Range Extender im Pilotbetrieb: DHL Freight und BMW Group testen gemeinsam
Gemeinsam mit der BMW Group hat DHL Freight einen E-Lkw mit Range Extender mehrere Wochen lang im Realbetrieb erprobt – auf der Langstrecke Berlin-München und auf werknahen Tagestouren rund um München.
Das patentierte Fahrzeugkonzept verbindet einen vollelektrischen Antrieb mit einem kompakten Generator, der zusätzliche elektrische Energie bereitstellt, wenn die Ladeinfrastruktur nicht erreichbar ist oder Touren länger werden als geplant.
Der Pilot zeigt: Auf wiederkehrenden Relationen ist ein elektrischer Fahranteil von 80 bis über 90 Prozent möglich – selbst unter winterlichen Bedingungen.
Worum geht es bei dem Pilotprojekt?
DHL Freight und die BMW Group haben den Range Extender erstmals in der Logistik der deutschen Automobilindustrie eingesetzt. Über mehrere Wochen kam das Fahrzeug auf zwei zentralen Transportprofilen zum Einsatz, die typisch für die Werkeversorgung der BMW Group sind.
Die Langstreckenverbindung führte über rund 600 Kilometer von einem DHL-Paketzentrum nahe Berlin bis nach Unterschleißheim im Norden Münchens. Den überwiegenden Teil dieser Strecke legte der Lkw rein elektrisch zurück, der Range Extender unterstützte nur die verbleibenden Abschnitte. Ergänzend war das Fahrzeug auf werknahen Tagestouren rund um München unterwegs – mit Distanzen von wenigen bis rund 380 Kilometern.
Damit deckt der Pilot zwei sehr unterschiedliche Einsatzprofile ab: planbarer Linienverkehr über lange Distanzen einerseits, kleinteiliger Verteilerverkehr mit hoher Frequenz andererseits. Beide sind im Alltag der Automobillogistik fest etabliert – und beide stellen den batterieelektrischen Fernverkehr bislang vor unterschiedliche Herausforderungen.
Was leistet der Range-Extender-Antrieb technisch?
Der getestete Lkw hat ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 40 Tonnen. Sein Elektromotor liefert 230 kW Dauerleistung (295 kW Peak), die Batterie hat eine Kapazität von 416 kWh. Anstelle eines weiteren Batteriemoduls ist ein 120-kW-Generator verbaut, der bei Bedarf zusätzliche elektrische Energie bereitstellt – ohne den elektrischen Fahrbetrieb zu unterbrechen.
Entscheidend für den operativen Einsatz: Der Verbrennungsmotor ist nicht mechanisch mit dem Antriebsstrang verbunden. Das Fahrzeug behält den Charakter eines vollelektrischen Nutzfahrzeugs. Der Generator ist Absicherung, nicht Hauptantrieb.
Je nach Einsatzprofil ergibt sich daraus eine Gesamtreichweite von 650 bis 800 Kilometern. In der Praxis erreichte der Lkw selbst bei niedrigen Temperaturen oder eingeschränkter Ladeinfrastruktur einen elektrischen Anteil von 80 bis über 90 Prozent.
Merkmal
Wert
Zulässiges Gesamtgewicht
40 Tonnen
Elektromotor
230 kW Dauerleistung (295 kW Peak)
Batterie
416 kWh
Generator
120 kW
Gesamtreichweite
650 bis 800 km
Elektrischer Anteil im Praxistest
80 bis über 90 %
Warum setzt DHL Freight auf das Range-Extender-Konzept?
Die zentrale Frage im batterieelektrischen Fernverkehr ist nicht die maximale Reichweite eines Lkw, sondern seine Verlässlichkeit im Alltag. Genau hier setzt der Range Extender an.
Der Range Extender macht batterieelektrischen Fernverkehr für uns operativ verlässlich. Entscheidend ist nicht die maximale Reichweite, sondern die Widerstandsfähigkeit im realen Betrieb: Wir können auch dann elektrisch fahren, wenn Ladeinfrastruktur kurzfristig nicht verfügbar ist, Fahrpläne eng getaktet sind oder winterliche Bedingungen herrschen. So erreichen wir 80 bis 90 Prozent elektrischen Betrieb auf wiederkehrenden Relationen – und genau das beschleunigt den Einsatz von Elektromobilität im Fernverkehr.
Markus Voss, CEO DHL Freight
Für den operativen Betrieb bedeutet das: Touren lassen sich auch dann elektrisch abwickeln, wenn Ladepunkte ausgelastet sind, die Disposition sich kurzfristig ändert oder Etappen länger werden als geplant. Die Abhängigkeit von öffentlicher Schnellladeinfrastruktur sinkt – und damit eine der größten Hürden für die Integration von E-Lkw in bestehende Fernverkehrsstrukturen.
