Der alle zwei Jahre erscheinende DHL Global Connectedness Report hat sich seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2011 zur derzeit umfassendsten Analyse der Globalisierung entwickelt. Die Ausgabe 2026 stützt sich auf über neun Millionen Datenpunkte zu Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen, um globale Trends zu untersuchen und 180 Länder nach ihrem Vernetzungsgrad zu erfassen.
Was leistet der DHL Global Connectedness Report?
Als Weltmarktführer in der Logistik spürt DHL Veränderungen der globalen Warenströme unmittelbar. Der Warenfluss ist jedoch nur ein Aspekt der Globalisierung, auch wenn in der öffentlichen Debatte beides oft gleichgesetzt wird. DHL betrachtet die Thematik aus einer weiteren Perspektive. Der DHL Global Connectedness Report 2026 erfasst neben den internationalen Handelsströmen auch die globalen Kapital-, Informations- und Personenflüsse im Zeitraum von 2001 bis 2025 in 14 Kategorien.
Differenzierte und kontextualisierte Analysen
Die absoluten Zahlen allein sagen wenig über die tatsächliche Entwicklung der Globalisierung aus. Konkrete Fragen dazu lassen sich nur beantworten, wenn diese Daten in einen Kontext gestellt und nach Tiefe und Breite erfasst werden.
- Tiefe der internationalen Ströme: Inwieweit sind die Ströme eines Landes international und nicht inländisch?
- Breite der internationalen Ströme: Inwieweit sind die Ströme global breit gestreut und nicht auf bestimmte Herkunfts- und Zielorte konzentriert?
Operative Exzellenz und Forschungsexzellenz fließen in den Report ein
Der DHL Global Connectedness Report (vormals DHL Global Connectedness Index) erscheint seit 2011 regelmäßig. Für die Reports stärkt DHL seine eigene Expertise durch wissenschaftliche Kooperation. Wie in den vergangenen Ausgaben ist der Global Connectedness Report 2026 in Zusammenarbeit mit dem Center for the Future of Management der New York University Stern School of Business entstanden.
DHL hat an diesem führenden Kompetenzzentrum für datengetriebene Globalisierung eine Initiative ins Leben gerufen. Sie verfolgt das Ziel, die umfassendste Datensammlung zu internationalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen in der akademischen Welt aufzubauen und zu pflegen.
In einer komplexen und sich schnell verändernden Welt sind zeitnahe Daten und Analysen entscheidend. Vor dem Hintergrund dramatischer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche liefert der DHL Global Connectedness Report die umfassendste verfügbare Bewertung der tatsächlichen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme, die Länder auf der ganzen Welt miteinander verbinden. Die diesjährigen Ergebnisse stellen die Annahme, dass die Welt in eine Phase der Deglobalisierung eingetreten ist, entschieden in Frage.
Steven Altman
Senior Research Scholar und Director der DHL Initiative on Globalization am Center for the Future of Management der NYU Stern
Was sind die 10 Key Takeaways des DHL Global Connectedness Reports?
- Stabile globale Vernetzung: Es gibt keine Verlagerung von internationalen zu nationalen Beziehungen bei Handel, Kapital-, Informations- und Personenverkehr.
- Schnelles Wachstum des Warenhandels: Der globale Handel wuchs 2025 schneller als in jedem anderen Jahr seit 2017 (mit Ausnahme während der Covid-19-Pandemie).
- Anhaltendes zukünftiges Handelswachstum: Für den Zeitraum 2026-29 wird weiteres Wachstum des Welthandels im gleichen durchschnittlichen Tempo wie im vergangenen Jahrzehnt angenommen.
- Weiter rückläufige Bindungen zwischen den USA und China: Seit 2016 ist der Anteil der US-amerikanischen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme mit China um 42 % gesunken, während Chinas Anteil mit den USA um 37 % zurückgegangen ist.
- Rückläufige US-Direktimporte aus China: Der Anteil der US-Importe direkt aus China ist vom Höchststand von 22 % im Jahr 2017 auf 13 % im Jahr 2024 gesunken, in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 betrug er nur mehr 9 %.
