Orangen auf Reisen

Der Weg, den frische Produkte bis zu ihren Verbrauchern zurücklegen, bleibt der Öffentlichkeit meist verborgen. Dabei sorgen gerade die Prozesse im Hintergrund für Qualität, Sicherheit und Transparenz in der globalen Nahrungsmittelversorgung.

Wenn über Evaldo da Costa Mellos Farm die Sonne aufgeht, werden die Schätze sichtbar, die der brasilianische Landwirt hütet: Chinesische Honigorangen, Indische Süßlimonen, Süße Orangen, Saure Orangen und sogar Papaya wachsen auf den Feldern bei Paranapuã, einer kleinen Stadt in der Region São. Von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags pflücken die Arbeiter – mit geschultem Blick für Qualität – das Obst von den duftenden Feldern. Jede Saison werden auf da Costa Mellos Farm 20 Millionen Kilogramm der bunten Früchte geerntet, zwischengelagert, verpackt und versendet.

Solche Erntemengen sind nichts Ungewöhnliches für eine Farm aus dem Hauptanbaugebiet von Orangen in Brasilien, dem sogenannten „Citrus Belt“. Brasilien ist der weltgrößte Produzent von Orangen: Etwa ein Drittel der Früchte und die Hälfte des gesamten Orangensafts stammen von hier. 80 Prozent der Orangen kommen aus der „Citrus Belt“-Region.

Zitrusfarmer sichern konstante Qualität

Zwischen Ernte und Ankunft der Früchte auf der CEAGE-SP, Südamerikas größtem Frucht- und Pflanzenmarkt, liegen lediglich fünf Tage – inklusive Transportzeit. Dabei hat die Qualitätssicherung höchste Priorität, erklärt da Costa Mello: „Nach der Ernte werden die Früchte in die Verpackungsstation gebracht, gewaschen und getrocknet. Für Glanz, Haltbarkeit und Schutz vor Pilzbefall wird Carnauba, ein spezielles Palmwachs, aufgetragen.“ Die beschädigten Früchte sortieren die Mitarbeiter aus, schicken sie weiter – lassen daraus Saft pressen.

Der Export: Sicher und ökonomisch

500 Kilometer südöstlich von Paranapuã liegt die Alfacitrus Farm von Petro Luiz Favero, die zugleich Exportfirma ist. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit mehreren Großhändlern, darunter Walmart und Carrefour, behält Favero die Sicherheit seiner Lebensmittel stets im Blick. „Chemische Analysen von führenden Instituten und regelmäßige Überprüfungen unseres Betriebes tragen dazu bei, dass wir die Sicherheitsanforderungen jederzeit erfüllen.“ Dafür ist der gesamte Prozess exakt getaktet. In weniger als 24 Stunden werden die geernteten Früchte zur Verpackungsstation transportiert. Am Zielort kommen sie dann, je nach Entfernung, vier bis 15 Stunden später an. Für Unternehmen wie Alfacitrus, die sowohl anbauen als auch exportieren, sind exakte Zeitabläufe enorm wichtig, um Vertriebspartner und Konsumenten mit hochwertigen Früchten beliefern zu können.

Der Food Logistik Manager

Andreas Lenz, DHL FoodLogistics[Foto: DHL]
Andreas Lenz, DHL FoodLogistics [Foto: DHL]

Einen Ozean und fast 10.000 Kilometer von den brasilianischen Farmen entfernt liegt Bonn, Hauptsitz von DHL Freight. Dort arbeitet Andreas Lenz als Geschäftsführer DHL FoodLogistics. Er steuert den Transport von Nahrungsmitteln in Europa und auf der ganzen Welt. Sein Team und er sind also immer dort, wo sie gerade gebraucht werden.Während es in Brasilien noch Nacht ist, hält Lenz den Transport in Gang und sorgt dafür, dass Orangen und andere Lebensmittel so schnell wie möglich in die Regale der Supermärkte gelangen. Gleichzeitig arbeitet er daran, Transportkosten und Energie einzusparen: „Je besser wir planen, desto weniger Lebensmittel werden verschwendet. So leisten wir unseren Beitrag zu einer nachhaltigen Versorgung.“

Bereits sechs bis acht Wochen bevor die Produkte im Handel oder der weiterverarbeitenden Industrie eintreffen sollen, koordiniert Lenz gemeinsam mit Kunden, Transporteuren und Empfängern den Versand. Bei der Planung spielen der verfügbare Transportraum, die zu verschiffende Menge sowie die Art des Produkts eine entscheidende Rolle. Im Fall von Orangen kommt noch der Blick auf weltweite Erntezeiten und saisonale Nachfrage hinzu, um den Prozess optimal abzustimmen.

In Lenz Aufgabenbereich fallen auch die internationalen Bestimmungen zu Import und Export verderblicher Lebensmittel. Da die Gesetze von Land zu Land variieren, muss ein Logistikunternehmen genau wissen, wie sich die Transportdauer auf die Qualität der Lebensmittel auswirkt. Deshalb beobachten Lenz und sein Logistik-Team sehr genau, wo Verzögerungen oder Probleme während des Transportes auftauchen. „Jeder zusätzliche Tag, den das Produkt auf dem Transportweg verbringt, verkürzt die Zeit, die es im Regal angeboten werden kann.“

Für Lenz und seine Mitarbeiter gleicht kein Tag dem anderen: Ihre Aufgaben fangen bei gemeinsamen Farmbesuchen mit Kunden an und reichen bis hin zur Planung der Transportprozesse, damit das Obst vom Feld seinen Markt sicher erreicht. DHL FoodLogistics managt also sowohl die einzelnen Schritte, als auch die gesamte Lieferkette. Die Öffentlichkeit nehme diese Vielfalt der Aufgaben allerdings nicht so stark wahr, so Lenz: „Viele Leute glauben, dass Logistik auf Knopfdruck funktioniert. Das Beispiel der Zitrusfrüchte zeigt aber, dass jeder Fall ein Einzelfall ist.“

Lenz ist stolz auf seine Rolle innerhalb der Logistikkette. „Wir achten bei jedem Schritt auf höchste Qualität zu bezahlbaren Preisen. Letztendlich sorgen wir dafür, dass Früchte wie Orangen überhaupt erhältlich sind und unterstützen unsere Kunden bei jedem Transportschritt.“

Author: Sonja Terbrüggen

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