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Nachts Auto fahren: Bußgelder vermeiden, für Sicherheit sorgen

Viele Lkw fahren in der Nacht, um die Versorgung sicherzustellen. Funktionierendes Licht, Pausen und die Wahl der richtigen Route sind wichtig, um gut ans Ziel zu kommen – und kein Bußgeld zu riskieren. Von diesen Tipps profitieren alle Autofahrer.

Nachts zu fahren ist anstrengend, denn:

  • Die Konzentration schwindet schneller als bei Tageslicht.
  • Schlechte Sicht bei Dunkelheit und Regen erschwert die Fahrt zusätzlich.
  • Falsch eingestelltes oder defektes Licht ist gefährlich.
  • Wer müde am Steuer sitzt, ist nicht fahrtüchtig und muss eine Pause machen.

Damit auch nachts die Straßen sicher sind, gelten für Fahrten mit dem Lkw besondere Regeln.

Dürfen Lkw nachts überhaupt fahren?

Nachts sind die Parkplätze für Lkw, etwa an Autobahnen, meist gut belegt: Die Lkw stehen dicht an dicht. Einige aber rollen. Dürfen sie das? Es gilt:

  • In Deutschland existiert kein generelles Nachtfahrverbot.
  • Aber es gibt Einschränkungen: Ob Lkw fahren dürfen, hängt ab vom zulässigen Gesamtgewicht, vom Wochentag oder auch von der Straße, die sie nutzen.
  • Die Bundesländer können für einzelne Streckenabschnitte Regeln aufstellen. Ziel der Einschränkungen ist es vor allem, Anwohner vor Lärm und Abgasen zu schützen. Denn seit der Einführung der Mautgebühren auf deutschen Autobahnen im Jahr 2005 wählen viele Brummifahrer die kostenfreien Strecken über Bundes- und Landstraßen.

Bei Verstößen gegen Nachtfahrverbote werden Bußgelder fällig

Vom Gesetzgeber aus

  • dürfen Lkw unter 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und ohne Anhänger zu jeder Tageszeit fahren und
  • haben Lkw über 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht oder mit Anhänger sonntags und an Feiertagen von 0 bis 22 Uhr bundesweit auf allen Straßen ein Fahrverbot.

Geschäftsmäßig oder entgeltlich dürfen sie dann keine Güter befördern oder Leerfahrten machen, so regelt es § 30 der Straßenverkehrsordnung. Wer sich nicht daran hält, muss mit Bußgeldern rechnen:

  • Der Lkw-Fahrer zahlt 120 Euro, der Halter 570 Euro.
  • Sind Halter und Fahrer identisch, bleibt es bei 570 Euro.
  • Punkte gibt es keine.
Schwere Lkw dürfen verderbliche Lebensmittel auch nachts und feiertags transportieren.
Schwere Lkw dürfen frische und verderbliche Lebensmittel auch nachts und feiertags transportieren. Die Coronapandemie machte weitere Ausnahmen von Fahrverboten möglich.

Auf Landes- und Bundesstraßen gelten Nachtfahrverbote

Vor allem, um Anwohner vor Lärm und Abgasen zu schützen, gelten auf vielen Landes- und Bundesstraßen tägliche Nachtfahrverbote – häufig bereits für Lkw ab 3,5 Tonnen Gewicht.

  • Die Nachtruhe gilt in der Regel von 22 bis 6 Uhr.
  • Auch manche Streckenabschnitte auf den Autobahnen können dann für Lkw tabu sein.
  • Welche Straßen es betrifft, entscheiden die Länder selbstständig.
  • Wer gegen ein Verbot verstößt, riskiert ein Bußgeld von 75 Euro und einen Punkt in Flensburg.

9 Tipps: So fahren Sie sicher durch die Nacht

  • Säubern Sie vor dem Start die Scheiben, da Schlieren und Schmutz die Sicht behindern und die Blendung verstärken.
  • Reinigen Sie auch Ihre Brillengläser.
  • Prüfen Sie, ob Scheibenwischer und Scheinwerfer intakt sind und ob Wischwasser nachgefüllt werden muss.
  • Gerade bei Fahrten im Dunkeln ist eine höhere Sitzposition wichtig, denn sie kann den Blendeffekt durch den Gegenverkehr reduzieren. Normalerweise sind Scheinwerfer so eingestellt, dass sie entgegenkommende Fahrzeuge nicht blenden. Beim Fahren über Bodenwellen kann sich der Lichtkegel aber kurzzeitig nach oben bewegen und blenden. Sitzt man höher, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Blendung.
  • Halten Sie einen größeren Sicherheitsabstand ein als am Tag, da man sich im Dunkeln leicht in den Entfernungen verschätzt.
  • Bei Regen ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Achtung, Aquaplaning!
  • Machen Sie eher mehr als weniger Pausen. Für Berufskraftfahrer gibt es Vorschriften für Ruhepausen und Lenkzeiten. Alle zwei Stunden einen Stopp einzulegen, kurz zu schlafen und sich dann zu bewegen, hält fit.
  • Wenn Sie einen Transporter oder Lkw fahren, prüfen Sie vor Antritt der Fahrt, ob es auf Ihrer Strecke Nachtfahrverbote gibt.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihre Sehkraft prüfen, auch Ihre Nachtsichtfähigkeit. Das ilgt vor allem, wenn Sie älter als 50 Jahre sind.

