedacht werden müssen.
Für Verlader:innen und Logistikverantwortliche liefert der Radar damit eine fundierte Grundlage, um Prioritäten für die kommenden Jahre zu setzen. Sie möchten wissen, wie sich diese Trends auf Ihre Transporte im europäischen Straßengüterverkehr auswirken? Sprechen Sie uns an!
Katja Busch
Klaus Dohrmann
Thomas Ogilvie