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Strategische Lösungen für nachhaltige Mobilität: Logistik für Elektrofahrzeuge

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight

Auch wenn die Wachstumskurve bei den Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge in Deutschland und Europa nicht immer linear nach oben verläuft, ist die E-Mobilität weltweit auf dem Vormarsch. Für etablierte Fahrzeughersteller und weitere Automotive-Akteure verändert die E-Mobilität viele Prozesse grundlegend. Das bleibt auch für die Logistik nicht ohne Folgen. Welche das sind, erläutert Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight, im Gespräch mit Freight Connections.

Leidenschaft für E-Mobilität

Welche Auswirkungen hat die Elektromobilität auf die Logistik und welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für die Expert:innen von DHL Freight? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Timo Köhler ist als Global Sector Head EV DHL Freight für die Entwicklung logistischer Strategien für Elektrofahrzeuge zuständig.

Timo Köhler ist Feuer und Flamme für das Thema E-Mobilität. „Ich arbeite gerne an Problemlösungen, gerade mit meinen Kunden zusammen. E-Mobilität ist ein neuer Bereich, der mich fasziniert – alles, was dahintersteckt, und die Möglichkeiten, die sich auftun.“ Dabei verliert Timo Köhler auch andere Lösungen und Technologien nicht aus dem Blick, die uns in Zukunft CO₂-neutraler machen. „Und das ist ja das ausgeschriebene Ziel. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die CO₂-Neutralität ein bisschen voranzutreiben.“

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, die CO₂-Neutralität ein bisschen voranzutreiben.

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight

Nah am Kunden: Die Center of Excellence für Elektrofahrzeuge

DHL Freight hat auf die neuen Anforderungen der Automotive-Branche reagiert und im Juni 2025 in Deutschland vier Center of Excellence (CoE) für elektrische Fahrzeuge in Betrieb genommen. Berlin City, Wustermark, Hannover und Neutraubling – die vier CoE von DHL Freight sind in der Nähe großer Automobilhersteller angesiedelt. Und Nähe ist hier das Stichwort. „Die CoE sind für uns eine Möglichkeit, unseren Kunden im Bereich E-Mobilität noch näher zu sein“, erläutert Timo Köhler die Strategie von DHL Freight hinter den Centern.

„Wir gewährleisten, dass wir physisch nah an unseren Kunden sind und dass Fahrten nicht lange dauern. Unser Expertenteam steht nicht nur für Fragen und Antworten zur Verfügung, sondern kann auch Lösungen aus der Nähe heraus anbieten. Zusammen mit unseren anderen flächendeckenden Niederlassungen ist das ein Standortvorteil.“

DHL Freight verfügt über umfassende Expertise in der Logistik für E-Fahrzeuge: „Durch unser tägliches operatives Geschäft haben wir uns dieses Know-how erarbeitet und bündeln es in den CoE, um es unseren Kunden anzubieten.“ Und weil dieses Konzept so erfolgreich ist, sind in Kooperation mit DHL Customer Solutions and Innovation (CSI) weitere CoE für Elektrofahrzeuge in Europa in Planung.

Control Tower sorgen für Planbarkeit und Flexibilität

Schwankende Produktion und Nachfrage erfordern Flexibilität von Herstellern und Logistikern. Um sowohl Planbarkeit als auch Flexibilität zu gewährleisten, kommt in den CoE das Control-Tower-Konzept zum Einsatz. Es ermöglicht eine zentrale Koordination und Sichtbarkeit über alle Transportaktivitäten hinweg.

Timo Köhler veranschaulicht, worum es dabei geht: „Das heißt, wir haben ein Dedicated Team, das für den Kunden alle Vorgänge lenkt und auch als zentraler Ansprechpartner dient. Der Kunde weiß immer, an wen er sich wenden kann. Bei Problemen bieten unsere Teams Lösungen an und halten beispielsweise bei schwankender Produktion Lieferungen zurück. Im anderen Fall beschleunigen sie Sendungen, die etwa auf einzelnen Paletten aus einem anderen Hub mit einem schnelleren, kleineren Fahrzeug geliefert werden.“

Durch unser tägliches operatives Geschäft haben wir uns Know-how im Bereich E-Mobilität erarbeitet und bündeln es in den Center of Excellence, um es unseren Kunden anzubieten.

