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Lkw-Fahrer während der Pandemie: Sicherheit und Gesundheit stehen an erster Stelle

Während der Pandemie halten Lkw-Fahrer die Versorgung aufrecht. Fahrer Pedro Lopes und Barteld Berkhout, CFO DHL Freight und CEO DHL Freight Niederlande berichten, wie sie für Sicherheit und Gesundheit sorgen.

In der Pandemie gesund bleiben: eine gemeinsame Aufgabe für Lkw-Fahrer und ihre Arbeitgeber

Während der Corona-Pandemie halten Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer die Versorgung mit Waren aufrecht, sei es für technisches Gerät oder für medizinischen Bedarf. Es ist für sie nicht immer einfach, Plätze für Ruhepausen oder Sanitäranlagen zu finden. Zudem erfordern neue Abläufe an Grenzen, Docks, Lkw-Parkplätzen und Kundenkontaktpunkten Anpassung und Compliance. Barteld Berkhout, CFO und CEO von DHL Freight Netherlands, und der Lkw-Fahrer Pedro Lopes verbrachten einen ganzen Arbeitstag gemeinsam auf der Straße in den Niederlanden. Sie erklären, was Fahrer und Management bei DHL Freight dafür tun, um alle zu schützen.

Was ist momentan die größte Herausforderung?

Barteld Berkhout: Wir sind geografisch breit gestreut und bieten ein umfassendes Portfolio an Logistiklösungen. Wir haben – gerade während dieser Krise – erneut gelernt, dass wir widerstandsfähig und gut aufgestellt sind, um Krisensituation zu begegnen. Dies sind außergewöhnliche Zeiten für uns alle. Dank unseres großartigen Teams, unseres Netzwerks und unserer Ressourcen sind und waren wir in der Lage, unsere Terminals kontinuierlich zu betreiben und einen hohen Servicestandard aufrechtzuerhalten. Es ist großartig, für ein Unternehmen wie DHL zu arbeiten und Teil eines Teams zu sein, das keinen Aufwand scheut und mit Leidenschaft daran arbeitet, die Lieferketten unserer Kunden am Laufen zu halten. Unsere größte Herausforderung ist, dass niemand weiß, was als Nächstes geschieht und wie sich die Zahlen entwickeln. Einige unserer Kunden – oder die Kunden unserer Kunden – sind zum Beispiel aufgrund der COVID-19-Beschränkungen vorübergehend geschlossen. Daher müssen wir unseren Service ständig anpassen. Dennoch arbeiten wir kontinuierlich mit ihnen zusammen, um Lösungen zu entwickeln, sobald sich die Lage verändert.

Pedro Lopes: Wir leben in sehr seltsamen Zeiten. Niemand hat das jemals zuvor erlebt. Sowas ist mir noch nie untergekommen, als Fahrer oder im Allgemeinen. Das Leben ist schwierig für Lkw-Fahrer: Wir können die Toiletten in vielen Unternehmen nicht mehr benutzen und nicht mal eine Tasse Kaffee trinken. Aber ich verstehe die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, und ich befolge diese Regeln, so lange es eben nötig ist.

Barteld Berkhout, DHL FreightEs ist wichtig, sich regelmäßig mit den Kolleginnen und Kollegen, die draußen in Aktion sind, zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Diesen großartigen Menschen haben wir zu verdanken, dass unsere Services Tag für Tag geleistet wird. Sie bewirken sehr viel für unser Unternehmen.

Barteld Berkhout
CFO DHL Freight und Managing Director DHL Freight Netherlands

Wie DHL Freight seine Lkw-Fahrer schützt

Die Sicherheit von Personal und Kunden hat bei DHL Freight höchste Priorität. Außerdem ist es Teil unserer Verantwortung als Arbeitgeber. Deshalb setzen wir alle Corona-Sicherheitsmaßnahmen um, die von der Regierung und von unserer eigenen DPDHL-Task Force empfohlen werden.

  • Alle Mitarbeiter erhalten Masken und Handdesinfektionsmittel.
  • Unsere Fahrer werden angewiesen, beim Fahrerwechsel jedes Mal die Kabine ihrer Fahrzeuge zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Wir haben die Richtlinien der Regierung umgesetzt. Außerdem haben die Fahrer die Anweisung, sich an spezifische zusätzliche Richtlinien zu halten, die von unseren Kunden festgelegt wurden. In einigen Fällen haben wir kontaktlose Zustellverfahren umgesetzt. So senken wir bei der Übergabe der Ladung das Infektionsrisiko für Kunden und Lieferpersonal.
  • Bis auf Weiteres verzichten wir auf die Unterschrift des Empfängers als Liefernachweis. Stattdessen unterschreibt der Fahrer in dessen Namen, um den Kontakt zu minimieren. Dies geschieht natürlich in Absprache mit unseren Kunden und Empfängern.

Die Fahrer sind dafür verantwortlich, sich an die Regeln der Regierung zu halten. Sie nehmen diese sehr ernst.

Was wird getan, um den Fahrerinnen und Fahrern auf der Straße gute Hygienelösungen zu bieten?