- Keine Aufspaltung in getrennte geopolitische Blöcke: Lediglich 4 bis 6 % des globalen Warenhandels, der Auslandsdirektinvestitionen sowie der grenzüberschreitenden Unternehmensfusionen und -übernahmen haben sich im letzten Jahrzehnt von geopolitischen Rivalen weg verlagert.
- Internationaler Geschäftsverkehr hauptsächlich zwischen befreundeten Ländern: Dadurch wird die Gefahr begrenzt, welche De-Risking-Strategien für die Globalisierung darstellen.
- Große durchschnittliche Entfernungen bei Warenhandel und Auslandsdirektinvestitionen: Beide Faktoren wiesen 2025 ihre bisher größten durchschnittlichen Entfernungen auf, während der Anteil dieser Ströme innerhalb wichtiger geografischer Regionen auf neue Tiefststände sank.
- Singapur ist das Land mit der weltweit stärksten globalen Vernetzung. Singapur hat im Verhältnis zum Inlandsgeschäft die größten internationalen Kapitalströme, Großbritannien verzeichnet die weltweit breiteste Verteilung der Kapitalströme.
- Irreführende Narrative zur Deglobalisierung: Die Welt bleibt so vernetzt wie zuvor. Tatsächliche Veränderungen der grenzüberschreitenden Ströme finden nicht statt, Schlagzeilen und Diskurse gehen eher auf politische Initiativen zurück.
Kriege, Zölle, Unsicherheiten: Wachsen die globalen Wirtschaftsströme trotz alledem weiter?
Die Risiken für die Globalisierung sind real, doch ebenso real ist die Stabilität der internationalen Ströme. Angesichts dramatischer geopolitischer Umbrüche gibt es zwei parallele Entwicklungen:
- Die Zukunft der Globalisierung wird zunehmend infrage gestellt.
- Die internationalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenflüsse erweisen sich nichtsdestotrotz als stabil.
Die Globalisierung erreichte 2022 einen Rekordwert und blieb bis 2025 nahezu konstant. Obwohl die Welt komplexer und volatiler geworden ist, war keiner der Ströme 2024 oder 2025 rückläufig. Informationsströme haben im Vergleich zu den anderen drei Strömen den höchsten Globalisierungsgrad erreicht. An zweiter Stelle folgen Kapitalströme, dann Handelsströme. Personenströme liegen weit zurück und weisen einen deutlich niedrigeren Globalisierungsgrad auf.
Wird die Globalisierung durch Regionalisierung abgelöst?
Aufgrund von Bedenken mit Blick auf die Resilienz von Lieferketten haben einige Fachleute einen Wandel von der Globalisierung zur Regionalisierung prognostiziert. Diese Vorhersagen spiegeln sich jedoch nicht in den globalen Mustern internationaler Aktivitäten wider. Die neuesten Daten zeigen, dass sich die internationalen Ströme in den letzten Jahren insgesamt nicht stärker regionalisiert haben. Eher ist das Gegenteil der Fall.
Ein wesentlicher Faktor für die Zunahme internationaler Ströme über größere Entfernungen in den letzten Jahrzehnten ist das Wachstum der Schwellenländer. Dadurch haben sich die Austauschmöglichkeiten zwischen geografischen Regionen erweitert.
Spaltet geopolitische Rivalität die Weltwirtschaft in Blöcke?
Spannungen und Konflikte schüren die Befürchtung, die Weltwirtschaft könnte in rivalisierende Blöcke zerfallen und bestehende wirtschaftliche Verflechtungen gefährden. Fakt ist: Die Beziehungen zwischen den USA und China sind stark rückläufig, zudem besteht eine tiefe Spaltung zwischen Russland und westlich orientierten Volkswirtschaften.
Davon abgesehen bleiben die globalen Handelsströme weitgehend intakt. Es gibt zwar Anzeichen für eine Ausrichtung des internationalen Handels und der Investitionen an geopolitischen Allianzen. Das Ausmaß dieser Fragmentierung ist jedoch noch sehr begrenzt. Die meisten Länder pflegen weiterhin ihre traditionellen Beziehungen und eine Aufspaltung der Welt entlang geopolitischer Linien ist in weiter Ferne.
