Smarter transportieren

Die hochrangige Expertengruppe der Vereinten Nationen zum nachhaltigen Transport hat ihre Ergebnisse präsentiert. Sie fordert eine durchdachte Zukunftsstrategie mit umweltfreundlichen Antrieben, weniger unnützen Wegen und besserer Infrastruktur.

Logistik verbindet Menschen und Orte mit dem Rest der Welt und ist damit eine der wichtigsten Triebfedern von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Dabei ist sie jedoch nie Selbstzweck, sondern immer nur ein wichtiges Hilfsmittel. Unter diesen Prämissen hat eine 16-köpfige Expertenkommission der Vereinten Nationen Vorschläge für eine nachhaltig aufgestellte Transportwirtschaft entwickelt. Sie stellte Ende 2016 den ersten „Global Sustainable Transport Outlook Report“ unter dem Titel “Mobilizing Sustainable Transport for Development“, also „Nachhaltiger Transport als Entwicklungstreiber“ vor. Er enthält eine Reihe zielgerichteter Empfehlungen, die darlegen, wie die Transportbranche mit besonderem Augenmerk auf die Armutsbekämpfung nachhaltige Entwicklung vorantreiben, und gleichzeitig Wirtschaftswachstum fördern und den Klimawandel bekämpfen kann. So schlägt die Kommission für die Zukunft das Prinzip „Avoid – Shift – Improve“ für alle infrastrukturellen und technischen Entwicklungen im Transportsektor vor. Was steckt dahinter?

Vermeiden

„Avoid“, also vermeiden, bedeutet den Verzicht auf überlange Transportwege und unnötiges Reisen. Daher empfehlen die Experten Stadtplanern, in Zukunft in möglichst kompakten Dimensionen und auf kurze Wege fokussiert zu denken, Supply-Chain-Manager auf schlanke Lieferketten achten und bei der Interaktion zwischen Geschäftspartnern moderne Kommunikationsmittel zur Anwendung kommen. Heißt konkret: mehr Tele- oder Videokonferenzen, Nutzung lokaler Produkte und viel Raum für öffentliche Verkehrsmittel, um nur einige Beispiele zu nennen.

Veränderung

„Shift“ zielt vor allem auf die Nutzer ab. Diese sollen möglichst umweltschonende Verkehrsmittel verwenden beziehungsweise ihre Nutzungsgewohnheiten so umstellen, dass sie vorhandene Ressourcen optimal ausnutzen. Beispiele sind eine intelligente Verknüpfung von Bahn- und Luftverkehr oder das Reisen und der Warentransport außerhalb der Stoßzeiten. Das vermeidet Staus und Abgase.

Verbesserung

„Improve“ ist der technische Aspekt der Strategie. Es gilt, durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen sämtliche Verkehrsmittel deutlich umweltschonender zu machen. Das fängt mit besserer Infrastruktur an, Stichpunkt kurze Wege und Maßnahmen zur Stauvermeidung, und geht über finanzielle Anreize zum Umweltschutz bis hin zur Umrüstung ganzer Fahrzeugflotten auf Nullemissionsantriebe.

Große Wirkung

Die Effekte einer nachhaltigen Transportwirtschaft sind nach Meinung der UN-Kommission enorm. Sie rechnet mit bis zu sieben Gigatonnen weniger CO2-Ausstoß im Jahr sowie einem Rückgang der Verkehrstoten um mehrere hunderttausend, wenn sämtliche Staaten die Strategie konsequent umsetzen. Nötig sind dafür zusätzliche jährliche Investitionen im Bereich von zwei Billionen Dollar weltweit. Zum Vergleich: Aktuell werden jedes Jahr zwischen 1,4 und 2,1 Billionen Dollar in den Verkehrssektor investiert. Aber die zusätzlichen Ausgaben rechnen sich, denn eine nachhaltige Transportwirtschaft bedeutet gleichzeitig bis zu 70 Billionen Dollar öffentlicher Einsparungen bis 2050.

Die Expertengruppe

2014 berief der Generalsekretär der Vereinten Nationen im Rahmen der UN-Klimakonferenz verschiedene Expertengruppen, um Zukunftsstrategien für eine nachhaltige Wirtschaft zu entwickeln. Eine davon ist die UN Secretary-General’s High-Level Advisory Group on Sustainable Transport. Die Expertengruppe besteht aus 16 Führungskräften des privaten und öffentlichen Sektors, die sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer und Repräsentanten einer großen Anzahl verschiedener Verkehrsträger und Branchen repräsentieren. Deutscher Vertreter ist der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post DHL Group, Frank Appel.
Autor: Christoph Schönwandt

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