Mittendrin und voll dabei

Als einer der EU-Staaten mit direkter Landgrenze zu Russland ist Estland eine Drehscheibe für den Warenverkehr mit den ehemaligen GUS-Staaten – auch nach der Verhängung der Sanktionen gegen Moskau.

Was ist 20 Meter lang, knapp zwölf Meter breit und rund neun Meter hoch? Eine Abbaumaschine für große Gesteinsminen vom Typ Caterpillar HW300. Mit allen Anbauten wiegt das Ungetüm 740 Tonnen und ist das größte Gerät, das jemals von DHL Freight Estland durch den baltischen Staat nach Russland transportiert wurde.

Eine Abbaumaschine von Caterpillar
740 Tonnen Gewicht machten diese Abbaumaschine zu einer logistischen Herausforderung. [Foto: DHL]

Selbst für den erfahrenen Mati Kärt, Managing Director DHL Freight Estonia & Baltic States, ein ungewöhnliches Frachtstück: „Wir mussten die Maschine natürlich weitestgehend zerlegt befördert, da sie sonst nicht per Bahn zu transportieren gewesen wäre, durch keinen Tunnel und unter keine Brücke gepasst hätte. Es war ohne jeden Zweifel die größte Lieferung im Schwergutbereich, die wir in 14 Jahren Tätigkeit in diesem Sektor bewegt haben!“ 16 Eisenbahnwagen waren nötig, um die Maschine vom estnischen Hafen Paldiski bis zur russischen Grenze zu bringen. „Bedingt durch die extremen Abmessungen brauchten wir sogar eine Genehmigung direkt aus dem Hauptquartier der russischen Staatsbahnen in Moskau, bevor wir anfangen konnten, zu arbeiten“, so Mati Kärt.

Echte Russland-Experten

Genau in diesem ständigen Austausch mit Russland liegt der Vorteil von DHL Freight Estland. Der baltische Staat ist mit seinen stark frequentierten Fährhäfen und dem kurzen Weg zur Grenze eines der wichtigsten Warentransitländer Richtung Osten. Die grundsätzlich bei nahezu allen Esten vorhandenen Russischkenntnisse und die große Erfahrung mit den entsprechenden Zollvorschriften beschleunigen die Abläufe zugunsten der DHL Freight-Kunden ganz erheblich.

Russlandgeschäft im Aufwind

Gleichzeitig ist die starke Beteiligung am Russlandgeschäft auch nicht ohne Probleme, wie die Auswirkungen der Wirtschaftsembargos im Nachgang der Krim- und Ukraine-Konflikte zeigen. So sank dadurch der Umsatz von 2014 bis 2015 um knapp vier Millionen Euro. Inzwischen zeigt der Trend allerdings wieder nach oben. Die Zahl der Sendungen liegt derzeit sogar deutlich über dem Niveau von 2014. „Von der transportierten Tonnage her liegen wir allerdings immer noch unter den Werten vor der Russlandkrise. Die durchschnittliche Sendungsgröße nimmt also ab. Aber wir können definitiv sagen, dass wir die Embargodelle hinter uns gelassen haben“, fasst Mati Kärt die Situation zusammen.

Ziel Deutschland

Aufgefangen hat den Rückgang im Russlandgeschäft vor allem der Handel mit Skandinavien und nicht zuletzt mit Deutschland. Nach Finnland und Schweden ist dies nun die dritthäufigste Destination für DHL Freight Estland. Vom einzigen Hub in Tallinn gehen in alle drei Länder tägliche Verbindungen ab, die – der Lage Estlands geschuldet – allesamt über Fährrouten laufen. Neben der kurzen Strecke über den Finnischen Meerbusen nach Helsinki existieren zwei feste Strecken nach Schweden und eine Abfahrt von Paldiski nach Travemünde, Deutschland.

Estland in Zahlen

  • Einwohner: 1,3 Millionen
  • Fläche: rd. 45.000 km2
  • Wirtschaftswachstum 2017 (erwartet): ca. + 2,4 %
  • Bruttoinlandsprodukt 2017 (erwartet): ca. 23,4 Milliarden US $

Weiterführend

Autor: Kai Ortmann

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