Rasen lohnt nicht

Der DVZ-Fahrstilvergleich zeigt: Weniger ist mehr. Wer seine Marschgeschwindigkeit nur ein klein wenig drosselt, spart über das Jahr einen deutlichen Betrag ein.

Oft sind es die kleinen Dinge, die viel bewirken: Den Unterschied zwischen 82 km/h und 85 km/h bemerken nicht mal Profis. Und doch spart bereits diese kleine Differenz erhebliche Kosten beim Betrieb eines Sattelzugs ein. Das hat die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ) in einem Langzeittest von Mitte 2015 bis zum Frühjahr 2016 mit unterschiedlichen Sattelzugmaschinen aus der 450-PS-Liga ermittelt.

Konkret untersuchte die Redaktion den Verbrauch eines Lkw, der sein Marschtempo konsequent auf 82 km/h begrenzte. Ein gleich motorisiertes Fahrzeug war hingegen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h unterwegs. Das Ergebnis ist deutlich. Bei einer durchschnittlichen Tagesleistung von 500 Kilometern ergibt sich bei den Betriebskosten ein Unterschied von 1,5 Cent pro gefahrenen Kilometer. Das erscheint erst einmal überschaubar, summiert sich übers Jahr aber zu einer beachtlichen Summe: 1.875 Euro beträgt der Kostenvorteil, den der etwas gemächlichere Fahrstil unterm Strich einbringt.

Kaum Zeitverlust

Aber geht diese Ersparnis nicht auf Kosten der Fahrzeit, sprich: Leidet die Termintreue unter langsamerem Fahren? Die Frage, die sich jeder kritische Disponent hier sofort stellt, lässt sich klar beantworten: Der Zeitvorteil, den der schnellere Fahrer erzielt, ist in der Regel marginal. Der DVZ-Fahrstilvergleich zeigt, dass Schnellfahrer bei einer zurückgelegten Distanz von 500 km im Durchschnitt nur knapp drei Minuten schneller am Ziel sind als Kollegen, die mit maximal 82 km/h unterwegs sind. Gleichzeitig schlägt das erhöhte Tempo mit Sprit-Mehrkosten von 7,50 Euro pro Tag zu Buche.

Besonders deutlich wird der ökonomische Vorteil, wenn die Lkw auf leichten und mittelschweren Autobahnabschnitten unterwegs sind. Hier kann die Kraftstoffersparnis schon mal bis zu acht Prozent betragen (siehe Tabelle). Auf schweren, sprich steilen Abschnitten hingegen schrumpft der Unterschied zusammen. Logisch: In Steigungen müssen alle Zugmaschinen Vollgas geben, um überhaupt über 80 km/h zu bleiben.

Umweltfreundlich

Was die Betriebskosten senkt, ist gleichzeitig auch gut für die Umwelt: Die Schadstoff-Emissionen nehmen beim zurückhaltenden Fahrstil spürbar ab: Vier Prozent weniger CO2 bringt die Begrenzung auf 82 km/h gegenüber der 85-km/h-Obergrenze ein.

Kraftstoffverbrauch in Litern pro 100 Kilometer

 Reisegeschwindigkeit 82 km/hReisegeschwindigkeit 85 km/hDifferenz (%)
Autobahn gesamt31,533,14,1
Autobahn leicht23,024,98,1
Autobahn mittelschwer33,034,95,7
Autobahn schwer45,045,81,8
Landstraße38,038,00,0
Test gesamt32,734,04,1
CO2-Emission (nutzlastbezogen, in g/km)34,535,94,1
Autor: Michael Wayand

Ähnliche Artikel