Games – vom Smartphone bis zur Konsole – sind besonders für junge (und zukünftige) Mitarbeitende Teil des Alltags. Gamification holt spielerische Elemente aus diesem Kosmos in die Betriebe. Das Ziel? Die Motivation der Belegschaft zu steigern und die Aus- und Fortbildung zu verbessern. Wie vielversprechend ist die Idee der Gamification für Unternehmen allgemein und für die Logistik im Besonderen?
Games sind Teil der Alltags- und Wirtschaftskultur
Unser Privatleben ist digital und die Geschäftswelt ist digital. In der Lebensrealität vieler Menschen überschneiden sich die privaten und beruflichen digitalen Sphären. Gaming und Online-Spiele hingegen dürften die meisten in der privaten Sphäre verorten. Doch diese Trennlinie ist längst nicht mehr so scharf.
Die jährlich in Köln stattfindende gamescom, die weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele, demonstriert eindrucksvoll, dass Computerspiele auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind. Und nicht nur das: Einige Spiele haben künstlerischen Wert, während andere zur Bildung beitragen. Auch für Unternehmen spielen Games und Apps mit spielerischen Elementen eine immer größere Rolle: als Serious Games oder unter dem Schlagwort Gamification.
Was ist mit Gamification gemeint?
Gamification (manchmal auch eingedeutscht zu Gamifizierung) bezeichnet die Einbindung von Spielen oder Spielelementen in einen spielfremden Kontext. Das klingt theoretisch, ist aber einfach erklärt.
Computerspiele können nämlich nicht nur privat sehr unterhaltsam sein, sondern auch dabei helfen, trockene Lerninhalte zu vermitteln oder tendenziell monotone Tätigkeiten auf spielerische Weise spannender zu gestalten.
- Game-Elemente lassen sich in Arbeitsabläufe integrieren. Dadurch wird eine Aufgabe zur Challenge.
- Auch in Ausbildungen, Trainingseinheiten oder Schulungen können Spiele – beispielsweise Quiz- und Rollenspiele – das Lernen auflockern und Lerninhalte verdeutlichen.
Worin besteht der Unterschied zwischen Gamification und Serious Games?
Gamification und Serious Games werden oft in einem Atemzug genannt. Der Unterschied ist: Gamification bedeutet die Anreicherung eines bereits existierenden Trainingsprogramms oder Arbeitsablaufs mit spielerischen Elementen. Serious Games sind selbstständige Spiele.
Ihr Ziel ist nicht die Unterhaltung. Sie sollen, wie der Name schon sagt, ernsthafte Inhalte vermitteln. Serious Games sind inhaltlich und thematisch nicht festgelegt. Das zentrale Abgrenzungsmerkmal gegenüber unterhaltungsorientierten Spielen ist jedoch immer ein klar formuliertes Bildungsziel.
Was sind typische Beispiele für Serious Games und Gamification?
- Ein klassisches Beispiel für Serious Games sind Flug- und Fahrsimulatoren zu Ausbildungszwecken. Beliebte Serious Games außerhalb konkreter Aus- und Fortbildungskontexte sind Fake It To Make It, das sich mit Fake News beschäftigt, oder Escape Climate Change.
- Ein gutes Beispiel für Gamification ist die Sprachlern-App Duolingo. Sie gestaltet das Lernen motivierend und unterhaltsam mit Punkten, Bestenlisten, Lernserien (Streaks) und virtuellen Belohnungen – typische Elemente der Gamification.
Welche Rolle kann Gamification im Unternehmen spielen?
Gamification ist ein innovatives Konzept. Das technisch Machbare sollte jedoch kein Selbstzweck sein, sondern der Erreichung eines bestimmten Ziels dienen. Und dieses Ziel ist, mithilfe spielerischer Technik die Motivation der Mitarbeitenden zu steigern, damit sie ihre Aufgaben besser ausführen. Höhere Motivation bedeutet höhere Zufriedenheit, die sich in mehr Effizienz niederschlägt.
Gamification ist kein Wundermittel, aber bei geschickter Anwendung eine gute Option, Prozesse zu optimieren. Das gilt besonders für die Logistik: Eine Studie des US-amerikanischen IT-Marktforschungsunternehmens Gartner prognostiziert, dass bis 2028 40 Prozent der großen Logistikzentren Instrumente zur Mitarbeitermotivation über Gamification einsetzen werden, um ihre Belegschaft zu aktivieren.