Barteld Berkhout: Unsere Planungsabteilung in den Niederlanden berücksichtigt bei der Planung jeder Route die sich ändernden Umstände. Das Team sorgt dafür, dass unsere Fahrer die benötigte Ruhe bekommen und erlaubte Halteplätze eingeplant werden.

Wie hat die Pandemie Ihre tägliche Arbeit verändert?

Pedro Lopes: Der Alltag verändert sich extrem schnell. Die Menschen sind ängstlicher, der soziale Kontakt wurde auf ein Minimum reduziert, Kinder können nicht zur Schule gehen. Viele Menschen arbeiten von zu Hause aus, und es gibt fast nichts, was man nach der Arbeit machen kann. Mir ist aufgefallen, dass das die Leute frustriert. Ich habe Glück, dass ich noch arbeiten und meine Kollegen und Kunden treffen kann. Ich wünschte, dass alle das könnten. Einen Vorteil hat es: Es gibt viel weniger Staus und Verzögerungen, so dass ich schneller zu unseren Kunden komme und auch pünktlich bei meiner Familie bin.

Wie gehen Sie mit dem zusätzlichen Stress um?

Pedro Lopes: Es mag seltsam klingen, aber ich fühle mich nie wirklich gestresst. Solange man ruhig bleibt, erreicht man viel mehr, und das Leben ist viel angenehmer.

Pedro Lopes, Lkw-Fahrer, DHL FreightIch habe Glück, dass ich noch arbeiten und alle meine Kollegen und Kunden treffen kann. Ich wünschte, dass alle das könnten. Einen Vorteil hat es: Es gibt viel weniger Staus und Verzögerungen.

Pedro Lopes
Lkw-Fahrer, DHL Freight

Wie geht DHL mit Kontaktpunkten wie Tankstellen, Frachtzentren, Raststätten und Lkw-Stopps um?

Barteld Berkhout: In den Niederlanden gelten für alle Kontaktstellen dieselben Regeln. Diese werden von der Regierung sorgfältig kommuniziert und kontrolliert. In diesem Stadium der Pandemie sind für unsere Fahrer nur Kontaktpunkte zugänglich, die als wesentlich angesehen werden, das heißt: die den Grundbedarf zum Überleben erfüllen. Die Fahrer werden angewiesen, sich immer an die wichtigsten Sicherheitsregeln zu halten. Das bedeutet zum Beispiel, die soziale Distanz zu wahren, den physischen Kontakt bei der Dokumentenübergabe zu vermeiden, auch wenn sie sich auf dem Gelände des Kunden oder in anderen geteilten Räumen befinden.

Sind Sie von den Veränderungen infolge des Brexits betroffen?

Pedro Lopes: Bisher habe ich keine schwierigen Situationen erlebt, die sich aus dem Brexit ergeben haben. Vor kurzem fuhr ich zu einem Kunden, der im Moment meiner Ankunft angab, dass die Sendung eigentlich nach Großbritannien gehen sollte, aber dass sie von seinem Kunden storniert wurde, weil er unsicher wegen der Verspätungen an den Grenzen war. Hoffentlich löst sich diese Situation schnell, damit der Transport wie bisher weitergeführt werden kann.

Wie gehen Sie mit schwierigen Situationen wie langsamerer Abfertigung an Grenzen um?

Barteld Berkhout: Angesichts neuer Beschränkungen an den Grenzen oder neuer Situationen wie dem Brexit versuchen wir als Unternehmen, uns sofort einen Überblick über die Problematik für unsere Fahrer zu verschaffen und die bestmögliche Lösung zu finden. Leider ändern sich die Beschränkungen manchmal von Tag zu Tag. Wir müssen uns so schnell wie möglich anpassen, um massive Verzögerungen beim Warentransport für unsere Kunden zu vermeiden. Wir können unsere Lkws immer umleiten, sodass wir die meiste Zeit verhindern können, dass unsere Fahrer in langen Staus stehen. Aber eine allgemeingültige Verfahrensweise haben wir dafür nicht.

Wie hat sich DHL Freight Netherlands auf den Brexit vorbereitet? Haben sich für das Unternehmen bisher Probleme ergeben?

Barteld Berkhout: Für den Brexit haben wir schon lange Vorarbeit geleistet. Offensichtlich war die Planung ziemlich schwierig, da keiner wusste, wie das endgültige Abkommen am Ende aussehen würde. Mit unseren Zollexperten hatten wir bereits eine solide Basis, aber dann kam das endgültige Brexit-Abkommen in letzter Minute zustande und wir mussten unsere Arbeitsweise anpassen. Daher haben wir zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um unsere Kunden zu unterstützen und unsere eigenen Stoßzeiten besser bewältigen zu können. Transporte erfordern jetzt mehr Bürokratie. Wegen der großen Menge an neuen Verwaltungstätigkeiten bei den Zollanmeldungen und der Verzögerungen in Großbritannien selbst hat der Transport vorübergehend mehr Zeit in Anspruch genommen. Glücklicherweise wissen unsere Kunden, dass wir tun, was wir können, um alle Sendungen so schnell wie möglich an ihr Ziel zu bringen. Kommt es zu Verzögerungen, meldet sich der Fahrer bei unserer Planungsabteilung. Dann erstellen wir einen Notfallplan. Wir tauschen uns dabei immer mit dem Fahrer und unseren Kunden aus. Und ich freue mich, berichten zu können, dass alles seinen geregelten Lauf geht.

