Kompaktparken: Pole-Position für Frühaufsteher

Lkw-Parkplätze sind in ganz Europa Mangelware. Um die vorhandenen Flächen besser zu nutzen, fördert die EU telematisch gesteuertes „Kompaktparken“.

Ankommende Lkw-Fahrer stehen auf den Rastanlagen Heiligenroth in Montabaur und Jura West an der A3 Richtung Regensburg vor einer Schranke. Soweit nicht ungewöhnlich auf den großen Anlagen an den Hauptverkehrsadern, aber vor dem Einlass müssen die Fahrer ihre geplante Abfahrtszeit an einem Terminal eingeben. Sie werden dann auf einen bestimmten Parkplatz geleitet. Das verhindert gegenseitige Blockaden beim weiterfahren nach der Ruhezeit. In der ersten Reihe stehen dadurch diejenigen, die beispielsweise um 5 Uhr wegfahren, dann kommen Fahrzeuge, die um 7 Uhr die Rastanlage verlassen und so fort.

Jede Parkreihe bekommt beim Kolonnenparken eine Abfahrtszeit zugewiesen. Ist die Reihe für eine bestimmte Uhrzeit voll wird die nächste Reihe dazu genommen und die früheste Abfahrtszeit entfällt.

Komplett automatisiert

Die Länge des Lkw sowie die Abfahrtszeit wird über den elektronischen Parkwächter erfasst und dann der Standplatz zugewiesen. Die errechnete Reihe wird mit Lichtsignalanlagen angezeigt. Anschließend wird die noch verfügbare Länge der Parkreihe über Laser vermessen und an das System für die nachfolgenden Lkw gemeldet. Fahrer, die in eine falsche Reihe gefahren sind, werden als Falschparker erkannt. Das System berechnet dann deren Fehlverhalten beim Verteilen weiterer Parkplätze mit ein. Die Lkw stehen wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander und können einer nach dem anderen pünktlich losfahren.

Mehr Platz ohne Ausbau

Der Vorteil: Der vorhandene Parkraum wird besser ausgenutzt, weil die Fahrzeuge dichter abgestellt sind ohne sich gegenseitig zuzuparken. Die Zahl der Stellplätze lässt sich dadurch deutlich erhöhen, so dass Lkw nicht mehr auf den Verzögerungsstreifen der Autobahn stehen müssen. Auf der deutschen Raststätte Jura-West beispielsweise lassen anstatt bisher 66 Lkw mit dem neuen System 105 Fahrzeuge abstellen.

Kostengünstig und Umweltschonend

Im Vergleich zum Ausbau von Parkplätzen sind die Kosten für telematisch gesteuertes Parken gering. Auch die Umwelt wird entlastet, denn so braucht es weniger oder sogar keine zusätzlichen Flächen. Außerdem ist die die Kapazität bestehender Parkplätze sehr schnell erweiterbar. Diese Methode, die auch unter dem Namen Kompaktparken bekannt ist, wird zwar derzeit nur erprobt, aber eine breite Einführung wäre durchaus erfolgversprechend.

Bis dahin und bis zum weiteren Ausbau der Infrastruktur sind Lkw-Fahrer weiterhin auf Erfahrung, Glück und Apps wie die TransPark-App der International Road Transport Union (IRU) angewiesen, in der Parkplätze aus mehr als 40 Ländern verzeichnet sind. Die Vorschriften des EU-Mobilitätspakets, wenn sie denn am Ende verabschiedet sind, dürften den Druck zu Verbesserungen noch einmal erhöhen.

Vier Schritte – mehr Platz zum Parken

  1. Ankunft auf der Rastanlage und Einfahrt in den Bereich „Kompaktparken“
  2. Abfahrtszeit planen und ins Terminal eingeben
  3. Fahren zur Reihe mit der gewünschten Abfahrtszeit und direkt hintereinander parken
  4. Parkposition am Ende der Parkzeit verlassen
Autor: Norbert Opfermann

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