Welches ist das Motivationsprinzip von Gamification in Unternehmen?
Grundsätzlich ist zwischen Gamification in der Aus- und Weiterbildung und Gamification im Arbeitsalltag zu unterscheiden.
Wie hilft Gamification in der Fortbildung?
Im Unterricht können spielerische Simulationen und interaktive Quiz Lernprozesse effektiver gestalten und dazu beitragen, komplexe Inhalte besser verständlich zu machen. In der Logistik sind Warenströme ein gutes Beispiel. Wenn ein Logistikunternehmen seine eigenen Daten und Transportflüsse in einem Simulator visualisiert, werden diese nachvollziehbar. Ein spielerisches Element wäre die Möglichkeit, bestimmte Faktoren zu manipulieren, um den daraus resultierenden Effekt bewerten zu können.
Ein solches Visualisierungsmodell könnte auch außerhalb der Aus- und Weiterbildung ein wertvolles Instrument für Mitarbeitende und Kund:innen sein.

Wie wirkt Gamification im Arbeitsalltag?
Der Grundgedanke im Hinblick auf betriebliche Prozesse ist, sich wiederholende Abläufe spannender zu machen. Gamification-Konzepte setzen hierbei auf die gleichen Konzepte wie Lern-Apps.
- In-Game-Belohnungen
- Punktesysteme
- Leaderboards
- Level-Aufstiege
- Challenges
Solche Game-Elemente geben unmittelbares Feedback auf eine erzielte Leistung und können durch spielerischen Wettbewerb die Motivation steigern.
Welche Gefahren bestehen bei Gamification in Unternehmen?
Das Gamification-Konzept birgt in gewisser Weise die Gefahr, Mitarbeitenden mangelnde Motivation zu unterstellen. Die meisten sind jedoch von sich aus (intrinsisch) hoch motiviert. Die psychologischen Effekte, mit denen eine Effizienzsteigerung erreicht werden soll, verkehren sich ins Gegenteil, wenn durch Gamification zu großer Konkurrenz- und Leistungsdruck entstehen.
Intrinsisch motivierte Mitarbeitende können durch eine extrinsische Motivation, wie das Abschneiden in Rankings, auch demotiviert werden, wenn sie ständig schlecht ranken. Spielelemente müssen also bedachtsam konzipiert sein und ohne negativen Konkurrenzdruck auskommen.

Welche Anwendungsfälle von Serious Games und Gamification gibt es in der Logistik?
Sowohl in der Lager- als auch in der Transportlogistik gibt es Anwendungsfelder für Gamification.
- Supply-Chain-Monitoring durch Visualisierung und Simulation von Warenflüssen
- Mitarbeiterschulung mit interaktiven Spielen, Quiz und Simulationen
- Fahrverhalten: Die spielerische Datenanalyse von Kraftstoffverbrauch und energetischer Fahrweise fördert ökologisch günstiges und sicheres Fahrverhalten. In einem Leaderboard könnte es beispielsweise darum gehen, wer am meisten Kraftstoff spart.
- Kommissionierung: Spielelemente können integraler Bestandteil des Kommissionierungsprozesses sein, ohne bestehende Arbeitsabläufe zu verändern oder zu unterbrechen. Mithilfe von Gaming-Apps können Mitarbeitende Prämien sammeln, Level erreichen und an Team-Challenges teilnehmen.
- Laufwege im Lager: Lagerprozesse im Motorsport-Stil, bei denen die Laufwege beispielsweise wie Rennstrecken gestaltet sind und die Pick-up-Punkte zu Boxenstopps werden, sorgen für zusätzlichen Antrieb. Bei diesem Gamification-Konzept werden virtuelle Elemente und reale Laufwege miteinander verbunden.
Welchen effizienzsteigernden Effekt kann Gamification in der Logistik erzielen?
Hier ist das Beispiel für das Fahrverhalten am anschaulichsten: Die Challenge belohnt eine ökologische und sichere Fahrweise. Dadurch werden Unfälle vermieden, Material geschont, der Kraftstoffverbrauch gesenkt und die Kosteneffizienz direkt begünstigt.
Andere Gamification-Konzepte sorgen für ein tieferes Verständnis der Arbeitszusammenhänge und/oder eine höhere Motivation, indem der Spieltrieb der Mitarbeitenden aktiviert wird. Im Betrieb ist neben dem Homo oeconomicus nun auch der Homo ludens gefordert.