Trotz anhaltender Belastungen bieten die diesjährigen Ergebnisse des DHL Global Connectedness Report Anlass zur Zuversicht: Die Globalisierung kehrt sich nicht um. Sie gestaltet sich neu und findet zu einem neuen Gleichgewicht, während sie auf einem historisch hohen Niveau bleibt. Länder und Unternehmen passen sich weiterhin mit bemerkenswerter Widerstandsfähigkeit an.
Tobias Meyer
CEO DHL Group
Fazit: Warum wird die Deglobalisierung überbewertet?
2025 war die Welt so stark vernetzt wie nie zuvor. Die Stabilität der internationalen Handelsströme steht im starken Kontrast zur weit verbreiteten Einschätzung, die Globalisierung befinde sich im Umbruch.
Das Missverständnis beruht vermutlich auf einer übermäßigen Fokussierung auf die größten Volkswirtschaften oder militärischen Supermächte. Aufgrund ihrer großen Binnenmärkte sind diese Länder naturgemäß weniger abhängig von globalen Handelsströmen. Dadurch fällt ihr Gesamtbeitrag zu internationalen Strömen geringer aus, als es ihrem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung entspricht. Tatsächlich erwirtschaften die zehn größten Volkswirtschaften der Welt zwei Drittel des globalen BIP, sind aber an weniger als der Hälfte des gesamten Welthandels beteiligt.
Eine zunehmend multipolare Welt jenseits der Supermächte befördert daher die Globalisierung. Zudem stärkt die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften die Lieferketten und die Globalisierung insgesamt. De-Risking lautet eines der Schlagwörter. De-Risking-Strategien sollten jedoch nicht mit Deglobalisierung oder Regionalisierung gleichgesetzt werden.
Alles in allem zeichnet der DHL Global Connectedness Report 2026 kein Bild einer zunehmend fragmentierten und regionalisierten Welt, sondern einer Welt, in der sich die Verbindungen weiterentwickeln.
Den vollständigen DHL Global Connectedness Report sowie die Key-Highlights-Broschüre können Sie hier downloaden.

FAQs zum DHL Global Connectedness Report 2026
1. Was ist der DHL Global Connectedness Report?
Der DHL Global Connectedness Report ist die derzeit umfassendste Analyse der Globalisierung. Er wertet mehr als neun Millionen Datenpunkte zu Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen aus. Insgesamt werden 180 Länder nach ihrem Vernetzungsgrad erfasst.
2. Seit wann gibt es den DHL Global Connectedness Report?
Der DHL Global Connectedness Report (vormals DHL Global Connectedness Index) erscheint seit 2011 regelmäßig. Für seine Erstellung kooperiert DHL mit dem Center for the Future of Management der New York University Stern School of Business. An diesem Kompetenzzentrum hat DHL eine Initiative ins Leben gerufen, um die umfassendste Datensammlung zur Globalisierung zu erstellen.
3. Ist die Globalisierung rückläufig?
Trotz geopolitischer Krisen und Handelskonflikte erweisen sich die internationalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenflüsse als stabil. Die Globalisierung erreichte im Jahr 2022 einen Rekordwert und blieb bis 2025 nahezu unverändert.
4. Ist die Regionalisierung ein nachhaltiger Trend?
In den letzten Jahren haben sich die internationalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme nicht regionalisiert. Aufgrund des Wachstums der Schwellenländer nehmen die internationalen Ströme über größere Entfernungen sogar zu.
5. Welches ist das globalisierteste Land der Welt?
Singapur ist das Land mit der weltweit stärksten globalen Vernetzung. Im Verhältnis zum Inlandsgeschäft verzeichnet der südostasiatische Insel-Stadtstaat die größten internationalen Kapitalströme. Großbritannien weist hingegen die weltweit breiteste Verteilung der Kapitalströme auf.
Steven Altman
Tobias Meyer