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Autonome Zukunft

In den USA und Deutschland rollen selbstfahrende Lkw jetzt erstmals über öffentliche Straßen

Der Hoover Damm ist eine amerikanische Ikone. Ein Zeichen, dass die Vereinigten Staaten groß denken und große Taten vollbringen können. Und ein idealer Ort für den ersten Auftritt eines zugelassenen selbstfahrenden Lkw auf einer nicht abgesperrten öffentlichen Straße. Im Mai 2015 fuhr der Freightliner Inspiration Truck, geleitet vom Assistenz-System Highway Pilot, selbstständig über den Highway auf der Dammkrone. Dabei saß noch ein Fahrer im Führerhaus, denn beim sogenannten teilautonomen Fahren muss ein Mensch jederzeit eingreifen können. Fünf Monate später, am 2. Oktober 2015, dann der allererste Selbstfahr-Termin in Deutschland: Hier steuert ein Mercedes-Benz Actros ebenfalls teilautonom über die Autobahn A8 in der Nähe von Stuttgart. Diesmal gibt es sogar einen VIP-Beifahrer: den Ministerpräsidenten des Bundeslandes Baden-Württemberg, der nach eigenem Bekunden ein absolut sicheres Gefühl an Bord hatte.

Die Basis dieser Sicherheit ist eine Art Autopilot. Der sogenannte Highway Pilot besteht aus Frontradar und Stereokamera sowie einer Reihe bekannter Assistenzsysteme wie etwa einem Abstands-Regeltempomaten. Das Zusammenspiel dieser Komponenten ist inzwischen international ausgiebig getestet. Das System hat über 20.000 Kilometer auf Teststrecken in den USA und Deutschland hinter sich.

Nicht immer reibungslos

Die Vorteile: Die technischen Assistenten werden nie müde oder unaufmerksam, auch nicht bei langen monotonen Fahrten. Auch Dieselverbrauch und damit die CO2-Belastung können dank optimalem Beschleunigen, Schalten und Bremsen sinken. Die effiziente und gleichmäßigere Fahrweise ist zudem ein gutes Mittel gegen Staubildung. Darüber hinaus kann sich der Fahrer mit anderen Dingen beschäftigen: Frachtunterlagen bearbeiten, Touren planen, Telefonate führen etc.

Bis sich das teil- oder sogar vollautonome Fahren auf breiter Front durchsetzen wird, sind aber noch einige Jahre technischer Entwicklung nötig, besonders aber die Klärung von Fragen des Datenschutzes und der Haftung bei Unfällen. Dass teilautonomes Fahren manchmal nicht vollständig reibungslos verläuft, zeigt Google: Am 14. Februar 2016 kollidierte ein Fahrzeug des Internetkonzerns leicht mit einem Bus. Experten gehen davon aus, dass der teilautonome Pkw Schuld am Crash ist, da sein Algorithmus die Fahrweise des Buses falsch einschätzte. Der Unfall ist ein Beweis, wie wichtig Testfahrten auf dem Weg zum marktreifen Autopilot-Fahrzeug sind.

Regulatorisch feste Leitplanken sind also unbedingt nötig, um das autonome Fahren zum sicheren Erfolg zu machen. Im September 2015 beschloss das Bundeskabinett eine „Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren“, die vom Recht über Infrastruktur bis zum Datenschutz vielfältige Handlungsfelder abdeckt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt: „Mein Ziel ist, dass Deutschland Leitanbieter für automatisierte und vernetzte Fahrzeuge ist und zum Leitmarkt wird.“ Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist auch die Einrichtung des Digitalen Testfelds Autobahn auf der A9 in Bayern, gewissermaßen ein Testlabor unter Realbedingungen.

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