Für viele Menschen der Generation Z gehören Games jeglicher Art zur täglichen Realität. Mit den üblichen Belohnungskonzepten dieses Mediums sind sie vertraut. Für viele dürfte sich ein gamifizierter Arbeitstag ganz natürlich anfühlen und die Attraktivität des Arbeitgebers steigern.
Wie kommt ein Unternehmen an sein eigenes Serious Game?
Jedes Unternehmen hat spezifische Abläufe und Voraussetzungen. Serious Games für Unternehmen von der Stange kann es daher nicht geben. Sie müssen oft sehr detailliert für ein Unternehmen entwickelt werden und können deswegen nur für dessen interne Trainings und/oder Prozesse genutzt werden.
Gamification-Konzepte lassen sich zusammen mit einem Softwareentwickler umsetzen. Zunächst geht es um technische Fragen: Über welche Medien soll die Gamification ablaufen? Welche Schnittstellen zu Unternehmensdaten müssen geschaffen werden? Gamification lässt sich mit unterschiedlichen Techniken kombinieren:
- Apps für Smartphone, Tablets oder stationäre Computer
- Virtual Reality- oder Augmented Reality-Anwendungen über VR-/AR-Brillen
Wenn die ersten technischen Fragen geklärt sind, geht es ums Game-Design und nicht zuletzt auch um Fragen der Datensicherheit und der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden.
Wird Gamification zum logistischen Alltag?
Wenn man der Gartner-Studie Glauben schenkt, wird Gamification noch in diesem Jahrzehnt in vielen Logistikunternehmen eine große Rolle spielen. Die tatsächliche Entwicklung bleibt abzuwarten.
Es bestehen technische Hürden, die zunächst wohl nur größere Marktteilnehmer zu überspringen versuchen werden. Gleichzeitig warten mit der Automatisierung, umfassenden Digitalisierung und optimalen Ausschöpfung des KI-Potenzials zahlreiche weitere Aufgaben aus dem IT-Bereich auf die Unternehmen. Da kann Gamification leicht zum Nischenthema werden.
Um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das klar und zielgerichtet ist, ohne die Mitarbeitenden mit Belohnungen zu überfrachten oder unter Konkurrenzdruck zu setzen, sollten Bedarf, Aufwand und Potenzial sorgfältig analysiert werden.
In diesem Bereich stehen viele Unternehmen noch am Anfang und sammeln erste Erfahrungen. Wir von DHL Freight verfolgen diese Entwicklung genau. Wenn Sie Fragen zur digitalen Zukunft der Logistik haben, kontaktieren Sie uns gerne!
FAQs zum Potenzial von Gamification in der Logistik
1. Was sind Serious Games?
Serious Games sind Spiele, deren primäres Ziel nicht die Unterhaltung, sondern die Vermittlung ernsthafter Inhalte ist. Sie sind inhaltlich und thematisch nicht festgelegt. Das zentrale Abgrenzungsmerkmal gegenüber unterhaltungsorientierten Spielen ist jedoch immer ein klar formuliertes Bildungsziel.
2. Was bedeutet Gamification?
Gamification ist die Einbindung von Spielen oder Spielelementen in einen spielfremden Kontext. Gamification soll dabei helfen, Lerninhalte zu vermitteln (zum Beispiel durch Quiz oder Simulationen) oder berufliche Tätigkeiten spannender zu gestalten (zum Beispiel durch Leaderboards und Levelsysteme).
3. Wie kann Gamification Unternehmen unterstützen?
Die zugrunde liegende Idee ist, mithilfe spielerischer Techniken und Game-Elementen, mit denen viele Mitarbeitende aus ihrer Freizeit vertraut sind, deren Motivation zu steigern, damit sie Aufgaben besser ausführen und die betriebliche Effizienz steigt.
4. Welche Anwendungsfelder für Gamification gibt es in der Logistik?
Gamification kann sowohl in der Lager- als auch in der Transportlogistik Anwendung finden, zum Beispiel bei der Überwachung der Lieferkette, bei der Mitarbeiterschulung, beim Fahrertraining oder um die Kommissionierung abwechslungsreicher zu gestalten.
5. Welche Nachteile kann Gamification haben?
Bei der Entwicklung und Implementierung von Gamification-Konzepten für einzelne Unternehmen können sich hohe technische Hürden ergeben. Außerdem besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende durch Game-Rankings einem zu starken Konkurrenzdruck ausgesetzt sind, wodurch Gamification sogar einen negativen Motivationseffekt haben kann.