Intaktes Licht verhindert Unfälle

Wer nachts unterwegs ist, muss gut sehen und gut gesehen werden. Doch beim Licht von Lkw, Transportern und Bussen gibt es immer noch große Mängel. Rund jedes dritte Fahrzeug zeigte beim Licht-Test 2020 Mängel. Der Licht-Test ist eine Gratisaktion, die die Deutsche Verkehrswacht und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe jährlich im Oktober anbieten. Millionen Halter und Fahrer nutzen sie. Der aktuelle Befund zum Thema Licht:

  • Mehr als jeder fünfte Lkw hatte Probleme mit den Scheinwerfern.
  • Fast jeder zehnte blendete den Gegenverkehr, weil die Scheinwerfereinstellung zu hoch war.
  • Bei über vier Prozent der Fahrzeuge war ein Hauptscheinwerfer ganz ausgefallen.
  • Bei 9,9 Prozent war das rückwärtige Licht und
  • bei 4,2 Prozent das Bremslicht defekt.

5.000 Mängelberichte flossen 2020 in die Statistik ein.Da Lkw die Sicht für die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer einschränken, sind der Verkehrswacht zufolge funktionierende Rück- und Bremslichter besonders wichtig, um Auffahrunfälle zu verhindern. Die „Nichtbeachtung der Beleuchtungsvorschriften“ sei nicht umsonst als Fehlverhalten im Katalog der Unfallursachen aufgeführt. Für nicht korrekte Beleuchtung beträgt das Bußgeld mindestens 20 Euro.

Lkw blenden nachts den Gegenverkehr – oft wegen falsch eingestellter Lichter.
Blendende, falsch eingestellte Lichter, defekte Rückleuchten: Das sind häufige Probleme bei Nachtfahrten.

Gutes Sehen schützt

Sehen Fahrerinnen und Fahrer gut, schätzen sie Gefahren besser ein und können schneller reagieren. Darum gilt:

  • Sie sollten ihre Sehschärfe regelmäßig überprüfen lassen.
  • Wer den Führerschein der Klassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE machen will, muss ein augenärztliches Zeugnis vorlegen.
  • Die Führerscheine gelten zudem nur fünf Jahre. Für eine Verlängerung müssen Bus- und Lkw-Fahrer unter anderem ihre Sehschärfe prüfen lassen, und zwar beim Augenarzt, nicht beim Optiker.
Nachts Auto fahren bedeutet, mit sauberen Fensterscheiben unnötige Blendeffekte zu vermeiden.
Jeder Fahrer und jede Fahrerin sollten nachts mit sauberen Scheiben fahren – das gilt auch für die eigene Brille.

Brillen für die Nachtfahrt: umstrittenes Extra

Viele Fahrerinnen und Fahrer sehen sich in der Dunkelheit vom Gegenverkehr geblendet. Gegen solche Effekte gibt es seit einigen Jahren sogenannte Nachtsichtbrillen. Sie filtern das bläuliche Licht heraus, das besonders stark blendet. Der Nutzen ist aber umstritten. Daher sollte eine solche Brille nur nach Rücksprache mit einem Augenarzt benutzt werden. Übrigens: Wenn im Führerschein die Schlüsselzahl 01 eingetragen ist, muss beim Fahren immer eine Brille getragen werden. Steht dort die 05.01, darf der Fahrer nur bei Tageslicht ans Lenkrad, das heißt: von einer Stunde nach Sonnenaufgang bis eine Stunde vor Sonnenuntergang.

Auto fahren in der Nacht erfordert häufige Pausen

Gerade nachts sollte niemand, der am Steuer sitzt, auf Pausen verzichten. Die wichtigsten Tipps:

  • Mindestens alle zwei Stunden eine Pause machen.
  • Das heißt: auf den Parkplatz und ein Powerschläfchen einlegen.
  • Auch Bewegung an der frischen Luft belebt.

Die Lenkzeit macht bei Berufskraftfahrern nur einen Teil ihrer Arbeitszeit aus. Zu ihr zählt auch das Be- und Entladen bzw. deren Überwachung, das Reinigen und Warten des Wagens und das Erledigen von Formalitäten. Laut Arbeitsschutzgesetz stehen ihnen wie allen Arbeitnehmern nach sechs Stunden Arbeit mindestens 30 Minuten Pause zu. Sitzen sie am Steuer, gilt:

  • Lkw-Fahrer müssen nach spätestens 4,5 Stunden Lenkzeit für mindestens 45 Minuten Pause machen.
  • Haben sie neun Stunden Lenkzeit hinter sich, müssen sie neun Stunden Ruhezeit einlegen.