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight
Statistik zu weltweit verkauften elektrischen Autos bis 2030: 60 %

Herausforderungen der Logistik für E-Fahrzeuge

OEMs und Zulieferer wollen in politisch bewegten Zeiten ihre Lieferketten einerseits resilienter und andererseits nachhaltiger gestalten. Dennoch verändert sich die Nachfrage nach Transportlösungen und die Gestaltung von Transportdienstleistungen auch im Zeitalter der E-Fahrzeuge nicht grundlegend. „Auch hier geht der Transport von A nach B“, bekennt Timo Köhler. Dennoch sind mit der Logistik für Elektrofahrzeuge besondere Anforderungen verbunden.

20.000 vs. 2.000 Einzelteile

Timo Köhler weist auf einen signifikanten Unterschied zwischen E-Mobilität und Verbrennungsmotor hin: „Ein Auto mit Verbrennungsmotor besteht aus etwa 20.000 Teilen, ein E-Fahrzeug hingegen nur aus 2.000 Teilen. Das hängt vor allem mit dem Motor zusammen, denn der E-Motor ist weniger komplex.“

Das ändert allerdings nichts an grundlegenden Dienstleistungsprinzipien wie Just-in-Time und Just-in-Sequence. Bei Teilen mit hoher Frequenz, etwa den Spezialreifen für E-Fahrzeuge, muss das Just-in-Time-Prinzip genauso funktionieren wie in der klassischen Automobil-Logistik. „Dafür sind die Kolleg:innen im Control Tower natürlich geschult und kennen die Anforderungen“, so Timo Köhler.

Servicequalität für OEMS und Tier-1-Zulieferer

Trotz der geringeren Teilezahl sind die Ansprüche an die Servicequalität nicht gesunken, sondern gestiegen. Wenn die Hersteller weniger Teile im Auto verbauen, werden die Serviceanforderungen je Teil höher, da die Kosten für einen eventuellen Ausfall durch Transportbeschädigung oder Beschädigung in der Lagerhaltung relevanter werden können.

Das betrifft laut Timo Köhler besonders die Batterie: „Die Batterie macht etwa ein Drittel der Gesamtkosten eines E-Fahrzeugs aus. Diese Gewichtung hat selbstverständlich Auswirkungen auf die Anforderungen an die Servicequalität rund um batteriespezifische Logistikdienstleistungen – beispielsweise, wenn eine Batterie ausgetauscht werden muss. Dann wird die Qualität noch viel genauer hinterfragt und überprüft. Eine hohe Servicequalität müssen wir selbstverständlich garantieren.“

Darstellung des Batteriekreislaufs von E-Fahrzeugen

Die größte Herausforderung hat einen Namen: Lithium-Ionen-Batterie

Lithium-Ionen-Batterien sind (noch) kein etabliertes Transportgut. Im Einzelfall muss eine individuelle Lösung ausgearbeitet werden. Zunächst einmal gilt: „Eine Batterie ist Gefahrgut. Wie eine Batterie verpackt ist, entscheidet jedoch der OEM. Von der Beschaffenheit dieser Verpackung hängt die Lösung ab“, erklärt Timo Köhler. „Es gibt beispielsweise Batterien, die verpackt breiter als 2,40 Meter sind. Sie lassen sich nicht unmittelbar in unsere Netzwerke integrieren, da wir sie nicht mit einem Hebebühnenfahrzeug laden können. Dann müssen wir eine Dedicated Solution anbieten, die solche Batterien handhaben kann und Rücksprachen mit den Kunden halten, damit sie ihre Verpackungen für Transportdienstleistungen noch optimieren können.”

