Sekt auf den Schienen

Keine Hochzeit oder Silvesterparty ohne Prickeln im Glas. DHL Freight sorgt für den reibungslosen Transport der Produkte der größten spanischen Kellerei Freixenet nach Deutschland.

Ein kalter Wind fegt über den Bahnsteig. Es sind sechs Grad. Die ideale Temperatur für Sekt. An diesem Novembermorgen herrscht im Güterbahnhof Darmstadt bereits reger Betrieb: Ein einziges Surren und Scheppern. Der Gabelstaplerfahrer bremst, springt aus seinem Führerhaus, packt das Verladeblech, hebt es an, zieht es einen Meter nach rechts und lässt es mit geübtem Handgriff wieder fallen, um die Lücke zwischen Bahnsteigkante und Zugwaggon zu überbrücken. Der Höhenunterschied ist nun ausgeglichen. Jetzt kann der Fahrer mit dem Gabelstapler ebenerdig in den Waggon fahren und die restlichen Paletten mit Cava (span.: Schaumwein) von Freixenet entladen.

Transport nach Deutschland

Der im katalanischen Sant Sadurni d’Anoia beheimatete Sekthersteller ist einer der großen Kunden von DHL FoodLogistics, einer Geschäftseinheit von DHL Freight. Für den reibungslosen Transportablauf sorgt Andreas Imme, Niederlassungsleiter in Mannheim, mit seinem Team. Seit acht Jahren liegt der komplette Transport für Freixenet direkt von der Kellerei unweit von Barcelona ins deutsche Zentrallager in Biblis in der Hand von DHL Freight. Anfangs wurde die Ware ausschließlich mit Lkw transportiert. Als im Starkverkehr die große Nachfrage so nicht mehr zu bedienen war, schlug Andreas Imme als Alternative die Schiene vor.

Sekt-Weltmeister Deutschland

Durchschnittlich 3,7 Liter Schaumwein, also etwa fünf Flaschen, trank jeder Deutsche im Jahr 2016. Damit steht das Land weltweit an der Spitze der Konsumenten, nirgendwo wird mehr Schaumwein und Sekt getrunken. Dahinter folgen Frankreich und Italien. Auch die englischen und amerikanischen Verbraucher sind aber inzwischen auf den Geschmack gekommen. Der Verbrauch dort stieg in den vergangenen zehn Jahren 50 Prozent an.

Umweltfreundlich

Mit der Deutschen Bahn wurde ein verlässlicher Geschäftspartner gefunden. Auch wenn die Bahn in Sachen Güterverkehr häufig als langsam und unflexibel tituliert wird, profitiert DHL FoodLogistics – und damit auch Freixenet – von einer Laderaumgarantie und festgeschriebenen Konditionen. Die Transporte auf dem Schienenweg leisten zudem im Sinne von GoGreen einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Die CO2-Einsparung bei Bahntransporten beträgt bei einem zweiachsigen Bahnwagen gegenüber dem Lkw durchschnittlich rund 50 Prozent.

Intensive Detailplanung

Andreas Imme, Niederlassungsleiter DHL FoodLogistics Mannheim [Foto: DHL]
Andreas Imme, Niederlassungsleiter DHL FoodLogistics Mannheim [Foto: DHL]

Eine umfassende Jahresplanung und eine detaillierten Transportroute überzeugten den spanischen Kunden. Die insgesamt 1.200 Kilometer lange Strecke stellt dabei keine besondere Herausforderung dar – die Planung umso mehr. Die einzelnen Etappen müssen exakt zeitlich aufeinander abgestimmt sein, um kurzfristige Verspätungen aufzufangen. Los geht’s mit der Abholung der Ware per Lkw bei Freixenet. Nach 220 Kilometern wird die Sendung in Perpignan (Frankreich), unweit der spanischen Grenze, auf die Güterwaggons umgeladen.

Mit der Bahn durch Frankreich

Im französischen Rangierbahnhof Gevrey-Chambertin angekommen, steht die Zugneubildung der Waggons Richtung Deutschland an. Hier werden sie erstmals in alle Himmelsrichtungen auf Spur gebracht. Für den Freixenet-Sekt geht die Fahrt weiter Richtung Grenzübergang Forbach/Saarbrücken. Nach dem Lokwechsel übernimmt der deutsche Zugführer und fährt über Mannheim zur Endstation nach Darmstadt. In der Regel dauert der Transport vier bis fünf Tage.

Auch Auslieferung mit DHL Freight

Der Niederlassungsleiter steht in der Lagerhalle am Güterbahnhof Darmstadt. Gabelstaplerfahrer und Ameisenführer rangieren ihre Ladungen geschickt aneinander vorbei. Der Lkw ist vollgeladen und fährt gleich ab. „Mit der Übergabe der Ladung am Zentrallager Biblis ist unser Hauptjob eigentlich getan“, so Andreas Imme, der das Logistikgeschäft von der Pike auf gelernt hat. „Wir fahren aber auch von dort aus noch Teilladungen ab fünf Paletten bis Komplettladungen an den Einzelhandel im gesamten Bundesgebiet.“ Jetzt noch einen bekannten Mineralwasserabfüller als Kunde akquirieren, dann heißt es bei DHL Freight demnächst Sekt und Selters.

Autor: Torsten Arnold

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