Das sind die 5 Don’ts, wenn Sie nachts Auto fahren

  • Starten Sie nicht, wenn Sie müde oder gestresst sind.
  • Vertrauen Sie nicht auf die Wirkung von Kaffee, Cola oder Energydrinks. Diese Getränke erhöhen nur kurzfristig die Aufmerksamkeit. Anschließend ist die Müdigkeit meist stärker als zuvor. Greifen Sie lieber zu Wasser, Säften oder Tee.
  • Ihr Beifahrer sollte nicht schlafen. Gespräche halten die Aufmerksamkeit hoch. Das gilt auch fürs Radiohören: mitsingen erwünscht!
  • Bei Pausen nicht zu fettig, zu viel und zu schnell essen.
  • Nicht die Heizung zu hoch drehen. Kühle Temperaturen und viel Sauerstoff sind besser.
Kaffee beim Autofahren hilft nicht gegen Müdigkeit. Wer nachts fährt, sollte öfter pausieren als tagsüber.
Müde am Steuer? Kaffee ist keine Lösung. Wer nachts fährt, sollte öfter einen Stopp einlegen als tagsüber.

Assistenzsysteme verhindern Unfälle, auch bei Nacht

Viele Kfz unterstützen Fahrerinnen und Fahrer durch Assistenzsysteme. Diese verhindern nachweislich Unfälle oder mindern zumindest schwere Verletzungen. Automobilklubs wie der ADAC halten es bei vielen Systemen für sinnvoll, dass sie verpflichtend eingeführt werden. Das gilt vor allem für folgende Assistenzsysteme:

  • Der Abstandsregeltempomat ACC (Adaptive Cruise Control) regelt die eingestellte Geschwindigkeit, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und verhindert Auffahrunfälle. Die neuesten ACC+ bremsen bis zum Stillstand und steuern ein Stop-and-go im Stau.
  • Das automatische Notbremssystem AEBS (Advanced Emergency Braking System) veranlasst das Abbremsen, um einen Zusammenstoß zu verhindern oder abzumildern.
  • Das Spurhalteassistentsystem LKAS (Lane Keep Assist System) wirkt, wenn das Fahrzeug die Spur verlässt oder kurz davor ist, sie zu verlassen, und ein Zusammenstoß droht. Sie sind nach Ansicht des ADAC besser als Spurverlassenswarner, die nicht selbstständig gegensteuern.
  • Überholassistenten können ein komplettes Überholmanöver überwachen und unterstützen.
  • Der Fernlichtassistent erhöht deutlich die Sicherheit. Ist die Straße besser ausgeleuchtet, erkennt der Fahrer Gefahren schneller. Für neuere Fahrzeuggenerationen gibt es bereits dynamische Fernlichtassistenten, die die Lichteinstellungen selbstständig aktivieren, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird.
  • Speed Limiter helfen dem Fahrer, Geschwindigkeiten besser einzuhalten. Bei neueren Modellen wird der Speed Limiter mit einer Verkehrskennzeichenerkennung kombiniert.
  • Das Notbremslicht (Emergency Stop Signal) zeigt nachfolgenden Verkehrsteilnehmern, wenn das vor ihnen fahrende Fahrzeug langsamer abgebremst wird, als es die Verkehrssituation erfordert.
  • Die Fahrermüdigkeitserkennung und -aufmerksamkeitsüberwachung (Driver Drowsiness and Attention Warning) analysiert die Systeme des Fahrzeugs und warnt den Fahrer bei Bedarf. Der ADAC sieht in diesem System viel Potenzial, es gebe aber noch zu wenig Informationen zu Aspekten des Datenschutzes.

Lkw-Fahrverbote: Es gibt Ausnahmen, auch während der Coronapandemie

Lkw über 7,5 Tonnen müssen sonn- und feiertags von 0 bis 22 Uhr grundsätzlich stehen. Doch es gibt Ausnahmen: Empfindliche Güter oder dringend benötigte Produkte dürfen sonn- und feiertags auch mit Lkw über 7,5 Tonnen befördert werden, wenn eine Ausnahmegenehmigung vorliegt. Solche Produkte sind in der Regel:

  • frische Lebensmittel wie Milch, Fleisch und Fisch sowie
  • leicht verderbliches Obst und Gemüse.

Ausnahmen unabhängig vom Transportgut gab und gibt es für dicke Brummis während der Coronapandemie. Was aktuell gilt, kann man beim Bundesamt für Güterverkehr nachschauen. Der ADAC fasst die wichtigsten Infos zusammen, Suchbegriff: „Lkw-Fahrverbot“.

Übrigens: Das Sonn- und Feiertagsfahrverbot gilt grundsätzlich nicht für Wohnmobile auf dem Weg in den Urlaub.

Nachts fahren: Vor- und Nachteile, Tipps und Fahrverbote

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