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So ernähren sich (nicht nur) Lkw-Fahrer gesünder

DHL Freight verrät hier, warum Proteine statt Süßkram Profis am Steuer weiterbringen. Experten erklären außerdem, was Autobahn-Raststätten Lkw-Fahrern bieten und was besser werden sollte.

Gesunde Ernährung ist nicht einfach

Weißbrot und Limo – kein gesunder Input. Das wissen die meisten Lkw-Fahrer. In die Ernährungsfalle tappen sie oft trotzdem. Dies sind die Gründe:

  • Stress, weil Zeitpläne eingehalten werden sollen,
  • Monotonie, wenn sie stundenlang auf gleichförmigen Strecken unterwegs sind,
  • körperliche Schwerstarbeit, wenn be- und entladen werden muss,
  • Einsamkeit und Lethargie, wenn sie lange von Zuhause weg sind und ihre Freizeit auf Parkplätzen verbringen müssen.

Zu den möglichen Folgen zählen Schlafstörungen und Übergewicht, Diabetes und Kreislauferkrankungen.

Gute Lkw-Raststätten sind rar, das Essen teuer

Wer beruflich auf Autobahnen und Landstraßen unterwegs ist, dem wird es nicht leicht gemacht, sich

  • in Pausen zu erholen,
  • gesund und fit zu halten.

Sören Heinze vom ACE Auto Club Europa resümiert:

  • Es gibt zu wenig zugelassene Park- und Rastmöglichkeiten auf europäischen Autobahnen und Landstraßen. Die Angebote von Speditionen können die Lücken nicht füllen.
  • Angebot und Ausstattung sind in Westeuropa deutlich besser als in Südosteuropa.
  • Die Preise an Raststätten und Autohöfen sind für viele Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen zu hoch – vor allem in Deutschland und den nordischen Ländern.
  • Lkw-Fahrer aus Osteuropa erhalten oft nur den Mindestlohn ihrer Herkunftsländer sowie Spesen. Die sanitären Anlagen und das Einkaufen an deutschen Raststätten sind für sie teuer.
  • Das Essensangebot in Raststätten und Autohöfen hat oft zu viele Kalorien und Kohlenhydrate.

Die Coronapandemie hat die Situation für Lkw-Fahrer deutlich verschärft. Viele Rast- und Parkanlagenbetreiber in Europa haben ihre sanitären Anlagen ganz oder teilweise geschlossen. Das Bewirtungsangebot ist eingeschränkt.

Clevere Tourenplanung macht für Lkw-Fahrer vieles leichter

Smarte Planung verbessert die Arbeitsbedingungen der Fahrer. Und damit mindern sich die Risiken für falsche Ernährung. Gut organisierte Touren leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Aus Expertensicht ist hier anzusetzen:

  • Sind Touren zu eng getaktet, wird es schwierig, Standplätze für die Nacht zu bekommen.
  • Mehr Begegnungsverkehr würde es zumindest europäischen Truckern erlauben, öfter Ruhezeiten bei ihren Familien verbringen. Damit sinkt die Gefahr der sozialen Isolation.
  • Routenplanungssysteme sollten realistisch sein. Das bedeutet, dass sie die tatsächlichen Verkehrsbedingungen und Mitarbeiteranforderungen berücksichtigen.

Übrigens: Das von DHL finanzierte Start-up Greenplan bietet einen leistungsfähigen Algorithmus zur Routenoptimierung. Die Planungsdaten sind topaktuell, die Routen realistisch. Darum genießt Greenplan hohe Akzeptanz bei den Fahrern.

Raststätten und Autohöfe: mehr Qualität!

Ein günstigeres Preis-Leistungsverhältnis und insgesamt bessere Angebote auf Raststätten und Autohöfen würden der Gesundheit ihrer Nutzer dienen. Hilfreich sind:

  • kostenfreier Zugang zu Duschen und Toiletten,
  • preiswerteres und ausgewogenes Essen für Berufskraftfahrer,
  • Versorgungs- sowie Beratungs- und Fitnessangebote. Ein Teil der Mautgebühren ließe sich hier investieren.

Die App TRANSPark des Internationalen Transport Forum bündelt Infos weltweit. Von Afghanistan bis Zimbabwe sind Standorte und Leistungen von Park- und Rastplätzen, Autohöfen und Speditionen, die ihre Anlagen zur Verfügung stellen, abrufbar und ansteuerbar. Ein Routenplaner ist integriert. Vier Sprachen werden angeboten: Englisch, Französisch, Russisch und Türkisch.

