Sauber geregelt?

Wer zahlt, wer haftet? Diese beiden zentralen Fragen im internationalen Frachtverkehr legen die Incoterms verbindlich fest. Und das bereits seit mehr als 80 Jahren.

Leise schwebt der Container über dem Schiff langsam Richtung Kaimauer. Was tausendmal gut geht – diesmal passiert es: Die sogenannten „Twistlocks“ rutschen aus den Eckbeschlägen des Containers, der krachend zu Boden stürzt und sich zwischen Kaimauer und Schiffsraum verkeilt. Ein hoher Sachschaden, ein Fall für die Versicherungen – nur für welche?

Dies wird im Vorfeld eines Logistikauftrags durch die International Commercial Terms, kurz Incoterms, geregelt. Sie bilden im internationalen Transportwesen die Grundlage für die Auslegung von Kauf- und Lieferverträgen. Klauseln hinsichtlich der Kosten für Logistik, Zollabwicklungen bei Ein- und Ausfuhr sowie des Gefahrübergangs sind die wichtigsten Punkte der traditionsreichen Übereinkunft.

Drastische Unterschiede bei Handelsklausen

1920 wurde in Paris das International Chamber of Commerce ICC aus der Taufe gehoben, mit dem erklärten Ziel, die Rahmenbedingungen für den globalen Warenverkehr zu verbessern und mit entsprechenden Standards zu versehen. Das tat Not, denn: Die Handelsklauseln von 30 Staaten wiesen teilweise drastische Unterschiede auf.

Quelle: DHL
Quelle: DHL

Erst 1936 einigte man sich auf die erste Fassung der International Commercial Terms. Seitdem wurden sie erst siebenmal überarbeitet, zuletzt im Jahre 2011. Was unterstreicht, dass es sich nicht um bürokratische Schnellschüsse handelt, sondern sie sich moderat den jeweils neuen Bedingungen im Transportwesen angepasst haben. Zuletzt wurde die Anzahl der Klauseln sogar von 13 auf elf reduziert, das Regelwerk also deutlich entschlackt.

In erster Linie regeln die Incoterm-Klauseln die Kauf- und Lieferbedingungen im internationalen Warenaustausch. Denn an einer Kaufabwicklung hängt eine Vielzahl an Parametern, die berücksichtigt werden müssen und im Vorfeld geklärt sein sollten. Beispiel Transportkosten: Wer kommt dafür auf? Der Verkäufer oder der Käufer? Oder werden sie hälftig geteilt? Beispiel Gefahrübergang: Wer trägt im Falle einer Beschädigung oder gar im Verlustfall das Risiko? Bis wann kommt für eventuelle Transportschäden die Versicherung des Verkäufers auf, ab wann ist die des Käufers Ansprechpartner?

Regeln, aber keine Gesetze

Generell sind die Incoterms, von denen sieben multimodal gelten und weitere vier sich nur auf die See- und Binnenfahrt konzentrieren, keine Gesetze. Sie können allerdings verbindlich werden, wenn beide Vertragspartner sie in ihren Kaufvertrag einbinden.

Schon jetzt sitzt ein Redaktionsteam zusammen und arbeitet an den Incoterms 2020. Das International Chamber of Commerce ICC ist sich der Bedeutung der Regularien durchaus bewusst und hat den Namen markenrechtlich als „Registered Trademark“ schützen lassen.

Die elf unterschiedlichen Codes:

  • EXW: EX Works, ab Werk mit Standortangabe
  • FCA: Free CArrier, frei Frachtführer mit Standort des vereinbarten Carriers
  • FAS: Free Alongside Ship
  • FOB: Free On Board, steht für den vereinbarten Verladehafen
  • CFR: Cost and Freight, Kosten und Fracht mit Angabe des vereinbarten Bestimmungshafens
  • CIF: Cost Insurance Freight, Kosten, Versicherung und Fracht bedeutet Gefahrübergang am Verschiffungshafen, Kostenübergang am Bestimmungshafen
  • DAT: Delivered At Terminal, Lieferung ans vereinbarte Übergabeterminal
  • DAP: Delivered At Place, geliefert an den vereinbarten Ort im Einfuhrland
  • CPT: Carriage Paid To
  • CIP: Carriage Insurance Paid, Fracht bzw. Fracht und Versicherung bezahlt zum vereinbarten Bestimmungsort
  • DDT: Delivered Duty Paid, geliefert und Zoll bezahlt zum vereinbarten Lieferort im Einfuhrland
Autor: Michael Wayand

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