Nur Dreckschleudern zahlen drauf

Österreich führt 2017 eine neue Mautverordnung für Lkw ein. Die Mehrkosten für das Transportgewerbe bleiben überschaubar.

Zwei vor, einer zurück und dann wird doch alles ganz anders? Österreich streitet seit längerem über eine neue Lkw-Maut. Die Wirtschaft fürchtet zu hohe Belastungen, die politischen Parteien – je nach Position – fürchten eine Übervorteilung des Straßengüterverkehrs, zu viel oder zu wenig ökologische Aspekte. Doch jetzt gibt es Entwarnung – zumindest für die Transportbranche. Die sogenannte große Anpassung ist vom Tisch. Diese sah eine Neuberechnung nach Fahrzeugklassen mit einem Anstieg der Kosten um vier bis acht Prozent vor. Die Transportwirtschaft sah Zusatzkosten von rund 50 Millionen Euro auf sich zukommen.

Jetzt bleibt 2016 noch alles beim Alten. Fast. Es gibt eine Erhöhung der Maut um einen Prozentpunkt – quasi ein Inflationsausgleich. Von 2017 bis 2020 soll dann eine abgespeckte Berechnungsvariante gelten. Sie besteht aus einem Basistarif und Zuschlägen für Lärm- und Schadstoffbelastung. Der Basistarif ist abhängig von der Achszahl und entspricht in etwa der durchschnittlichen Maut aus dem Jahr 2015. Die Zuschläge berechnen sich je nach Schadstoffausstoß beziehungsweise Lärmemission.

Für Unternehmen mit alter Fahrzeugflotte lauert hier ein spürbarer Kostenfaktor. Denn der Zuschlag für einen „dreckigen“ Euro-0-Lkw ist etwa 20 Prozent höher als für einen Lkw, der die Abgasnorm Euro-6 erfüllt.

Für Betreiber eines modernen Wagenparks mit Euro-6-Fahrzeugen hält das neue Mautkonzept zudem erfreuliche Sonderregelungen parat:

  • 2017 zuschlagfrei: Nach der EU-Wegekostenrichtlinie fallen für Lkw mit Euro-6-Einstufung erst ab 2018 überhaupt Schadstoffzuschläge an.
  • Gutschrift auf Zahlungen: Von den 40 Millionen Euro, die Österreich voraussichtlich durch den Öko-Zuschlag einnimmt, erhalten Euro-6-Fahrzeuge 20 Millionen Euro gutgeschrieben. So mindert sich die Mautzahlung für die modernen Lkw zusätzlich.

Fahrzeuge mit der derzeit höchsten Abgasnorm können den Mautzuschlag 2017 also auf null halten und in den drei Folgejahren auf einem geringen Niveau. Die Maut unterstützt so den Trend zum modernen, schadstoffarmen Fuhrpark. Laut der österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG), ist der Anteil der saubersten Klassen EEV und Euro-6 in den vergangenen Jahren in Österreich auf über 45 Prozent gestiegen. Dagegen sank der Anteil von Lkw der Schadstoffklassen Euro-0 bis Euro-3 auf unter 15 Prozent. Die Logistikbranche sieht der neuen Mautstruktur deshalb größtenteils gelassen entgegen: „Dank unserer modernen Fahrzeugflotte mit einem Anteil von 40 Prozent an Euro-6-Lkw sind wir gut aufgestellt. Die Idee hinter der Mautstruktur verstehen wir gut, da Umweltschutz auch ein integraler Bestandteil unserer Konzernstrategie ist“, sagt Pawel Niziolek, Marketing & Sales Manager DHL Freight Austria & Slovenia. Österreichs Verkehrsminister Gerald Klug hat die neue Lkw-Maut inzwischen in den Ministerrat gebracht, bis Mitte des Jahres soll sie stehen.

Autor: Torsten Arnold

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