Wie passt das Projekt in die Strategie der BMW Group?
Für die BMW Group ist der Pilot Bestandteil ihrer Strategy for Reduced Emissions. Das ressortübergreifende Team bewertet alternative Antriebstechnologien entlang aller globalen Verkehrsträger – auf Basis technologischer Reife, wirtschaftlicher Umsetzbarkeit und infrastruktureller Entwicklung.
Mit unserer BMW Group Strategy for Reduced Emission suchen wir nach wirkungsvollen Wegen und Maßnahmen, die Emissionen in der Logistik zu verringern. Besonders wichtig ist dabei die Offenheit bezüglich der Antriebstechnologie, denn es kommt vor allem darauf an, möglichst schnell CO₂-Emissionen im Fahrzeugbetrieb zu senken. Dafür müssen der Anwendungsfall und die Antriebstechnologie zusammenpassen.
Michael Nikolaides, Leiter BMW Group Produktionsnetzwerk und Logistik
Pilotprojekte wie dieses ermöglichen es, neue Technologien frühzeitig unter realen Bedingungen zu erproben und datenbasiert in bestehende Logistikprozesse zu integrieren – statt erst auf eine perfekte Infrastruktur zu warten.
Wie ordnet DHL Freight den Piloten ein?
Für DHL Freight ist der Range Extender keine Festlegung auf eine einzelne Technologie, sondern ein weiterer Baustein in einem technologieoffenen Ansatz. DHL Freight erprobt parallel batterieelektrische Lkw, Wasserstoff-Lkw sowie Fahrzeuge mit HVO und Bio-LNG/CNG. So sind bereits über 1.500 Fahrzeuge mit emissionsreduzierten Kraftstoffen oder Elektroantrieben unterwegs.
Hier schließt das Range-Extender-Konzept an: Es ermöglicht den Einsatz elektrischer Antriebe in Einsatzbereichen, in denen sie bislang operativ schwer umsetzbar waren
– auf die planbaren Linienverkehre des Fernverkehrs und auf Tagestouren mit unklarem Ladefenster.
Die im Pilotbetrieb gemessenen elektrischen Anteile von 80 bis über 90 Prozent zeigen, dass batterieelektrischer Antrieb im Fernverkehr nicht erst ab einer flächendeckend ausgebauten Ladeinfrastruktur einsetzbar ist, sondern schon heute – wenn das Fahrzeugkonzept die operativen Realitäten berücksichtigt.
Range Extender als Brücke in den emissionsärmeren Fernverkehr
Der Pilot mit der BMW Group ist mehr als ein Technologietest. Er beantwortet eine der zentralen operativen Fragen der Branche: Wie lässt sich der elektrische Anteil im Fernverkehr maximieren, ohne dass Fahrpläne, Versorgungssicherheit oder Wirtschaftlichkeit darunter leiden? Die Antwort liegt in Konzepten, die elektrische Antriebe von der Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur entkoppeln – ohne den emissionsarmen Charakter aufzugeben.
[Wir freuen] uns bei der BMW Group sehr, dass wir gemeinsam mit starken Partnern – wie in diesem Fall DHL – mit innovativen Pilotprojekten an den richtigen Lösungen arbeiten können.
Michael Nikolaides, Leiter BMW Group Produktionsnetzwerk und Logistik
Für DHL Freight ist das ein weiterer Schritt im Rahmen des langfristigen Ziels, die logistikbezogenen Emissionen bis 2050 netto auf null zu reduzieren. Und für Kund:innen wie die BMW Group bedeutet es: Die Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Straßenfracht muss nicht auf die nächste Ausbaustufe der Infrastruktur warten – sie ist bereits in laufenden Transportprozessen möglich.
Fotos: Fabian Kirchbauer
Patrick Möller
Content Creation
Patrick Möller ist Autor für DHL Freight Connections. Als Teenager hat er als Redakteur Sammelkartenspiele und eSports-Events für unterschiedliche Medien begleitet. In seiner Ausbildung zum Marketingkaufmann entdeckte er schließlich seine Liebe zur Werbung – und zur Logistik. Seitdem verbindet er beides mit seiner Leidenschaft fürs Schreiben. Sammelkartenspiele spielt er übrigens immer noch.
Sollen wir dieses Thema gemeinsam vertiefen?
Neugierig geworden? Unsere Autor:innen helfen Ihnen gerne weiter. Schreiben Sie uns einfach eine kurze Nachricht – und wir tauchen gemeinsam tiefer ein.