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Batterien an Bord

Batteries on board – About the Transport of Hazardous Materials

Schutzmaske, Handschuhe und Feuerlöscher. All das braucht man für den Transport von Gefahrgut. Einer der vielen Kolleginnen und Kollegen im Konzern, der sich damit auskennt, ist Apostolos Dimoskakis. Er verschickt Batterien für Elektrofahrzeuge vom DHL Freight Terminal in Renningen bei Stuttgart zu Autoherstellern.

Batterien brauchen eine Spezialbehandlung. Die bekommen sie von Apostolos Dimoskakis vom Freight-Terminal in Renningen. Er ist Manager Forwarding und Fachkraft für Gefahrgut. Deswegen fallen die Sendungen von Autobatterien für einen großen deutschen Automobilhersteller in seinen Bereich. Regelmäßig organisieren er und sein Team von sechs Disponenten Batterietransporte vom Hersteller in der Nähe von Stuttgart zum Werk des Autobauers in Ungarn.  

Zunächst mutet es an wie ein gewöhnlicher Transport. 28 Paletten werden bei Freight für den Transport angemeldet. Apostolos Dismoskakis und sein Team suchen einen Servicepartner, oder DHL Ungarn übernimmt die Fahrt selbst. Aber: „Geht es um Batterien, gibt es besondere Vorschriften. Sie sind Gefahrgut und dafür gibt es klare Regeln“, erklärt er.

Die werden im ADR (Agreement concerning the International Carriage of Dangerous Goods by Road) festgelegt, – dem „Europäischen Übereinkommen für den Transport gefährlicher Güter auf der Straße“. Im ADR werden für alle Güter sogenannte Gefahrgutpunkte vergeben. Wird die Schwelle von 1.000 Punkten überschritten, braucht man ein spezielles ADR-Fahrzeug. Und das trifft für Batterien zu.  

Batterien fallen in die Gefahrgutklasse neun und gehören zu den gefährlichen Stoffen. Der Lkw muss aus diesem Grunde außerdem mit dem typischen orangefarbenen und feuerfesten Gefahrgutschild gekennzeichnet sein. „So erkennt beispielsweise die Autobahnpolizei sofort, dass das Fahrzeug nicht durch Wasserschutzgebiete fahren darf und kontrolliert es und die Ladungssicherung häufiger“, weiß Apostolos.

Sicherheit für Gefahrgut

Konkret bedeutet das: Im Lkw müssen sich zwei Feuerlöscher und eine Schutzausrüstung befinden. Dazu gehören unter anderem Stiefel, Schutzmaske, Handschuhe, Taschenlampe, Schaufel, Sprühflasche zum Ausspülen der Augen. Das ist notwendig, weil es bei unsachgemäßer Verpackung, Überhitzung oder Beschädigung zu Bränden oder Kurzschlüssen kommen kann. Außerdem können giftige Gase oder ätzende Chemikalien auslaufen.

Aus diesem Grund muss auch der Fahrer geschult sein. Dazu gehört beispielsweise, dass er sich mit Gefahrgutklassen auskennt, die Dokumentation von ADR-Transporten beherrscht, Experte für sein Fahrzeug, die Ladung und die entsprechende Sicherung ist. Und vor allem, dass er weiß, was bei Unfällen zu tun ist. Vor jeder Abfahrt kontrollieren Apostolos und seine Kollegen stets, ob die Schutzausrüstung des Fahrers komplett ist. „Ein ADR-Fahrzeug mit entsprechendem Fahrer ist schwerer zu bekommen und natürlich auch teurer. Die Kosten liegen circa 100 bis 150 Euro pro Auftrag über denen für einen herkömmlichen Lkw. Das ist aber notwendig, da wir hier unbedingt regelkonform unterwegs sein müssen“, erklärt Apostolos Dimoskakis.

Zu beachten ist außerdem, dass die Ladung besonders gesichert ist. „Ladungssicherung ist generell wichtig, aber bei Gefahrguttransporten sind die Lkw zusätzlich mit Rutschmatten ausgelegt, alles wird mit Kantenschutz versehen und mit Spanngurten festgezurrt“, ergänzt der Experte für Gefahrguttransporte.

Batterietransporte bei DHL FreightBatterietransporte bei DHL FreightBatterietransporte bei DHL FreightBatterietransporte bei DHL Freight

Gefahrgutklassen

  • Klasse 1 – Explosive Stoffe
  • Klasse 2 – Gase und gasförmige Stoffe
  • Klasse 3 – Entzündbare flüssige Stoffe
  • Klasse 4.1 – Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe, desensibilisierte explosive Stoffe
  • Klasse 4.2 – Selbstentzündliche Stoffe
  • Klasse 4.3 – Stoffe, die mit Wasser entzündliche Gase bilden
  • Klasse 5.1 – Entzündend wirkende Stoffe
  • Klasse 5.2 – Organische Peroxide
  • Klasse 6.1 – Giftige Stoffe
  • Klasse 6.2 – Ansteckungsgefährliche Stoffe
  • Klasse 7 – Radioaktive Stoffe
  • Klasse 8 – Ätzende Stoffe
  • Klasse 9 – Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände
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UN-Nummer

Oft sind auf den orangefarbenen Schildern Nummern. Das sind sogenannte UN-Nummern:  eine vierstellige Zahlenfolge, die Gefahrgut bezeichnet. Lithium-Ionen-Batterien, die nicht verbaut sind, haben die Nummer 3480.