Ein weiterer Faktor ist der Status der Batterien: grün, gelb oder rot? „Grüne Batterien können ohne Probleme transportiert werden, gelbe Batterien sind beschädigt. In welcher Art und Weise muss dann festgestellt werden, um eventuell andere Transportkonzepte zu entwickeln. Rote Batterien sind sehr stark beschädigt oder werden zum Recycling überführt. Für die braucht man eine Speziallösung, die nicht von den Standardtransporten im Netzwerk abgedeckt wird.“

Was beim Transport von Batterien beachtet werden muss

Am Anfang eines Batterietransports steht ein tatkräftiges Team, das im Gefahrgutbereich gemäß dem europaweiten Gefahrgutabkommen ADR ausgebildet ist. Die Transportplanung beginnt dann mit der Statuserfassung. Tim Köhler verrät: „Derzeit sind es meist grüne Batterien, da vor allem neue Batterien auf dem Markt sind. Das wird sich aber sukzessive ändern, so dass dann auch verstärkt kaputte Batterien, sogenannte End-of-Life-Batterien, transportiert werden müssen.“

Der Status ist wichtig: Grüne Batterien sind „normales“ Gefahrgut, weshalb Transportdienstleistungen technisch und regulatorisch entsprechend ausgelegt sein müssen. „Grüne Batterien können wir in der Regel mit unserem flächendeckenden Netzwerk in Europa abdecken“, erklärt Timo Köhler. „Wenn das nicht möglich ist, bieten wir eine Dedicated Solution an: Entweder kombinieren wir Ladungen oder nutzen einen einzelnen Lkw für den Transport mehrerer Batterien. Dabei müssen natürlich Zusammenladungsverbote und Ähnliches beachtet werden. Wir entwickeln bei besonderen Batterietransporten Lösungen, die sicher sind und den Anforderungen des Kunden an Servicequalität gerecht werden.“

Wir entwickeln bei besonderen Batterietransporten Lösungen, die sicher sind und den Anforderungen des Kunden an Servicequalität gerecht werden.

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight

Autobatterien und Aftermarket: Ersatzteillogistik im E-Zeitalter

Der Aftermarket ist ein sensibler Bereich, wie Timo Köhler ausführt: „Im Aftermarket sind die Endkund:innen der OEMs direkt betroffen. Das heißt, hier geht es darum, die Servicequalität hochzuhalten, um den Ansprüchen unserer Kunden und deren Ansprüchen gegenüber ihren Kund:innen gerecht zu werden.“

Im Aftermarket-Bereich müssen spezifisch angefragte Ersatzteile generell schnell verfügbar sein, damit Kund:innen bedient werden können. Das versteht sich zwar von selbst, kann aber dadurch erschwert werden, dass verpackte Batterien breiter als zwei Meter und sehr schwer sein können. Die Gegebenheiten beim Händler oder in der Werkstatt vor Ort spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Tim Köhler schildert ganz praktische Fragen, die sich die Mitarbeitenden von DHL Freight auch im Zeitalter von KI noch stellen: „Gibt es einen Gabelstapler, einen Hubwagen oder einen elektrischen Hubwagen? Manchmal geht es um so simple Dinge wie: Wie bekomme ich die Batterie über den Bordstein?“ Die größte Herausforderung, auch was den Aftermarket betrifft, bleibt daher die Batterie.

Nachhaltigkeit in der Transportlogistik für E-Fahrzeuge

Für eine Branche, die nachhaltige Fahrzeuge anbietet, sind nachhaltige Logistiklösungen von besonderem Wert. DHL Freight unterstützt seine Kunden dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Ein starkes Signal ist beispielsweise das CoE für Elektromobilität in Berlin. E-Lkws für den Lieferverkehr sowie Windkraft und Photovoltaik am Gebäude setzen klare Zeichen für Nachhaltigkeit.

Unabhängig von solchen Leuchtturmprojekten gestaltet DHL Freight die Transporte für die E-Mobility-Anbieter ebenso wie für alle seine anderen Kunden so nachhaltig wie möglich. Im Pickup- und Delivery-Bereich beispielsweise mit E-Fahrzeugen und im Linienverkehr außerdem mit emissionsreduzierten Kraftstoffen.

Gerne berät DHL Freight auch in anderen operativen Bereichen. Timo Köhler hat da eine klare Vision: „Ich glaube, dass man die Kunden weiter unterstützen kann, indem man ihnen zeigt, wie sie Prozesse sauberer und CO₂-reduzierter gestalten und die gesamten Supply-Chain-Emissionen reduzieren können. Wichtig sind dabei Aspekte wie: Wie arbeiten die Kolleg:innen? Wie sind die Gebäude ausgestattet? Lässt sich das Grundwasser wiederverwerten?“

Ich glaube, dass man die Kunden weiter unterstützen kann, indem man ihnen zeigt, wie sie Prozesse sauberer und CO₂-reduzierter gestalten und die gesamten Supply-Chain-Emissionen reduzieren können.