So ernähren sich Lkw-Fahrer gesünder

Marc Rohde ist Gesundheitsexperte. Unter dem Titel „Bockstark“ hat er für die DAF Trucks Deutschland GmbH Ernährungs- und Fitnesstipps zusammengestellt. Seine Empfehlungen fürs Essen an der Raststätte:

Dies nur selten genießenDavon darf es mehr sein
Currywurst mit Pommes, Bockwurst im Brötchen oder Spaghetti Carbonara kann man mal essen. Aber bitte nur einmal die Woche! Selbst wenn es deftig schmeckt: Fettes und Süßes enthalten wenig Nährstoffe und fördern Übergewicht. Sie machen müde und krank.Greifen Sie an der Raststätte zu Unpaniertem. Wählen Sie Fleisch oder Fisch vom Grill und Gemüse ohne fertige Sauce. Oder einen Salat. Fragen Sie nach Essig und Öl, damit Sie die Salatsauce selbst mischen können.
Zu viel Zucker und Kohlenhydrate stecken in Weizenmehlprodukten wie Brötchen, Toastbrot und Keksen). Auch Limo, puren Obstsäfte, Fruchtnektare, Soßen, Ketchup und Mayonnaise, Paniertes und Frittiertes sind damit belastet.Entscheiden Sie sich öfter für einen Erbsen- oder Linseneintopf. Die enthaltenen Ballaststoffe regen die Verdauung an. Proteine sättigen länger. Zudem wirken sich Hülsenfrüchte positiv auf den Blutzucker- und Cholesterinwert aus. Diabetes Typ II kann dadurch verhindert werden.
Einfachzucker macht Lust auf noch mehr Zucker. Denn Süßes lässt den Blutzuckerspiegel steigen. Es löst recht schnell neues Hungergefühl aus. Schoko- und Müsliriegel sind daher keine gute Zwischenmahlzeit.Mit ganz leerem Magen häuft man sich zu viel auf den Teller. Trinken Sie daher ein Glas Wasser, ehe Sie an die Theke gehen. Wasser statt Limo spart zudem Kalorien.

Gesunde Ernährung, bessere Laune

„Wer sich mindestens dreimal pro Woche bewusst gesund ernährt, dem geht’s besser“, sagt Marc Rohde. Die meisten Lkw haben einen Kühlschrank an Bord. Und die meisten Lkw-Fahrer, die auf Parkplätzen an Autobahnen oder Landstraßen pausieren und übernachten, haben einen Campingkocher dabei. Denn selbst kochen spart Geld und vertreibt die Zeit. Mehr noch: So kommt Abwechslung auf den Teller.

Wer sich bewusst gesund ernährt, ist am Steuer fitter, wacher – und auch besser gelaunt.

Marc Rohde, Gesundheitsexperte
  • Versorgen Sie sich mit genug Eiweißen, Kohlenhydraten aus Gemüse und gesunden Pflanzenfetten.
  • Packen Sie vor der Tour Magermilchprodukte, Obst und Gemüse in den Truck.
  • Paprika, Äpfel und Möhren sind lange haltbar und leicht zu lagern.
  • Essen Sie zwei- bis dreimal pro Woche morgens Eier (ohne Brot) oder ungesüßte Haferflocken mit Joghurt und Heidelbeeren/Kiwis.
  • Eine rohe Paprika als Zwischenmahlzeit geht immer.
  • Nehmen Sie einen Zehnerpack hartgekochte Eier oder Mandeln mit. Wenn beim Fahren der Hunger kommt, sind eine Handvoll Mandeln oder ein Ei mit etwas Senf oder Salz ein super Snack!
  • Trinken Sie Wasser, Tee ohne Zucker und möglichst nur ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag.
  • Wählen Sie Vollkorn- statt Weißmehlprodukte. Sie sättigen besser und länger.
  • Essen Sie spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Der Körper soll sich regenerieren und nicht mit der Verdauung beschäftigt sein.   

Auch Bewegung hilft, damit Sie fit und zufrieden bleiben. Ideen gefällig? Schauen Sie zum Beispiel   unter www.trucker-workout.com.

Gesunde Ernährung: Das geht auch mit dem Campingkocher
Extra für Fernfahrer: Im Kochbuch „Sternköche – Preiswerte und gesunde Rezepte für Lkw-Fahrer“ stecken 40 Gerichte, die sich binnen 45 Minuten auf dem Campingkocher zubereiten lassen. Bezug über DEKRA Media, Preis: 12,80 Euro.

„Strong Kitchen. Das Kochbuch für mehr Power im Leben. In 15 Minuten einkaufen, in 15 Minuten zubereitet“ 60 Rezepte von Marc Rohde für alle, die mehr Zeit für Abenteuer haben möchten. Preis: 34,80 über Bodylife Gmbh oder hier.

Sie wollen mehr über gesundes Essen erfahren? Dabei helfen beispielsweise Apps wie Onovia, interaktive Ernährungscoachings und individuelle Ernährungsprogramme.

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