Alle Divisionen arbeiten zusammen

Seit mehr als drei Jahren schickt das Renninger Team zwei bis drei Mal pro Monat Batterien für den Autobauer auf die Reise - zuletzt 33 Paletten. Der Transport der Batterien für Elektrofahrzeuge spielt eine so große Rolle, dass es im Konzern noch viele weitere Kolleginnen und Kollegen gibt, die sich mit dem Thema befassen und über ihren Unternehmensbereich hinweg zusammenarbeiten. DHL Global Forwarding (DGF) transportiert zum Beispiel sogenanntes Batteriematerial, das für die Herstellung der Akkus benötigt wird. DHL Supply Chain (DSC) lagert Fahrzeugbatterien in Lagerhäusern in ganz Europa und arbeitet mit Recyclingfirmen zusammen, um genau alte Batterien zu entsorgen. DHL Customer Solutions and Innovations (CSI) kümmert sich übergreifend um die größten DHL-Kunden, zu denen auch große Automobilkonzerne gehören.

Das Thema „Neue Energie“, zu dem auch der Transport von Batterien und Elektromobilität gehört, ist außerdem fest in der Konzernstrategie verankert und ein großer Wachstumsmarkt. Fahren künftig mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen, werden auch mehr Batterien gebraucht. Außerdem sind Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) auf dem Vormarsch, die Stromnetze stabilisieren. Es wird erwartet, dass dieser Bereich sogar noch stärker wächst als der Markt für Elektroautos. Die Folge: Es gibt mehr zu tun für DHL Group.

Ganz wichtig ist dabei, dass alle Divisionen des gesamten Konzerns zusammenarbeiten. Das tun sie beispielsweise in mehreren so genannten EV Centers of Excellence, die idealerweise in der Nähe der großen Automobilhersteller angesiedelt sind. EV steht für Electric Vehicle, also Elektrofahrzeug. Dort sitzen die DHL-Experten für diese Fahrzeuggruppe. Insgesamt gibt es 15 dieser Zentren in 13 Ländern. Das Besondere: Sie werden von verschiedenen Divisionen geleitet. Freight ist für vier von ihnen in Deutschland federführend verantwortlich: Wustermark, Berlin City, Hannover und Neutraubling.

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EV Centers of Excellence bieten maßgeschneiderte Lösungen für die gesamte Lieferkette von Elektrofahrzeugen und Lithium-Batterien an. Dazu gehören:

  1. Transport: Transport aller E-Fahrzeugteile sowie Lithium-Ionen-Batterien.
  2. Fertige Fahrzeuge: Spezialisierte Dienstleistungen für den Transport von Teilen für Prototypen.
  3. Ersatzteil-/Zubehörmarkt: Betreuung und Belieferung von Händlern mit Ersatzteilen für E-Fahrzeuge, Planung von Batterietransporten.
  4. Batterie-Handhabung: Abwicklung von Gefahrguttransporten – für nicht beschädigte Batterien.

Timo Köhler, bei DHL Freight für die EV-Sektor-Entwicklung verantwortlich, erklärt: „Das Konzept des EV Center of Excellence geht über reine Transportlösungen und Dienstleistungen hinaus. Wir wollen die gesamte Lieferkette für E-Fahrzeuge optimieren, Visionen schaffen und damit einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten.“

Produktion bis Verwertung

DGF bringt die Rohstoffe, die für die Herstellung der Batterien gebraucht werden per Seefracht  zu sogenannten Gigafabriken – besonders großen Produktionsstätten –, die überall auf der Welt aus dem Boden sprießen. Bestandteile wie Lösungsmittel und Elektrolyt sind flüssig und werden in Isotanks transportiert. Sie können je nach Eigenschaft des Materials temperaturkontrolliert oder bei Umgebungstemperatur transportiert werden.

Aber auch fertige EV-Batterien werden per Container um die Welt geschickt. In gekühlten oder herkömmlichen Containern, manchmal auch mit einer extra Schicht Thermoliner, einer speziellen Isolierung. Der Großteil aller Batterien und des Batteriematerials kommt aus China.

DSC betreibt mehrere Batterielager in Europa, unter anderem in Deutschland, in den Niederlanden, der Slowakei, Großbritannien, Spanien und Ungarn. Mindestens vier weitere sollen im Laufe der nächsten 18 Monate öffnen. Genau wie für die ADR-Fahrzeuge gelten auch für solche Lager besondere Vorschriften: Sprinkleranlage und Bereiche, die abgeriegelt werden können, sind notwendig für den Fall eines Brandes. Und besonders wichtig ist auch hier, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit Gefahrgut geschult sind.

DSC arbeitet darüber hinaus mit Partnern für Kreislaufwirtschaft zusammen. Reparaturunternehmen wie Cox Automotive und Batterierecycler wie Fortum gewinnen Rohstoffe aus beschädigten oder unbrauchbaren Batterien zurück, die dann in neuen Batterien wiederverwendet werden können.

Nachfrage steigend

Fabio Sacchi, bei CSI verantwortlich für den Bereich Elektromobilität, erklärt: „Der Elektrofahrzeugmarkt wächst im zweistelligen Bereich – 2025 allein in Deutschland um 25 Prozent. Und auch bei Nutzfahrzeugen werden zweistellige Verkaufsraten erwartet. Demzufolge steigt auch die Nachfrage nach Fahrzeugbatterien und den entsprechenden Logistiklösungen, die wir anbieten.“  

Und so werden Apostolos Dimoskakis und sein Team in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch viel mehr ADR-Lkws mit Batterien an Bord auf die Reise schicken.

Laura Lehnen

Autorin

Laura Lehnen ist Redakteurin und Pressesprecherin bei DHL Group. Der Kommunikation ist sie seit ihrem Berufsstart in der Pressestelle eines Radiosenders treu geblieben. Dass sie einmal so lange in einem Unternehmen bleibt, hätte sie anfangs nie gedacht. Aber bei DHL gibt es auch nach 15 Jahren noch so viele spannende Geschichten zu entdecken und zu erzählen.

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