Ein gereifter Prozess

Der Transport von Bananen zählt aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Früchte zu den großen Herausforderungen in der Lebensmittellogistik. DHL FoodLogistics hat optimale Wege für die begehrten Früchte gefunden.

13,3 Grad Celsius – das ist die magische Zahl beim Bananentransport. Überschreitet die Lufttemperatur währenddessen diesen Wert, beginnt die Frucht zu reifen und kommt braun und matschig beim Verbraucher an. Mehr als ein Grad weniger und es entstehen Kälteschäden. Letztere machen die Bananen grau und ungenießbar. Ziel aller Beteiligten in der Transportkette ist also eine möglichst konstante Kühlung von der Ernte bis zum tatsächlich gewollten Beginn der Reifung unmittelbar vor der Auslieferung an den Endverbraucher.

Ohne Zwischenstopp

Frank Terpoorten, Niederlassungsleiter DHL FoodLogistics Duisburg, bei der Temperaturkontrolle der importierten Bananen. [Foto: DHL]
Frank Terpoorten, Niederlassungsleiter DHL FoodLogistics Duisburg, bei der Temperaturkontrolle der importierten Bananen. [Foto: DHL]

DHL FoodLogistics, eine Geschäftseinheit von DHL Freight, ist Spezialist für Lebensmitteltransporte. Frank Terpoorten, Niederlassungsleiter in Duisburg, hat für den Kunden Biotropic, Importeur für Bananen aus nachhaltigem Anbau, einen eigenen Prozess für eine verzögerungsfreie Einfuhr entwickelt. „Neben der Temperatur gilt es auch, die Gesamttransportdauer im Auge zu behalten“, sagt der erfahrene Logistiker. Bei mehr als 21 Tagen besteht die Gefahr, dass die Früchte kippen und nicht mehr kontrolliert reifen.

Zollabfertigung im Inland

Anstatt die Bananen durch einen Drittanabieter in Rotterdam zu entladen, zwischenzulagern und für die Verzollung vorbereiten zu lassen, geht die Reise ohne Umladen direkt im Kühlcontainer nach Duisburg weiter. Abnahme und Verzollung geschehen dort. Die Behälter sind dabei die ganze Zeit mit speziellen Hologrammaufklebern versiegelt. Der Kunde war skeptisch, ob diese Lösung mit den Zollbestimmungen in Einklang zu bringen war, da bisher kein anderer Importeur nach dieser Methode verfuhr.

Aber Frank Terpoorten spielte seine 20-jährige Erfahrung und Detailkenntnisse der Rechtsvorschriften aus. „Hier mussten wir kreativ sein. Wir haben alle Optionen im Zollverfahren genutzt und für Biotropic die Zulassung als ‚Bewilligter Verwieger‘ und für uns als ‚Zugelassener Empfänger‘ beantragt. So konnten wir die Ware direkt beim Kunden zustellen, ohne einen Zollstopp einlegen zu müssen oder bei der Entladung auf die Öffnungszeiten des Zolls angewiesen zu sein“, sagt der Niederlassungsleiter.

[Grafik: BioTropic GmbH]

Denn mit diesen Genehmigungen ist es DHL FoodLogistics möglich, ein sogenanntes Verwahrlager zu betreiben, in dem dann die Zollabfertigung stattfindet. Dort stellen vom Zoll als Verwieger geprüfte und registrierte Mitarbeiter von Biotropic exemplarisch das Gewicht von 13 Kartons aus einer Charge fest. Daraus berechnen sich dann die fälligen Abgaben. Die Früchte kommen bei diesem Verfahren aus dem Kühlcontainer direkt in die Reifekammer, es geht keine Stunde unnötig Zeit verloren und der Einzelhandel erhält die Ware garantiert mit der gewünschten Qualität.

Über den Tellerrand schauen

Kunde und Behörden waren anfangs skeptisch, aber inzwischen läuft dieses Procedere völlig einwandfrei über mehrere Jahre. Es hat dazu beigetragen, den Schwund durch verdorbene Früchte auf dem Weg von der Plantage bis auf den Ladentisch zu minimieren. Frank Terpoorten und sein Team aus sieben Mitarbeitern sind bereit, auch ungewöhnliche Wege zu gehen und Überzeugungsarbeit bei allen Beteiligten zu leisten, wenn es sein muss. „Uns ist es wichtig, Möglichkeiten zu finden und nicht zu sagen, hier ist Stop im Denken!“

Kleines 1×1 der Banane

Bananen wachsen in feuchtwarmen Gebieten und werden heute in der Regel als Kulturpflanzen auf Plantagen angebaut. Die noch unreifen, grünen Früchte werden in Stauden mittels Bananenmesser von den bis zu neun Meter hohen Bäumen geerntet und in kleinere sogenannte Fingerbüschel zerteilt. Für deren Transport werden in der Regel standardisierte Bananenkartons und Kühlcontainer verwendet. Im Zielland kommen die Früchte bei den Importfirmen in Reifekammern, in denen die Begasung mit Ethylen und eine entsprechende Klimatisierung den Reifeprozess künstlich auslösen. Bis zum Erreichen der für den Handel idealen Farbstufe bleiben die Bananen in der Kammer. Allein 2015 importierte Deutschland 1,35 Millionen Tonnen.

Autor: Kai Ortmann

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