Ab durch die Mitte

Der Gotthard-Basistunnel treibt den intermodalen Transport voran. 30 Tage nach der offiziellen Eröffnung ist klar: Die Schweizer halten ihren Zeitplan und schicken Ende 2016 die ersten fahrplanmäßigen Güterzüge durch den Tunnel.

Sie ist Mythos und reale Lebensader zugleich: Seit dem 13. Jahrhundert ist die Gotthard-Achse eine der wichtigsten Verbindungsstrecken zwischen Nord- und Südeuropa. Seitdem transportieren Menschen auf diesem Weg Güter über die Alpen. Der neue Gotthard-Basistunnel ist ein weiterer wichtiger Meilenstein im Alpentransit. Nach 17-jähriger Bauzeit wurde am 1. Juni 2016 der längste Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Er verläuft von Erstfeld im Schweizer Kanton Uri bis nach Bodio im Tessin. Ende 2016 soll die 57 Kilometer lange Strecke für den Güterverkehr freigegeben werden. Damit ist es erstmals möglich, das Gotthard-Massiv fast ohne Steigung zu passieren.

Noch laufen im Tunnel die 3.000 geplanten Fahrtests. Unter anderem prüft die schweizerische AlpTransit Gotthard AG (ATG) den Einsatz von 1.500 Meter langen Güterzügen. Aktuell kommen die längsten Züge im Realeinsatz gerade einmal auf 850 Meter. Wenn der Gotthard-Basistunnel ab 2017 offiziell für den Verkehr freigeben ist, sollen dann jeden Tag 260 Güterzüge und 64 Personenzüge durch den Tunnel rollen.

Bessere Nord-Süd-Verbindung

Insbesondere der intermodale Güterverkehr wird durch den Gotthard-Basistunnel gewinnen. Rund 9.000 Züge durchqueren jedes Jahr den Gotthard. Allein zwischen Deutschland und Italien werden jährlich rund 15 Millionen Tonnen Güter über die Alpen transportiert. „Der Nord-Süd-Korridor ist eine sehr wichtige intermodale Strecke. Auch für DHL Freight“, sagt Thomas Kowitzki, Head of Multimodal DHL Freight. So laufen die intermodalen Verbindungen von DHL Freight von Italien nach Deutschland, Großbritannien und nach Skandinavien über die alte Gotthard-Bahnstrecke. „Die Öffnung des Gotthard-Basistunnels sehen wir als wichtigen Meilenstein für die Optimierung der intermodalen Verkehrsinfrastruktur in Europa – davon profitieren Kunden, Betreiber und die Umwelt“, so Kowitzki.

Die Vorteile sprechen für sich: Längere Züge, eine kürzere Strecke ohne nennenswerte Steigungen – man braucht weniger Loks, weniger Fahrzeit und damit auch weniger Energie. Auf der alten Strecke müssen die Züge eine Steigung von 680 Metern überwinden – dazu sind drei Loks notwendig. Der neue Basistunnel steigt dagegen nur noch um 90 Meter an, als Zugmaschine genügt dann eine einzige Lok.

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Südhäfen werden attraktiver

Der transalpine Güterverkehr wird davon profitieren. Der Gotthard-Basistunnel ist auch ein wichtiges Teilstück für den Güterverkehrskorridor Rotterdam-Genua. Er trägt maßgeblich dazu bei, die europäischen Güterströme neu auszurichten. Bislang dominieren beispielsweise bei China-Importen vor allem die Nordhäfen Rotterdam oder Hamburg. Das könnte sich mit dem Gotthard-Basistunnel ändern, vor allem für Waren mit den Zielregionen Bayern und Baden-Württemberg. Hier gewinnen die Südhäfen wie La Spezia, Genua und Savona an Attraktivität. Entsprechend wollen sie auch ihre Schienenanteile ausbauen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Um eine zügige Durchfahrt von Rotterdam bis Genua zu ermöglichen, müssen noch die Anbindungen im Norden – sprich der Ausbau der Rheintalstrecke von Karlsruhe nach Basel – und der Ceneri-Basistunnel fertiggestellt werden. Der Ceneri-Tunnel ist im Bau und soll 2020 eröffnet werden. Die 182 Kilometer lange Rheintalstrecke Karlsruhe-Basel soll bis 2035 ausgebaut sein.

Autor: Stephanie Leuwer

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