Maut: Die Kostenspirale dreht sich

Kein Jahr ohne Gebührenerhöhungen – auch 2019 schrauben die Gesetzgeber in vielen europäischen Ländern die Mautsätze weiter nach oben. Worauf müssen sich Fahrer und Spediteure einstellen?

Ab 2023 plant die EU-Kommission die verpflichtende Einführung streckenabhängiger Mautgebühren. Aber bis dahin ist keinesfalls Ruhe an der Gebührenfront: Auch im kommenden Jahr steigen die Sätze oder ändern sich die Erhebungsmethoden in mehreren Ländern. Ein Überblick über die wichtigsten beschlossenen Veränderungen und fixierte Planungen:

Belgien

In Wallonien steigt die Maut um ein bis zu drei Prozent pro Kilometer für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Ausgenommen sind Euro-6-Fahrzeuge bis 12 Tonnen. Im flämischen Landesteil gilt die Mautpflicht jetzt auch auf der A 11 von Brügge bis Knokke-Heist, der N 36 von Roulers bis Zarren sowie der N 722 von Hasselt bis Sint-Truiden. Auf der N 36 und N 722 entfallen damit zwei Streckenabschnitte, die als Mautausweichstellen genutzt wurden. Künftig lassen sich die Mautstraßen in Flandern noch weniger umfahren.

Deutschland

Um insgesamt 2,5 Milliarden Euro werden ab 2019 die Belastungen für den Straßengüterverkehr in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr steigen, heißt es im Wegekostengutachten des Bundesverkehrsministeriums. Dies werde nicht ohne Auswirkungen auf Fracht- und Verbraucherpreise bleiben, prognostiziert Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV). Die Fahrzeugeinteilung erfolgt künftig nicht mehr nach Achszahl – die ist nur noch bei Lkw ab 18 Tonnen relevant – sondern nach zulässigem Gesamtgewicht. Die neuen Maut-Sätze: 16 Cent für Lkw ab 18 Tonnen bis vier Achsen, sowie 17,4 Cent für Lkw ab 18 Tonnen mit vier und mehr Achsen. Alle Lkw werden für den Schadstoffausstoß zur Kasse gebeten, auch Euro-6-Lkw, die bisher befreit waren. Moderne Euro-6–Lkw legen in Deutschland heute bereits 65 Prozent aller mautpflichtigen Kilometer zurück. Alle Lkw müssen künftig für ihre Lärmemission bezahlen: pauschal 0,2 Cent pro Kilometer.

Frankreich

Die Regierung in Paris will künftig ausländische Lastwagen für die Nutzung französischer Straßen zur Kasse zu bitten. In Frankreich müssen alle Auto- und Lastwagenfahrer bereits für zahlreiche Autobahn-Abschnitte Mautgebühren zahlen, die von privaten Firmen betrieben werden. Die französische Transportbranche reagierte besorgt und will sich gegen Mehrkosten für die heimischen Unternehmen stemmen. EU-Regeln verbieten grundsätzlich eine Diskriminierung ausländischer Lastwagen durch Straßengebühren. „Wir arbeiten an einer Art Vignette, um es insbesondere zu ermöglichen, gewissermaßen die ausländischen Lastwagen zu besteuern, die Frankreich nur durchqueren“, sagte Umweltminister Francois de Rugy dem Sender BFMTV.

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Niederlande

Frühestens ab 2023 möchte die niederländische Regierung eine kilometerabhängige Lkw-Maut einführen. Die Maut soll für alle Lkw ab 3,5 Tonnen auf allen Autobahnen gelten, aber auch auf vielen regionalen und lokalen Straßen. Bei der Festlegung der Höhe der Mautgebühren wollen sich die Niederlande an Deutschland und Belgien orientieren. Die Einnahmen aus der Maut sollen zum einen zur Senkung der Kfz-Steuer für Lkw, zum anderen für die Entwicklung nachhaltiger und innovativer Konzepte für den Güterverkehr verwendet werden. Inländische Lkw sollen die gleiche Maut zahlen wie ausländische Lkw.

Der Unternehmerverband für Transport und Logistik TLN bewertet die vorgestellten Eckpunkte als akzeptabel. Die Einnahmen aus der Maut sollten laut TLN dazu verwendet werden, Transportunternehmen bei der Anschaffung von emissionsfreien Lkw zu unterstützen und die Verbreitung nachhaltiger Biokraftstoffe zu fördern. TLN spricht sich dafür aus, auch für Pkw eine Maut einzuführen.

Die niederländische Regierung streicht außerdem die Steuervergünstigungen für LNG-Lkw. Als Grund führt Staatssekretär Menno Snel an, dass sich diese in ihrer Gesamtbilanz bei der Umweltverträglichkeit kaum von Diesel-Lkw der Euro-6-Klasse unterscheiden würden. Deshalb sei eine gezielte Förderung für LNG-Lkw in einer Kosten-Nutzen-Rechnung nicht weiter zu rechtfertigen.

Österreich

Die Lkw-Mauttarife werden inflationsbedingt um 2,2 Prozent auf den Infrastruktur-Grundkilometertarif erhöht. Euro-6-Fahrzeuge erhalten einen Bonus von 1,7 Prozent. Bei den externen Kosten für Luftverschmutzung erfolgt eine stufenweise Einführung für EURO-6-Fahrzeuge. 2019 werden für EURO-6-Fahrzeuge 40 Prozent dieser externen Kosten berechnet. Ab 2020 kommen diese voll zu tragen.

Der Gesamttarif setzt sich wie folgt zusammen: Infrastruktur-Grundkilometertarif je nach Tarifgruppe (nach Achskategorie differenziert), plus externe Kosten für verkehrsbedingte Luftverschmutzung (nach EURO-Emissionsklasse und Achskategorie) und Lärmbelastung (nach Achskategorie).

Unter Österreichs Frachtunternehmern herrscht Enttäuschung über die Mauterhöhung. „In Zeiten der CO2-Diskussionen wird von der Regierung eine Lkw-Flottenerneuerung hin zu modernsten Euro-6-Lkw forciert und gewünscht. Mit der bevorstehenden Lkw-Maut-Erhöhung ab 2019 werden genau diese Lkw mit einer exorbitanten Teuerung von 5,5 Prozent bestraft“, kritisiert Franz Danninger, Obmann des Fahrverbandes Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Österreich. Laut einer Studie liegen Österreichs Maut-Tarife um 25 Prozent höher als in anderen EU-Ländern.

Italien

Zwar kein Mautthema, aber wichtig zu wissen: In Mittelitalien müssen Lkw über 7,5 Tonnen ab diesem Winter mit Fahrverboten bei Schneefall rechnen. Dann wird es auf der „Autostrada dei Parchi“, die quer durch diesen Landesteil verläuft, zum kompletten Stopp für Lkw kommen. Betroffen sind die A24 zwischen Rom und Teramo – und zwar zwischen der Abzweigung Tivoli und der Verbindung zur SS80 und umgekehrt – sowie die A25 zwischen Torano und Pescara – hier zwischen Torano und der Verbindung zur A14 und umgekehrt. Die Verbote sollen über Verkehrstafeln bereits auf Zubringerstrecken kommuniziert werden.

Autor: Norbert Opfermann

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