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight

GoGreen-Angebote und E-Mobilität sind eine gute Ergänzung

Ein sinnvolles Angebot für Automotive-Kunden mit Fokus auf E-Mobilität sind die GoGreenPlus-Angebote von DHL Freight. Timo Köhler zeigt sich von GoGreen überzeugt: „Wir bieten gerne GoGreen an, damit sich unsere Kunden über Insetting aktiv an der Dekarbonisierung der Lieferketten beteiligen können. Natürlich können Kostendruck und Nachhaltigkeitsziele in Konkurrenz stehen, aber das GoGreen-Angebot ermöglicht uns nicht nur, in nachhaltigere Techniken zu investieren. Es ist auch eine direkte Lösung für unsere Kunden, damit sie mit diesem Ansatz möglichst viel für sich selbst erreichen können.“

In der Standardisierung liegt die Zukunft der Logistik für E-Fahrzeuge

Der Kostendruck in der Automotive-Branche wurde schon erwähnt. Hier kann Standardisierung Abhilfe schaffen. Timo Köhler erwartet, „dass sich gerade der Bereich der Logistik für E-Fahrzeuge standardisiert, insbesondere in Bezug auf die Batterien. Dann kann man eher von einem Tagesgeschäft sprechen, bei dem man seinen Kunden Lösungen und Services in hoher Qualität standardmäßig anbietet. In diesem Fall muss man nicht ständig eine Dedicated Solution finden, sondern kann Standardprozesse anwenden, was natürlich kosteneffizienter ist. Sowohl für den Kunden als auch für uns.“

Recycling: zentraler Faktor für den Erfolg batterieelektrischer Fahrzeuge

Das Thema Recycling ist insbesondere bei Batterien von großer Bedeutung. Wichtig wird sein, dass die wiedergewonnenen Rohstoffe aus dem Recycling schnellstmöglich und effizient in den ökonomischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Das erfordert gemeinsame Anstrengungen, ist Timo Köhler überzeugt: „Im Bereich Elektromobilität ist es meiner Meinung nach wichtig, dass alle Parteien Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Prozesse Tag für Tag zu verbessern und kosteneffizienter zu gestalten.“

Im Bereich Elektromobilität ist es meiner Meinung nach wichtig, dass alle Parteien Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Prozesse Tag für Tag zu verbessern und kosteneffizienter zu gestalten.

Timo Köhler, Global Sector Head EV DHL Freight

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Kooperation als Motor der des Fortschritts

Eine solche Zusammenarbeit hat es in Timo Köhlers Berufsleben schon gegeben. „Es ging um eine neue Art von Batterie und deren Transportverpackung. Ich war sehr früh in den Prozess einbezogen und wurde nach Logistiklösungen gefragt. Es kann hilfreich sein, wenn die Logistik von Anfang an in die Marktreifung eines Produkts involviert ist, um zu sehen, wie sich Verpackung, Transport und Handling des Produkts von vornherein abstimmen lassen.“

Timo Köhler freut sich generell, wenn beispielsweise auf Messen die E-Mobilität und die Logistik für die E-Mobilität immer stärker in den Fokus rücken und die Akzeptanz, der Zuspruch und die Anfragen zunehmen. „Man merkt, dass sich das entwickelt, dass immer mehr Leute dabei sind und dass man gemeinsam etwas erreichen will.“

Timo Köhler schätzt das Gefühl von Gemeinsamkeit, dass man etwas zusammen nach vorne bringen möchte. „Das verbindet einen mit vielen neuen Menschen und Ideen. Und das finde ich immer wieder schön: neue Menschen und neue Ideen kennenzulernen und dann zu versuchen, das gemeinsam voranzutreiben.“

Vielleicht wird nicht aus jeder Idee ein tragfähiges Konzept, aber es ist gut zu wissen, dass es bei DHL Freight Menschen wie Timo Köhler gibt, die eine Vision haben und alles daransetzen, sie zu verwirklichen.

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