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Einmal Libanon, bitte! Transport von Medizin aus Deutschland nach Asien

Was tun, wenn ein Kunde kurz vor den Weihnachtsfeiertagen einen Kühltransport mit Medizinartikeln in den Libanon anfragt? Für Jörn Bez und sein Team von DHL Freight Maintal lag die Antwort auf der Hand: Abliefern! Nicht nur die Ware war in diesem Fall besonders, sondern ebenso die große Distanz und der beschwerliche Weg zum Ziel im Libanon.

Eigentlich sind Jörn Bez, Manager Forwarding DHL Freight, und sein Team vom Freight-Terminal Maintal schon in Vorweihnachtsstimmung, als ein Kunde aus dem Rhein-Main-Gebiet am späten Nachmittag des 21. Dezembers mit einem Transportauftrag an sie herantritt.

Was? Ein Kühlauflieger mit BiThermo Ausstattung sowie ADR (Gefahrgut) für den Transport von Medizinartikeln

Wohin? Beirut, Libanon

Zeitpunkt der Übernahme: 29.12.2021

Vorausschauende Routenplanung für den sicheren Transport der sensiblen und wichtigen Güter

„Bereits zu Beginn der Planung war klar, dass der reine Landweg ausgeschlossen ist. Denn eine Fahrt durch das kriegsgeschädigte Syrien mit hochwertigen medizinischen Artikeln empfiehlt sich zur Zeit nicht“, erklärt Bez. Auch die Fährverbindung von Mersin an der türkischen Mittelmeerküste nach Beirut kommt nicht in Frage, da sich der Hafen der libanesischen Hauptstadt durch die Explosion im Sommer 2020 noch immer im Wiederaufbau befindet.

Die Lösung: Per Fähre von Mersin nach Tripolis und von dort aus knapp 100 Kilometer die Küstenstraße entlang in Richtung Süden nach Beirut. Der Schutz der transportierten Waren hat für DHL Freight immer die höchste Priorität. Wenn es aber, wie im Falle von Medizinartikeln, um die Gesundheit von Menschen geht, ist eine besondere Vorsicht geboten.

Die geplante Reise vom Rhein-Main-Gebiet bis nach Beirut.

Je nach Art und Zweck des Transports muss entschieden werden, welche Verkehrsmittel zum Einsatz kommen. Das Flugzeug ist ideal für schnelle Transporte bei geringer Warenmenge, große Warenmengen lassen sich gut mit dem Schiff transportieren, was aber wiederum lange dauert, während Schienen- und Straßentransporte die größtmögliche Flexibilität erlauben. In diesem Fall waren wir in der Auswahl aber eingeschränkt: Denn der direkte Weg würde durch Krisengebiete führen, die den Warentransport gefährden könnten. Alle anderen Entscheidungskriterien galt es in diesem Fall der Sicherheit unterzuordnen.

Kühltransport: Was eine Spedition beim Transport von Medizinprodukten beachten muss

Neben der Sicherheit der Route muss noch eine weitere Komponente bei Medizintransporten beachtet werden: die Kühlung der Produkte während des gesamten Transportwegs. Um die Kühlkette gewährleisten zu können, haben wir einen Kühlauflieger mit BiThermo und nach ADR-Bestimmungen, die den sicheren Umgang mit Gefahrgut regeln, verwendet.

3.300 Kilometer durch Europa

Als alle erforderlichen Genehmigungen von Seiten Risk and Security vorliegen, wird der Transportunternehmer beauftragt und pünktlich vor Silvester startet der Lkw aus dem Rhein-Main-Gebiet in Richtung Südosten. Nach knapp 3.300 Kilometern quer durch Osteuropa und die Türkei ist die erste Etappe am 5. Januar geschafft.

Dann geht es nach vier Tagen Wartezeit am 9. Januar übers Mittelmeer. Im Hafen Tripolis im Libanon wartet die nächste Herausforderung: „Wir haben schon damit gerechnet, dass es beim Zoll ein paar Tage dauern wird, da der Libanon kein normales Drittland ist“, erzählt Bez.

Bilder am Hafen von Tripolis. Alt vs. neu: Für den Transport der Medizinartikel kam bei uns modernstes Equipment zum Einsatz (Bild ganz rechts).

Doch im Hafen von Tripolis wird wegen Kraftstoff- und Strommangel gestreikt und eine Kontrolle der Transportgüter ist obligatorisch – geschlagene acht Tage nimmt die Verzollung schließlich in Anspruch. „Ich bin mir sicher, dass es ohne die beherzte Hilfe des Warenempfängers noch länger gedauert hätte“, sagt Bez.

Von Tripolis nach Beirut

Am 19. Januar treten die Medizinartikel schließlich ihre letzte Etappe an. Über Byblos und Jounieh geht es die Küstenstraße entlang bis nach Beirut. Knapp 3.900 Kilometer über Land und See hat der Lkw zu diesem Zeitpunkt zurückgelegt. Dabei wurde die im Auflieger befindliche Ladung die gesamten bisherigen 22 Transporttage konstant auf +5 °C Grad kühl gehalten.

Entladen einmal anders

Die Entladung ist so abenteuerlich wie der Transport insgesamt. Mitten auf der Straße im wuselnden Verkehr von Beirut entleeren Gabelstapler das Fahrzeug Palette für Palette. Alles gut gekühlt und nun auch sicher angekommen. „Ich bin wirklich stolz auf unser Team, dass wir diesen Transportauftrag zur vollen Zufriedenheit unseres Kunden abwickeln konnten“, sagt Bez. „Manchmal kamen wir uns wie in der alten Fernfahrerserie ‚Auf Achse‘ vor!“

Über das DHL-Freight-Terminal Maintal
Auf einer Umschlagsfläche von 10.000 m² und zusätzlichen 5.000 m² für die Automobilbranche fertigen 170 Mitarbeiter täglich 2.500 Sendungen für unsere nationalen und internationalen Kunden ab. Am 1. November 2022 zieht das Team vom Maintal gemeinsam an den neuen DHL-Freight-Standort in Erlensee, das mit modernsten Anlagen und einem Gefahrstofflager ausgestattet wird.

Fazit: In 22 Tagen aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Beirut

Nicht nur der Zeitpunkt, mitten im Jahreswechsel, war bei diesem Transport besonders. Die Route zum Ziel war voller Hindernisse, von zerstörten Gebieten bis Streiks. Dazu die transportierte Ware, die besonders sensibel und zusätzlich konstant gekühlt werden musste. Viele Herausforderungen auf einmal, die DHL Freight und das Team von Jörn Bez mit aller Erfahrung ideal meistern konnten.

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