Welche Routen fahren Sie und was war Ihr beeindruckendstes Erlebnis in letzter Zeit?

Pedro Lopes: Ich fahre fast jeden Tag von Eindhoven nach Amsterdam und Umgebung. Was mir an meinem Job so viel Spaß macht, ist, dass ich nie vorher weiß, was an einem Tag passiert. Vor nicht allzu langer Zeit musste ich eine Adresse in Amsterdam anfahren. Als ich dort ankam, wurde mir klar, dass es sich um ein Unternehmen handelte, das auf Total-Cash-Management-Lösungen spezialisiert war. Nachdem ich mich ordnungsgemäß angemeldet hatte und reingefahren war, befand ich mich in einer Art Bunker mit sechs großen, gepanzerten Toren. Im „Bunker“ war ich ganz allein, alles wurde über Kameras arrangiert und ich wurde geleitet, bis ich wieder gehen konnte. Das war ziemlich beeindruckend und etwas, das ich sicher nicht so schnell vergesse.

Was ist Ihre Meinung und die Meinung Ihrer Kollegen zur Gesundheit und Sicherheit für Lkw-Fahrer? Sollten LKW-Fahrer bei der Impfung priorisiert werden?

Pedro Lopes: Ich muss nicht unbedingt der Erste sein, der geimpft wird. Aufgrund der strengen staatlichen und betrieblichen Maßnahmen, die ich befolge, ist der Kontakt ohnehin sehr begrenzt. Wir arbeiten sehr unabhängig und oft allein. Daher würde ich anderen Zielgruppen Priorität einräumen. Ich trage immer eine Maske, befolge alle Hygienemaßnahmen und tue alles, was ich kann, um mich und meine Lieben zu schützen. Aber natürlich ist nichts 100 Prozent sicher.

Verfügt DHL Freight über Testeinrichtungen? Welche Testrichtlinien gibt es bei DHL Freight?

Barteld Berkhout: Das hängt vom Land ab. Bei DHL Freight Netherlands haben wir keine eigenen Testeinrichtungen. Wir nutzen staatliche Einrichtungen und befolgen die Richtlinien der Regierung. Wir stellen unseren Mitarbeitern Gutscheine für Tests in Privatkliniken zur Verfügung, zu denen sie freiwillig gehen können. In unseren Niederlassungen in Deutschland beispielsweise wurde in allen Niederlassungen ein klarer Prozess für Antigen- und Selbsttests eingerichtet. Impfungen werden gemäß dem Prioritätsplan der Regierung verabreicht. In den Niederlanden kündigte die Regierung an, dass Personen zwischen 18 und 60 Jahren, die nicht zu einer Hochrisikogruppe gehören, ab Mai 2021 geimpft werden können.

Was hoffen und wünschen Sie sich in Bezug auf Ihr Arbeitsleben im Jahr 2021?

Pedro Lopes: Ich hoffe, dass COVID-19 in diesem Jahr verschwindet und nie wieder zurückkommt. Die Niederlande und viele andere Länder haben bereits genug Schaden erlitten, nicht nur finanziellen, sondern auch emotionalen Schaden. Kinder, die ihre Großeltern nicht besuchen können, Kinder, die nicht zur Schule gehen können usw. Es ist eine schwierige Zeit, unter der alle zu leiden haben. Ich hoffe wirklich, dass alles bald wieder normal wird und ich werde versuchen, so viel wie möglich dazu beizutragen.

Ein Arbeitstag auf der Straße während der Pandemie: 3 wichtige Erkenntnisse

Barteld Berkhout, CFO von DHL Freight, begleitete den Lkw-Fahrer Pedro Lopes auf der Straße. Dies sind seine Schlussfolgerungen:

  1. Treffen Sie sich regelmäßig mit Kollegen, die draußen im Einsatz sind, und sprechen Sie mit ihnen. Insbesondere mit unseren Mitarbeitern, die in direktem Kontakt mit unseren Kunden stehen. Diesen großartigen Mitarbeitern haben wir zu verdanken, dass unser Service Tag für Tag geleistet wird.
  2. Überprüfen Sie persönlich regelmäßig Prozesse und Tools. So können sie fundiertere Entscheidungen über unsere Zukunft und unsere Investitionen treffen. Wir müssen den Prozess in der Praxis sehen, Abweichungen beobachten und Engpässe an der Quelle identifizieren, statt uns auf Berichte oder Meinungen zu verlassen. 
  3. Suchen Sie kontinuierlich das Gespräche mit Kunden. Fragen Sie nach deren Meinung zum Serviceangebot und wo sie Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Die Kunden wissen es am besten.

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