Unschöner Rekord

Auch 2017 nahm die Zahl der Frachtdiebstähle wieder deutlich zu. Dagegen helfen kann ein ganzes Bündel von Aktionen, über Schutztechnik und intelligente Routenplanung bis hin zu entschiedenen Maßnahmen der Politik.

Messerangriffe auf Lkw-Fahrer, Planenschlitzen auf dem Parkplatz, Überfälle bei voller Fahrt – Frachtdiebstahl jeglicher Art hat Hochkonjunktur. 2017 stiegen die Zahlen laut der Transported Asset Protection Association (TAPA) auf den höchsten Stand in der 20-jährigen Geschichte der Transportsicherungsvereinigung. 2.880 Taten verzeichnete sie in 41 Ländern. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von zehn Prozent.

Da die TAPA sehr wenige Daten aus Afrika und dem Nahen Osten erhält, entfielen 96 Prozent der dokumentierten Delikte auf zehn Länder. Spitzenreiter war Großbritannien mit rund 1.500 Fällen, in Deutschland wurden 262 Taten registriert. Allerdings geben die Zahlen auch hier nur die Fälle wieder, die der TAPA von ihren Mitgliedsunternehmen gemeldet werden. Die Dunkelziffer dürfte also deutlich höher sein. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) meldete für 2017 allein für Sachsen-Anhalt 613 Vorgänge. In diesem Jahr seien es bereits rund 500.

Betroffen: alles, was sich zu Geld machen lässt

Bei 73 Prozent der von der TAPA registrierten Straftaten (2016: 61 Prozent) stahlen die Täter im vergangenen Jahr Ladung von Lkw. Besonders beliebt bei den Langfingern waren, wie schon zuvor, Nahrungsmittel und Getränke – etwa jeder zehnte Diebstahl trifft diesen Bereich. Grundsätzlich stehlen die Täter aber alles, was sich zu Geld machen lässt: von Konsumgütern über Pharmaprodukte bis zu Autoteilen.

Der Gesamtverlust durch Frachtdiebstähle beträgt laut der TAPA-Statistik 105 Millionen Euro (2016: rund 78 Millionen Euro). Tatsächlich liegen die Zahlen wohl weit höher. Allein für Deutschland schätzt die „Arbeitsgemeinschaft Diebstahlprävention in Güterverkehr und Logistik“ den Wert der gestohlenen Güter pro Jahr auf 1,3 Milliarden Euro. Dazu kämen 900 Millionen Euro durch Folgeeffekte wie Lieferverzögerungen, Reparaturkosten, Umsatzeinbußen und Produktionsausfälle.

Zentraler Tatort Parkplatz

Haupttatorte waren im vergangenen Jahr Parkplätze: In 70 Prozent der Fälle schlugen die Täter dort zu. 2016 lag der Anteil noch bei 41 Prozent. Um diese Gefahrenzone zu entschärfen, hat die TAPA Mindeststandards für sichere Parkplätze (Parking Security Requirements) entwickelt. Auch andere Stellen arbeiten an dem Problem. So hat die EU-Kommission eine Studie über sichere Parkplätze für Lastkraftwagen in Auftrag gegeben, die auch einen konkreten Aktionsplan umfassen soll.

Bis entsprechende Initiativen für mehr Sicherheit sorgen, dürfte allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Bis dahin müssen sich Unternehmen und Fahrer selbst helfen, zum Beispiel durch mehr Sicherheitstechnik im Fahrzeug. Eine Innovation in diesem Bereich ist die sogenannte Alarmplane, die Signal gibt, wenn sich Diebe an ihr zu schaffen machen. Helfen kann auch eine vorausschauende Disposition, etwa über die Risikomanagementplattform für Lieferketten Resilience360 von DHL. Dieses Frühwarnsystem analysiert zum Beispiel Ladungsdiebstahl-Tendenzen mit Blick auf die geografische Lage und besonders betroffene Industriezweige. So lassen sich Transportrouten leichter bewerten und Warenverluste – hoffentlich – vermeiden.

Autor: Sonja Terbrüggen

Ähnliche Artikel